Wem macht eigentlich eine Fusion Angst? Und warum?

 

Also, die Fakten sind längst klar: Die umfangreiche Zusammenfassung der Fusionsanalyse ist in alle Haushalte verteilt. Es ist offensichtlich, dass die ins Auge gefasste Fusion überwiegende Vorteile hat:

Wir sprechen nur von einer Änderung in der Organisation der Gemeindeverwaltung; unsere Umgebung, unsere Nachbarschaft, unsere Vereine und Geschäfte bleiben unverändert! Unsere Heimat macht schon heute nicht an den Gemeindegrenzen halt. Die Veränderung in der Gemeindeorganisation werden Viele im Alltag kaum merken, die Vorteile aber dann schon:

  • die Aufgaben der öffentlichen Hand können in einem grösseren Rahmen besser gelöst werden, weil eine grössere Organisation mehr Fachlichkeit, bessere Stellvertretungen und durch grösseres Volumen mehr Erfahrung generieren kann.
  • regionale Aufgaben können besser angepackt werden.
  • durch die Grösse werden Synergien und damit Kosteneinsparungen möglich.
  • grössere Belastungen durch regionale Infrastrukturaufgaben (Strassen, regionale Sport- und Kulturanlagen) oder teure kommunale Aufgaben (Sozialwesen, Schulangebot, Kinderbetreuung, Altersngebote) können auf mehr Steurerzahler verteilt werden.
  • eine neue grössere Hauptstadt erhält mehr Gewicht im Kanton und eine grössere Ausstrahlung in der Schweiz.Risiken hat man gut beachtet und auf Augenhöhe ausgeglichene Lösungen erarbeitet:
  • Wahlkreise sichern allen beteiligten Gebieten einen ausgeglichenen Einfluss in der neuen Stadt
  • Stadtteilvertretungen mit eigenständigen finanziellen Kompetenzen sichern regionale und Quartierinteressen optimal ab.
  • Die Verwaltung bleibt dezentral und in allen Gebieten gut erreichbar.
  • die Ortsbürgegemeinden werden zusammengelegt und dadurch stärker.
  • beliebte Freizeit und Kulturanlässe bleiben lokal erhalten und werden durch neue gemeinsame Feierlichkeiten ergänzt werden.
  • die Vereine bleiben unberührt
  • die vertraglichen Verbindlichkeiten mit aussenstehenden Nachbargemeinden bleiben erhalten.

Weshalb bleibt dann der Widerstand doch noch so hartnäckig? Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt: Auch die neue Stadt hat einige Herausforderungen, auch dann wird es Fehler und Schwierigkeiten geben. Auch dann ist Vieles nur so gut, wie die Personen, die es umsetzen. Aber das wissen wir alle, das kann nicht der Grund sein für die noch verbreitete Skepsis. Vielleicht ist es die konservative Zurückhaltung, dem Bekannten mehr zu vertrauen als dem Neuen. Und wie in allen Fusionsprojekten sind es bekannte Gruppen, die Mühe bekunden, auch weil sie sich stärkerr betroffen fühlen:

Mitarbeitende in den Verwaltungen sehen den Ungewissheiten der Veränderung mit gemischten Gefühlen entgegen, leisten teiweise sogar Widerstand. Aber gute bisherige Mitarbeitende werden auch gute Mitarbeitende der neuen Hauptstadt, wohl mit mehr Perspktiven im Personalbereich, mit besseren Altersleistungen, mit mehr Chancen. Die gute Verwaltung in Suhr hat keinen Anlass, konstruktive neue Konkurrenz zu fürchten. Angst vor jeglicher Veränderung wäre ein schlechter Ratgeber.

Einige ehemalige und amtierende Behördenmitglieder fürchten sich davor „abgeschafft“ zu werden, neigen zum „Posten halten“ oder glauben, ihre Leistungen seien dann nach einer Fusion nicht mehr gewürdigt. Das ist unbegründet und wenig weitsichtig. Auch die neue Stadt ist auf engagierte Personen angewiesen, die die Verhältnisse kennen, die das Vertrauen haben. Unsere bisherigen Amtsträger haben Ihren Job gut gemacht. Es ist der Verdienst der bisherigen Amtsträger, dass man die Gemeinde heute im guten Zustand hat, auf Augenhöhe ein neues gemeinsames Projekt angehen und damit einer guten langfristigen Entwicklung den Weg ebnen konnte. Zudem werden wohl einige der heutigen Behördenmitglieder (nicht nur in Suhr) per 2026 mit dem Fusionsstart am Ende ihrer Amtszeit stehen. Die andern benötigen wir dringend für einen erfolgreichen Aufbau der neuen Stadt.

