Heimat – eine Grenzerfahrung

heimat-eine-grenzerfahrungDer Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen. Der Begriff „Heimat“ steht in einer speziellen Beziehung zum Begriff der „Siedlung“; dieser bezieht sich, und damit im Gegensatz zum Wohnplatz, in der Regel auf eine sesshafte Lebensform, d. h. auf ein dauerhaftes bzw. langfristiges Sich-Niederlassen und Wohnen an einem Ort bzw. in einer Region

Wir sichern uns die Heimat nicht durch den Ort, wo, sondern durch die Art, wie wir leben.
Georg (Karl Friedrich Theodor Ludwig) Baron von Örtzen

Was macht bei Ihnen Heimat aus? Freunde, Familie, Haustier, Verein, Schulkameraden, Freundinnen, Jogging- und Bikegelände, Bus- und Eisenbahnstationen, vertrautes Freizeitangebot, Kino, Markt, Dorflädeli, Shopping-Center, Partei, oder was? Was verlieren wir davon bei einem Zusammenschluss mit Nachbargemeinden? Ist es wirklich die Gemeindeversammlung? Wie viele Male waren Sie in den letzten 5 Jahren dort?

Oder ist es der Wald?
Nicht wo du die Bäume kennst,  wo die Bäume dich kennen, ist deine Heimat.      aus Sibirien

Mit der Diskussion um den Zukunftsraum, der Prüfung von Fusionen sind die Heimatdiskussionen wieder in jedem Munde. Aber so einfach ist dieser Begriff nicht: Was macht ihn aus? Warum klammern sich heute wieder mehr Leute daran?

Heimat entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Verbundenheit, durch Anteilnahme und durch Mitwirkung.
© Moritz Leuenberger

Wir gehen auf Heimatsuche! Nein nicht in Suhr, sondern in Lenzburg. Prüfen Sie Ihren Heimatbegriff, Ihre Verbundenheit mit der Heimat in Suhr; über ihre Angst, Heimat zu verlieren, bei einem Zusammenschluss mit dem grösseren Aarau.

Wir reden aktuell viel über Heimat. Über verlorene Heimat, über neue Heimat und über eine Heimat, die vielleicht nie mehr so sein wird, wie sie einmal war. Aber was macht Heimat aus? Wie viel Heimat brauchen wir? Und welche Heimat wollen wir?

 Ab dem 11. März 2017 lädt Sie das Stapferhaus Lenzburg mit Ihrer Gruppe dazu ein, in einem interaktiven HEIMAT-Parcours auf über 1500 Quadratmetern Ihre eigenen Heimatgefühle zu erkunden. Erleben Sie eine lustvolle und spannende Reise von inneren zu äusseren Grenzen und entdecken Sie dabei sich und die Welt neu. Stapferhaus: http://www.stapferhaus.ch/gruppen

Gerne knüpfen wir mit dem Leitbild für ein neues Aarau über unsere Erfahrungen mit Heimat an.

 

Der Zukunftsraum kann und muss sich beweisen

Siedlungsraum Region AarauNa also; das echo ist erleichtert, dass eine Mehrheit der an der Abstimmung teilnehmenden Stimmberechtigten in Suhr Fakten will über die Frage der Fusion mit Aarau und nicht ohne Argumente bereit ist, dieses Thema zu versenken. Das ist gut so, das ist zweifellos richtig und vernünftig. Es ist auch bei einer Stimmbeteiligung von immerhin 48% weit besser abgestützt als der Entscheid der Gemeindeversammlung mit 7% Teilnehmer. Dass aber viele Suhrerinnen und Suhrer zögern, ist gleichwohl beachtenswert: 48% NEIN sind nicht zu ignorieren; das echo hat die fehlenden Argumente und die etwas plakative Herzli-Kampagne von Pro Suhr etwas belächelt. Aber 48% sind mehr als die Ortsbürger, als Nostalgiker. Damit hat man sich auseinanderzusetzen!  Man will das Bestehende nicht aufgeben, ohne zu wissen, wie es dann kommen würde. Das ist richtig und anzuerkennen. Der Zukunftsraum Aarau wird sich noch erklären und beweisen müssen. Das echo hat das Vorgehen des Gemeinderates Suhr, den ganzen Prozess in intensivem Einbezug der Bevölkerung zu führen, immer begrüsst. Er erweist sich heute als völlig richtig.