Ortsbürgerinnen und Ortsbürger wollen unter sich bleiben. Noch knapp 300 mit einem Bürgernamen wohnen noch in Suhr. Die heutige Arbeitsplatzflexibilität einerseits und die ausgezeichnete Standortqualität in der Region bringt schnelle Wechsel der Arbeits- und Wohnorte. Auch wenn Ortsbürger sich der positiven Bewahrung der lokalen Umgebung und des kulturellen Angebots verpflichtet fühlen, ist dies gemeinsam mit den andern Ortsbürgern in den Nachbargemeinden besser gewährleistet als allein mit den verbleibenden Ortsbürgern in Suhr allein.

Seniorinnen und Senioren sind immer etwas konservativer, halten am bewährten Bisherigen fest. Aber diese Fusion ist ein Projekt für die nächste Generation. Wollen wir das unseren Kindern verunmöglichen? Werden 2026, nach dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts nicht neue Generationen die Geschicke der Region bestimmen müssen?

Nein, es gibt wahrlich kaum mehr Gründe gegen die Fusion im Raum Aarau. Unterstützen Sie deshalb das Suhrer Komitee ProZukunftsraum (www.suhr-aarau.ch), melden Sie Ihr Interesse für weitere Informationen direkt an über prozukunftsraum@bluewin.ch.

 

 

Der Mythos von der Gemeindeversammlung

Suhr hatte in den Jahren bis 1981 einen Einwohnerrat, erinnern können sich nur noch wenige daran. Suhr hatte damals wenige als 7000 Einwohner. Heute sind wir über 10’500 Einwohner (+50%!), Tendenz steigend, in 10 Jahren werden wir rund 12’000 (+70%! Zahlen aus Finanzplan Suhr) sein.

Der Aargau lässt Gemeindeorganisationen mit Einwohnerrat oder mit Gemeindeversammlung zu. Grund dafür ist, dass kleinere Gemeinden bis ca. 6 -7000 Einwohner sinnvollerweise mit einer Gemeindeversammlung fahren, grössere Gemeinden nur mit einem Einwohnerrat ausreichend demokratisch legitimiert sind, weil mit der Grösse der Gemeinde der Anteil der Stimmberechtigten an den Gemeindeversammlungen schnell sinkt. Suhr müsste auch ohne Fusion wieder einen Einwohnerrat haben, wenn man den Einbezug zumindest derjenigen, die an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen ernst nehmen will.

In Suhr nehmen regelmässig nur ca. 2-5% der Stimmberechtigten an den Gemeindeversammlungen teil, mehr als 15% hätten auch nicht Platz in der Bärenmatte. In Gemeindeversammlungen melden sich pro Geschäft nur Einzelne zu Wort, viele haben Mühe, in dieser gleichwohl grossen Versammlung öffentlich zu sprechen. Meist sprechen die Präsidenten der Parteien, insgesamt wohl selten mehr als es Mitglieder in einem Einwohnerrat hätte. Wer sich beim Ergreifen des Wortes zuerst für das Protokoll vorzustellen hat (und damit klar macht, dass man ihn nicht als politisch aktive Person kennt in der Gemeinde), macht sofort allen klar, dass er sich nur in diesem Geschäft engagiert, dass er offenbar nicht regelmässig an Gemeindeversammlungen teilnimmt. Detailabänderungen sind in Gemeindeversammlungen schwierig, mehr als ein-zweimal soll eine Person nicht sprechen, sonst wirkt das rechthaberisch. Eine Detailbesprechung würde das aber meist erfordern. Die Gemeindeversammlung führt damit zu einer starken Vormachtstellung des Gemeinderates, ist wenig demokratisch und hat vielleicht mehr zu tun mit einer emotionalen Vorstellung, an den Entscheidungen dabei gewesen zu sein, auch wenn die echte Mitwirkung gering geblieben ist.

Regierungsrat Hofmann hat im März 2016 anlässlich einer Würdigung des Zofinger Einwohnerrates bei seinem 50 Jahr Jubiläum folgende Bilanz zugunsten des Einwohnerrates gezogen (und Zofingen hat die gleiche Einwohnerzahl wie Suhr):

1. Eine stetige und wirksame Kontrolle der Gemeinderäte sowie der Verwaltung ist mit einer Gemeindeversammlung kaum möglich, sie ist auf jeden Fall in einem parlamentarischen System nachhaltiger und besser. Bei einer Versammlungsdemokratie hat der Gemeinderat in der Regel mehr Freiheiten und mehr Macht, es besteht oft eine sogenannte Informations-Asymmetrie zwischen dem Gemeinderat und den Bürgerinnen und Bürgern. Die Exekutive hat einen Informationsvorsprung. Ob Geschäfte wirklich hinterfragt und zusätzliche Informationen hartnäckig herausverlangt werden, hängt häufig vom Zufall bzw. davon ab, ob Einzelpersonen unbequem sind und nachhaken.

2. Einwohnerräte verfolgen die politischen Geschäfte über einen längeren Zeitraum. Ihnen kommt aus institutionellen Gründen eine konkret zugewiesene Verantwortung zu. Das ist gerade bei komplexen Projekten und bei einer mittelfristigen Finanzplanung, der ein immer grösseres Gewicht zukommt, von entscheidender Bedeutung.

3. Auch die erhöhte Sitzungskadenz bei Gemeindeparlamenten spricht für einen Einwohnerrat. Gemeindeversammlungen hingegen finden in der Regel bloss zweimal pro Jahr statt, wenn Budget und Rechnung anstehen.

4. Bei einem Einwohnerrat ist in der Regel eine fundiertere Vorbereitung durch den Gemeinderat bzw. die Verwaltung gewährleistet, nicht nur bei Vorlagen zu einzelnen Sachgeschäften, sondern auch bei Vorstössen wie Motionen, Interpellationen, Postulaten und einfachen Anfragen. Mit einigen wenigen, mündlich vorgetragenen Sätzen, wie dies unter „Varia“ an Gemeindeversammlungen oft vorkommt, lassen sich die Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte nicht abspeisen.

5. Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte bereiten sich besser auf Sitzungen vor und setzen sich vertiefter mit Sachfragen auseinander. Auf jeden Fall sollte es so sein. Zudem kann mit ständigen Kommissionen, wie mit der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission, das fachliche Wissen der Parlamentsmitglieder erhöht werden, was sich positiv auf die Qualität der Geschäfte und die Kontrolle gegenüber der Exekutive auswirkt.

6. Und schliesslich: Ein Gemeindeparlament ist durch allgemeine Wahlen demokratisch besser legitimiert als die oft kleine Anzahl und zufällige Zusammensetzung der an einer Gemeindeversammlung anwesenden Stimmberechtigten.

Für die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger ist die Gemeindeversammlung ein guter Ort, sich direkt und persönlich politisch einzubringen oder zumindest sich über die Themen orientieren zu lassen und sie mitzutragen. Auch für mich ist es regelmässig ein Treffen der Aktiven, mit einem sympathischen Imbiss zum Ausklang. Diese Abschaffung macht emotional Mühe, fällt Vielen schwer. Das mag tatsächlich für die regelmässigen Gemeindeversammlungsteilnehmer einer der eher negativen Punkte einer Fusion sein. Aber Hand aufs Herz: Wiegen diese Nachteile die Vorteile einer Fusion auf? Ist nicht das Interesse an einer gut auch auf neue Herausforderungen gerüsteten Gemeinde höher zu werten? Sind die politischen Entscheide nicht von einem Parlament besser ausdiskutiert und breiter demokratisch abgestützt?

Trefft den Wermuth in Suhr

Cédric Wermuth persönlich, ja aber immer primär politisch! Nicht mehr den von Vielen auf die markigen Sprüche aus seiner JUSO Präsidentschaft reduzierten Wermuth, sondern ein junger aber bereits sehr erfahrener Politiker: Seit 2011 im Nationalrat, seit 2015 Vizepräsident der SP-Fraktion, 4 Jahre Co-Präsident der SP Aargau mit dem Wahlerfolg von 2016.