Aber dann müssen auch von den Gegnern Argumente auf den Tisch! Wir müssen Antworten auf die Frage finden, wie die öffentliche Hand die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung am idealsten abdecken kann. Dazu brauchen wir Definition der Bedürfnisse ohne gewisse Bevölkerungsgruppen auszuschliessen und dann eine Optimierung der Kosten – Nutzenverhältnisse und eine Überprüfung der Mitwirkungsmöglichkeiten oder der demokratischen Legitimierung der Entscheide der öffentlichen Hand.

Vielleicht müssen wir uns aber auch einmal über Heimat unterhalten: Was macht die Heimat, Verbundenheit mit Menschen aus, was erscheint gefährdet und wie können wir das erhalten, das uns wichtig ist.

Dann muss man auch aufhören, alle zu verteufeln, die in eine Fusion als prüfenswerte Möglichkeit, vielleicht auch als eine langfristig bessere Lösung für Suhr sehen. Und auch umgekehrt müssen Fusionsturbos ernst nehmen, dass es vielen Personen Mühe macht, sich Veränderungen in der Gemeindelandschaft (positiv) vorstellen zu können. Das Thema ist zu wichtig für Parteiengezänk. Die Diskussion muss geführt und versachlicht werden; Herzli allein genügen nicht, sie sind aber auch nicht ehrenrührig, wenn sie das Gefühl ausdrücken, dass man sich in grösseren Einheiten weniger geborgen fühlt. Der Präsident der SVP Suhr hat erste Argumente genannt (Die Kosten würden steigen…, die Gemeindeversammlung geht verloren), das sind zumindest Ansätze zu einer Argumentation, die in den nächsten Monaten zu vertiefen sein werden.

Dieser Prozess mit einem sachlichen Austausch der Argumente aber auch mit einer Vertrauensbildung wird dann auch mehr und mehr überregional zu führen sein. Wir werden einmal mit den Aarauern und Entfelder zusammensitzen müssen, um zu sehen, ob wir wirklich so verschiedene Erwartungen haben, ob wir wirklich so verschieden sind. Wir werden einmal die Erfahrungen von Rohr im neuen Aarau von verschiedenen Exponenten anhören müssen, nicht nur von allen das herausgepickt, das den eigenen Standpunkt stützt.

Die heutige Gemeindelandschaft war nicht immer so wie heute, sie wird auch nicht immer so sein. Wann der Zeitpunkt für Veränderungen richtig ist und wie man eingreifen soll, ist jetzt zu diskutieren. Das echo nimmt die Herausforderung gerne an und wird den Leitbildprozess, wenn er dann nach dem Urnenentscheid auch von Unterentfelden anläuft, gerne begleiten.

KEBA Debakel

keba_bild-az

Bild AZ

Zuerst die Fakten:

1.
Die Kunsteisbahn Aarau (KEBA) und Trainigsplätze des FC Aarau stehen seit 1959 am Stadtrand Aarau neben dem Brügglifeld auf dem Gemeindegebiet von Suhr. Wie alle grossen Sportanlagen werden die nahen Wohnliegenschaften durch den Betrieb dieser Sportanlagen betroffen, sie haben zwar nahe Freizeitmöglichkeiten für sich und ihre Kinder, sie haben aber auch Immissionen zu dulden. Die Anlage ist beliebt, sie lockt jeden Winter tausende von Kinder, Erwachsene an zum freien Schlittschulaufen an, Eiskunstlauf, Eishockeyspiel und Curling. 1976 wurde sogar die Spiele der B-Weltmeisterschaft im Eishockey ausgetragen mit tausenden Zuschauern.

2.
Die nach Jahren dringend notwendige Erweiterung der KEBA war lange ein Trauerspiel der regionalen Zusammenarbeit, ein Beweis, dass grössere Sportanlagen kaum mehr finanzierbar sind. Alle, viele wollen davon profitieren, niemand bezahlen und niemand die Immissionen hinnehmen. Dass Aarau in Zeiten der noch besseren Finanzlage hier den Grossteil der 20 Mio für die Erneuerung der Anlage bezahlt hat und wenigstens Suhr und Buchs noch einen kleinen Anteil übernahmen, hat den Knoten gelöst, die KEBA wurde erneuert und auf den Winter 2016/17 eröffnet.