1-Mai-2015Cédric Wermuth kann begeistern, er kann blitzschnell analysieren und Themen, Probleme und Fragen in einen politischen Kontext stellen. Ausgebildeter Politologe und Politiker, ja Politiker ist heute auch ein Beruf. Politik nur noch hobbymässig zu betreiben wird mehr denn je unseriös, die vielgerühmte Bodenhaftung mit der „normalen“ Berufswelt ist dann oft einzig eine Verschleierung der Interessenpolitik. Dann sind dem echo diejenigen Politiker lieber, die sich eine Zeitlang bewusst und seriös den politischen Fragen widmen und sich für eine Zukunft für alle einsetzen. Am 20. Oktober wählen wir ihn in den Ständerat!

Lernen Sie Cédric Wermuth kennen am

Dienstag, 14. Mai 2019; 19 Uhr;

Gemeinschaftsraum «LebenSuhr»; Mühlemattweg 18, Suhr

Bus Nr 4 oder 6 bis Suhr Mattenweg

Donnerstag, 14. Juni, Gemeindeversammlung; JA zur Abklärungsanalyse über den Zukunftsraum

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Bild aus Mike Müller: „Heute Gemeindeversammlung“

Sie gehen nie an Gemeindeversammlungen? Ausser ins Theater darüber von Mike Müller…

Diese Politik ist doch immer dasselbe…

Auch wer sich schwer tut mit Gemeindeversammlungen, hie und da werden dort Weichen gestellt, die längerfristig ganz wesentlichen Auswirkungen haben: Das Budget und den Steuerfuss, können wir jedes Jahr neu festlegen, neu erhöhen, belassen oder senken. Auch andere Themen sind grundsätzlich in  jeder Gemeindeversammlung wieder neu zu traktandieren. Nicht aber Abklärungen zur Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden über den Zukunftsraum.

Wenn wir NEIN sagen, ist die weitere Mitarbeit von Suhr im Zukunftsraum Aarau zu Ende, die Diskussion darüber über die Chancen und Möglichkeiten wohl für längere Zeit blockiert: Noch nie war die Diskussion um eine Fusion in der Region Aarau so anständig, so gut abgestützt und so weit fortgeschritten. Es liegt zwar in der Natur der Sache, dass es sehr theoretisch ist, dass es etwas schwer vorstellbar scheint  und dass es den Alltag viel weniger prägt als einige meinen. Genau deshalb müssen nun konkrete Fusionsanalysen zeigen, wie das dann beim Wahlmodus, bei der Organisation der Exekutive, bei der Schule, bei den technischen Betrieben etc. aussehen könnte. Hier wird sich denn auch zeigen, ob die Schreckszenarien, die teilweise an die Wand gemalt werden, eintreten können oder eben gerade nicht. Wenn dann das Ergebnis wirklich nicht überzeugt, können, ja müssen wir es am Schluss ablehnen.

Wer sich in den letzten Monaten an den Diskussionen und den breit abgestützten Foren um diesen Zukunftsraum beteiligte, kann jedenfalls nicht mehr behaupten, hier begegne man sich nicht auf Augenhöhe. Schon heute im Leitbild zeigt sich, dass keine Spur von Arroganz der Stadt Aarau erkennbar ist, dass Wahlkreise auch von den andern beteiligten Gemeinden gewünscht und auch eingerichtet werden, dass man auch versucht, positive Elemente aus den Ortsbürgergemeinden zu erhalten und weiterzuführen. Darum steht nun auch die FDP Suhr hinter der Weiterführung des Prozesses. Auch sie will nun die Detailfakten sehen und ausgearbeitet erhalten.

Wer noch immer weitere Analysen verhindern will, steht beim echo im Verdacht, keine Details mehr abklären zu wollen, damit nicht positive Impulse und Chancen erkennbar werden können: Die emotionale Grundhaltung, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern verhindert auch möglichen Fortschritt.

Also, lesen Sie doch einmal das Leitbild oder blättern Sie es durch. Schauen Sie selber, ob wir uns hier vor weiteren Analysen fürchten müssen oder ob wie hier nicht vielmehr eine Chance packen könnten, das Gewicht unserer Region ganz wesentlich für die Zukunft zu stärken.

Und kommen Sie an die Gemeindeversammlung vom 14. Juni 2018 (und nein es läuft kein wichtiger Fussballmatch an der WM). Es dauert wohl etwa 2 Stunden, und es gibt im Anschluss danach ein Sandwich und ein Getränk und vielleicht einige gute Gespräche darüber, warum sich engagierte Bürgerinnen und Bürger so fürchten vor einer Diskussion über Gemeindezusammenschlüsse. Nur nebenbei: Vor 200 Jahren gehörten Buchs und Rohr zu Suhr, die heutige Gemeindegrenzen waren nicht immer so wie heute, sie wurden von Zeit zu Zeit den gelebten Verhältnissen angepasst; genau das müssen wir heute wieder prüfen!