3.
Die Anwohner haben im dafür nötigen Baubewilligungsverfahren in Suhr (Standortgemeinde) hartnäckig und berechtigt ihre Einwände, ihre Anliegen (auf mehr Ruhe und Rücksichtnahme) eingebracht und verhandelt. Sie mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Anlage in der öffentlichen Zone standortgerecht sei, dass die Anlage länger da stehe als die Einsprecher dort wohnen, die Häuser damit in voller Kenntnis der Immissionen der KEBA erworben worden sind. Gleichwohl hatten sie insoweit Erfolg, dass im Baubewilligungsverfahren Konzessionen gemacht werden mussten, dass die neue KEBA letztlich weniger Immissionen verursacht als früher. Viele auch unrealistische Forderungen der Anwohner blieben aber auf der Strecke. Und die kommen nun wieder…

4.
Weil der Bauherrschaft und der Baubewilligungsbehörde ein blöder Fehler unterlief: Als Betriebszeit wurde falsch die Zeit des öffentlichen Eislaufes festgeschrieben und der Abendbetrieb durch Eishockey, Kunsteislauf und Curling sowie die Pflege der Anlage „vergessen“. Niemand bemerkte den Fehler (oder haben die Einsprecher den Fehler bemerkt und triumphiert?), allen musste ja klar sein, dass 16.30 Uhr nicht das Ende des ganzen Betriebes sein konnte.

5.
Die Bewilligung wurde rechtskräftig, die Anlage gebaut.

6.
Als der Fehler den Verantwortlichen klar wurde, wurde er nicht umgehend mit einem neuen Verfahren formell und korrigiert: Man wollte wohl keine „schlafende Hunde“ wecken, nachdem man sah, wie ein Einsprecher im Beispiel des neuen Fussballstadiums im Torfeld Süd ein Verfahren über Jahre verzögern konnte. Ironie der Sache ist hier, dass der Einsprecher im Torfeld Süd die Verlegung des Fussballstadions Brügglifeld über Jahre verzögerte und die Anwohner von KEBA und Brügglifeld damit über Jahre länger den Immissionen beider Sportanlagen aussetzte. Die Sankt Florians Politik der Anstösser von beiden Anlagen behindert sich gegenseitig.

Fazit:
Im ersten Baubewilligungsverfahren wurde versucht, mit den Auflagen in der ersten Baubewilligung, alle Interessen gegeneinander abzuwägen. Weil die KEBA letztlich zonenkonform ist, konnten die Anliegen der Anwohner nur teilweise erfüllt werden. Aber immerhin ist die Anlage bereits heute leiser und Anwohner verträglicher als früher. Einige Anwohner nutzen nun den Fehler der Verantwortlichen aus, um von ihren Anliegen noch etwas mehr durch zu bringen. Sie drohen faktisch mit Blockierung der Anlage, bis diese finanziell kollabiert. Das kann so kaum geschützt werden.

Es bleibt für das echo die Erkenntnis, dass individuelle Interessen und öffentlichen Anliegen nicht selten aufeinanderprallen, dass es immer schwieriger wird für Behörden, diese Interessen auszugleichen. Die Verfahren werden immer anspruchsvoller bezüglich Genauigkeit und Professionalität und erfordern häufig auch grosse kommunikative Kompetenzen. Ob die Gemeindegrenze und die damit verbunden Kompetenz verschiedener Behörden hier nützlich gewesen ist, mag diskutabel sein. Sicher lassen sich aber derartige Abläufe nur noch mit gut ausgebildeten professionellen Verwaltungen und Behörden bewältigen. Entscheide der Behörden werde anderseits immer weniger akzeptiert und die ausgebauten rechtsstaatlichen Verfahren laden dazu ein, mit (auch querulatorischen) Eigeninteressen Verfahren zu blockieren.

Es wäre zu wünschen, dass hier nicht unter dem Eindruck derartiger Beispiele das Pendel zu stark auf die andere Seite ausschlägt und rechtsstaatlichen Mitwirkungsinstrumente geopfert werden. Und auch Hasstiraden gegen Private bis zu Drohungen und Beschimpfungen sind kontraproduktiv und falsch, auch wenn ein zur Schau getragener Eigennutz halt wenig Sympathie auslöst.

Immerhin sind nun wieder Gespräche unter den Betroffenen im Gange: Lösungen sind möglich, sie erfordern aber Kompromisse von beiden Seiten, auch von der öffentlichen Hand, die mit dem Fehler im Verfahren nun den Anwohnern nochmal etwas entgegenkommen muss. Die Hoffnung auf eine gute KEBA für alle stirbt zuletzt.st-florian_prinzip

Suhrer Parteien zum Zukunftsraum Aarau

luftbild-suhr_vurma

Bild Vurma

Zuerst: Die Frage, ob eine Fusion von Suhr mit der Stadt Aarau und weiteren Nachbargemeinden Sinn macht, ist keine parteipolitischen Frage. Schon die erste Auslegeordnung und Analyse der Universität Bern zeigte klar auf, dass die politischen Kräfteverhältnisse sich durch derartige Fusionen nicht ändern. Für Parteipolitik ist diese Frage damit völlig ungeeignet.

 

 

KirchenhügelUnd trotzdem versucht der junge neue Präsident der SVP Suhr, sich mit diesem Thema politisch zu profilieren. Ob das geht? Man sei gegen eine Fusion, also prüft man diese Frage schon gar nicht. Fusionen sollen erst geprüft werden, wenn eine Gemeinde finanziell am Ende sei. Und hier hilft die SVP tatkräftig mit, dass der Finanzhaushalt schnell aus dem Lot fällt, indem man der Gemeinde die dringenden Steuern verweigert: Eine zurückhaltende Steuerfusserhöhung des bürgerlichen Gemeinderates Suhr wurde aber an der letzten Gemeindeversammlung bekämpft, obwohl unbestritten ist, dass Suhr mit dem aktuellen Steuerfuss seine Investitionen nicht zu decken vermag.

Der vor wenigen Monaten von Aarau nach Suhr zugezogene SVP-Präsident verteidigt mit stolzer Brust die Unabhängigkeit von „uns Suhrer“… da wundert sich das echo doch schon ein wenig. Vielleicht relativiert hier der langjährige Blick vom Suhrerchopf schon etwas. Auch die Kirche über Suhr erinnert sich ja noch gut an Zeiten, als es Gemeinden wie heute noch gar nicht gab, oder später als Buchs noch zu Suhr gehörte. Zeiten ändern sich…

Ist vielleicht die SVP in Suhr nicht deshalb mit ihren Kandidaten bei allen Gemeindewahlen gescheitert, weil eine Politik mit stolzer Brust und voller Überzeugung aber wenig Sachwissen kaum überzeugt? Und warum beklagt denn der SVP Präsident gerade jetzt im Zusammenhang mit der nicht parteipolitischen Vorlage zur Abklärung einer Fusion, dass die SVP nirgends vertreten sei. Gespannt warten wir auf die guten Kandidaten, es darf auch eine gute Kandidatin sein.

Da lobt doch das echo gerne einmal die FDP Suhr, die hier mit ihrem Gemeindeammann zuerst abklären will, die Fakten auf den Tisch  haben möchte, bevor man weiter über Fusionen redet. Ja vielleicht ist eine Sachpolitik tatsächlich auch an der Urne erfolgreicher. Die FDP ist jedenfalls gut vertreten. Dass dann aber auch von der FDP die zu erwartenden Strassennamenkonflikte und die dadurch nötigen Namensänderungen offenbar als Hauptprobleme genannt werden, macht doch stutzig.