 

Danke Beat Rüetschi, und danke auch Hans Huber

Lieber Beat

Ich weiss nicht mehr, wann wir uns erstmals begegnet rund um die Suhrer Ortspolitik, es war wohl irgendwann in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Bei einer Bauordnungs- und Zonenplanrevision hast du damals strikte die Anliegen des Gewerbes und der Bauwirtschaft vertreten. Wir waren uns selten (ganz) einig. Aber schon damals hast du korrekt im Ton und mit Respekt vor andern Meinungen politisiert. Andere Meinungen – soweit begründet und der Sache dienend – angehört und in die Arbeiten und Entscheide einbezogen. Du wurdest dann, als derart politische Interessierter und im Dorf gut verankert steil auf den Weg des Politikers lanciert: Im 1997 wurdest du dann in den Gemeinderat gewählt und gleich Gemeindeammann -wie das Amt damals noch hiess. Seither warst du in der Suhrer Politik nicht mehr wegzudenken. Dein Steckenpferd – freie Strassen für Autos – hast du schon damals vertreten, damals aber noch euphorisch, vielleicht etwas zu euphorisch, bestrebt, dem Gewerbe und natürlich auch den Pendlern von und rund um Suhr freie Durchfahrt zu schaffen und natürlich die Immissionen für die Bevölkerung im Dorf zu minimieren. Für ÖV und Naturanliegen hattest du damals nicht soviel Musikgehör, wir „Linke und Grüne“ waren dir als „potentiell wirtschaftsfeindlich“ suspekt. Im Amt hat sich aber dann dein Blickwinkel stetig und pragmatisch verbreitert.  Dabei hat mitgeholfen, dass heute niemand mehr den Schutz von Natur und Landschaft als primär wirtschaftsfeindlich betrachtet. Du jedenfalls erkanntest, dass Natur und Landschaft in und um Suhr eigenständigere Werte sind, dass es auch den Ausbau des ÖV braucht, wenn wir im schnell wachsenden Autoverkehr nicht ersticken wollten. Das Amt, aber wohl auch die Lebenserfahrung, haben dich pragmatischer gemacht. Ob der Wechsel des Namens vom Gemeindeammann zum Gemeindepräsidenten dafür ein symbolisches Zeichen war? Es war jedenfalls gut so, gut auch, dass du ganz konkret erkanntest, dass die noch 2005 bis 2009 so geschmähten Leute von „Zukunft Suhr“ sehr vernünftig, sehr pragmatisch und mit viel Engagement und Sachverstand sich gut für die Anliegen der Suhrerinnen und Suhrer einsetzten. Viele Parteilose, neu in Suhr, setzten sich, ohne Ortsbürger zu sein und schon immer in Suhr gewohnt zu haben, für Suhr ein. Du hast das gesehen und dies mit deinem ganzen Einfluss zum Wohle von Suhr unterstützt, ohne Berührungsängste und vorurteilslos. Das bestätigt deine guten Wahlresultate nachträglich eindrücklich, dafür gebührt dir Dank.

Neben deinem Rücktritt gerät das Zurücktreten von Hans Huber – zu Unrecht – etwas in den Hintergrund; vielleicht weil es nur einen Teilrücktritt ist (Hans Huber stellt seine Erfahrung noch mit einem Kleinstpensum weiter zur Verfügung). Aber vielmehr, weil Hans Huber seine Rolle als Gemeindeschreiber in einer Art von Zurückhaltung ausgeübt hat, die andernorts selten ist. Gemeindeschreiber sind die am stärksten unterschätzten Chefbeamten der Gemeinden und es gab Zeiten, in denen diese faktisch die Gemeinden regierten, weil die nur wenige Jahre im Amt stehenden Politiker nie an die Erfahrung und die Übersicht der „Kanzler“ heranreichen konnten. Hans Huber hat das nie ausgenutzt. Hat seine Wissen immer den gewählten Politikern zur Verfügung gestellt und sich zurückgehalten. Dass sein Einfluss dennoch beachtlich war, wussten und erkannten bloss Eingeweihte. Dass Hans Huber nun sein Wissen nicht einfach mit in die Pension mitnimmt, ist ein Vorteil, und garantiert Kontinuität zum Wohle der Gemeinde. Danke auch an Hans Huber.

 

 

 

und wählen gehen!

Es ist Wahlkampf und keiner geht hin!

Es mag ja durchaus positiv sein, dass der Gemeindewahlkampf so nicht stattfindet. Zwar hat Suhr – wenn auch nicht ganz ohne Mühe – für alle massgebenden Behörden wie Gemeinderat, Schulpflege und Finanzkommission eine Auswahl unter verschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten. Aber eine Auseinandersetzung um politische Themen findet nicht statt, auch sonst sind die Wahlkämpfer wenig präsent. Im Gegensatz zu Aarau, das mit Hilfe nationaler Parteipräsidentinnen und -präsidenten um das Stadtpräsidium kämpft und durch Parteien und Kandidierende zehntausende von Franken in den Wahlkampf steckt, läuft in Suhr alles ruhig ab. Haben die wieder kandidierenden Kandidatinnen und Kandidaten alles richtig gemacht?

Marco Genoni als Kandidat von Zukunft Suhr für das Gemeindepräsidium ist über alle Parteigrenzen unbestritten, nachdem man noch vor 4 und 8 Jahren Zukunft Suhr mit Vehemenz bekämpft hat. Auch Thomas Baumann als bisheriger Gemeinderat erhält öffentlich Gratulationen für seine Vermittlungen im KEBA – Anwohner Streit und hat es verstanden, ein emotionales Thema zu versachlichen und einer Lösung zumindest näher zu bringen. Und Gemeinderatskandidat Oliver Krähenbühl wird für seine umsichtigen und zukunftsgerichteten Ideen um das sich immer mehr selbst auflösende Dorfzentrum auch von den betroffenen Grundeigentümern und Gewerbetreibenden gelobt. Alles paletti? Ja; Zukunft Suhr hat einen tatsächlich überzeugenden Leistungsausweis, hat es verstanden, die politische Basis der „kleinen Stadt“ Suhr über die Gewerbetreibenden und Ortsbürger hinaus deutlich zu verbreitern und mehr Einwohner für die Entwicklung einzubeziehen.

 

Da ist es wirklich wenig einsichtig wieso man die SVP wieder in den Gemeinderat bringen soll, auch wenn das Abseitsstehen der grössten Partei komisch anmutet. Ihr neu in die Partei eingetretener Kandidat ist anständig, umgänglich, fast ein wenig zurückhaltend, hat er doch selber nicht das Gefühl, als einzelner Gemeinderat viel bewirken zu können: Vizekommandant der Ortsfeuerwehr und gegen eine Fusion zu sein, ohne zu wissen, wie das dann aussehen würde, ist als Programm denn auch etwas mager und kaum zukunftsgerichtet, da kann man noch lange „Zukunftslogans“ in die Inserate schreiben. Und wenn man sich beklagt, dass die Ostumfahrung schon über Jahrzehnte vor sich hin geschoben wird, wäre vielleicht auch einmal der Gedanke zu machen, ob nicht eine grössere Gemeinde Aarau-Suhr-Entfelden hier mehr Druck machen könnte und v.a. ob nicht regionale Verkehrsfragen eine Gemeinde allein überfordern. Wo und wie würde er dann viel billiger bauen, resp. welche Gemeinde hat denn wo ein mit Vinci vergleichbares Schulhaus „viel billiger“ gebaut? Wie würde er denn die Finanzen ausgabenseitig verbessern, wenn doch die Einnahmen deutlich hinter denen anderer Gemeinden herhinken und der Nettoaufwand pro 1000 Einwohner in Suhr unter dem Durchschnitt des Bezirks liegt. Ob er die Analysen der Gemeinderechnung je studiert hat und den Finanzplan kennt?

Also, der Einbezug aller politischen Kräfte in Suhr wäre dann wünschenswert und sinnvoll, wenn man die Überzeugung hätte, dass hier neben politischer Überzeugung auch Fachwissen und Sachverstand Einzug halten würde. Für Allgemeinplätze und Schlagworte brauchen wir keine andern politischen Kräfte; da bleiben wir bei der Sachpolitik von Zukunft Suhr, meint da das echo.