Das echo meint hier dazu, dass wenn sich wirklich die Strassennamenänderung als einziger „Nachteil“ der Fusion entpuppen würde, die Fusion eher heute als morgen umgesetzt werden müsste! Die Abklärungen werden wohl schon noch die eine oder andere Knacknuss mehr aufzeigen. Aber fürchten muss man sich in Suhr nicht, Suhr hat seine Hausaufgaben gemacht und steht heute gut da. Die Fusionsfrage ist eine Frage der Zukunft…

Und deshalb, um bei den Parteien zu bleiben, ist Zukunft Suhr klar für die vertiefte Abklärung für ein Leitbild einer neuen grösseren regionalen Stadt Aarau und ein Einbringen aller Stärken (und auch Schwächen) Suhrs in diesen Prozess. Das echo stützt daher mit Überzeugung die Politik von Zukunft Suhr mit allen darin einig gehenden Parteien (SP, Grüne, EVP, CVP, GLP). Weil nur diese Position seriös, sachlich und vertretbar ist, haben auch die Kandidatinnen und Kandidaten von Zukunft Suhr jeweils das Vertrauen in Gemeindewahlen erhalten. Sie werden dieses Vertrauen rechtfertigen und auch im Herbst 2017 wieder antreten.

Man darf skeptisch sein, man darf Risiken und Probleme nennen, man darf auch aus jahrzehntelanger aktivem Engagement in Suhr seine Heimatgefühle an diese Gemeinde anbinden. Aber man darf eigentlich nicht ohne vertiefte Abklärung und Sachdiskussion „nein“ sagen, bevor die Fakten auf dem Tisch liegen. Darum unterstützt die SP Suhr das JA zum Zukunftsraum.

banner-referendum

 

 

Angst vor Fakten oder die Gesichter hinter Pro Suhr

suhr-im-herzen

Foto AZ

Nun ist bekannt, wer hinter „Pro Suhr“ steht. Martin Saxer und Andy Ort geben dem emotionalen Widerstand gegen jegliche Annäherung an Aarau ein Gesicht. Ist es Zufall, dass die Protagonisten im Rentenalter sind oder ist die ältere Generation wirklich  deutlich zurückhaltender in der Frage der Gemeindezusammenschlüsse? Das grosse Engagement („Als Ortsbürger bin ich dagegen“) kann aber fehlende Argumente (saxer-ort) nur wenig verdecken:

1.
Zuerst: Es geht heute einzig um die Abklärung, die vertiefte Analyse in den Details der Fusionsüberlegung. Nur wer blind ohne jegliche sachliche Auseinandersetzung ohnehin immer gegen jede Fusion war, ist und sein wird, kann hier dagegen sein. Wer bei aller Skepsis zuerst einmal die Vor- und Nachteile anschauen möchte, muss JA stimmen zu einer Abklärung. Zu einer allfälligen Fusion kann man sich später definitiv äussern.

2.
„Ich sehe keine Vorteile für Suhr“ ist halt etwas kurz gedacht. Fusionsprojekte haben einen Langzeithorizont: Sie suchen eine längerfristige bessere Zukunft für alle Beteiligten. Aktuelle, kurzfristige Interessen und auch der Blickwinkel nur aus der Sicht einer Gemeinde können in die Irre führen. Rosinenpickereien, d.h. die Vorteile überall aus den Nachbarn zu holen und möglichst wenig zurückzugeben, ist halt einer gemeinsamen, langfristigen, positiven Entwicklung hinderlich.

3.
Die immer wieder kolportierte Geschichte mit dem Forst und die Beteuerung, dass man für Zusammenarbeit jederzeit offen sei, wird nicht richtiger, nur weil sich heute kaum mehr jemand an die Details erinnert. Das echo berichtete bereits damals darüber (Suhr im Wahljahr 2013: Gemeindezusammenarbeit). Auch die AZ berichtete (AZ_Forst Suret):
Kurz zusammengefasst ging es um Folgendes: Weil Rohr nach der Fusion mit Aarau aus dem Forstverband Suhr-Buchs-Rohr ausschied und gleichzeitig die Forstanlagen Suhr-Buchs-(Rohr) wesentlichen Erneuerungsbedarf hatten; bot Aarau dem Forstverband Suhr-Buchs die Prüfung einer umfassenden Zusammenarbeit an unter Verweis auch auf die neuen Forstgebäude Aaraus am Distelberg. Davon wollte man in Suhr nichts wissen, es gäbe nichts abzuklären, man bleibe eigenständig (!). Das kommt dem echo doch bekannt vor. In Suhr wurde dann das Forstgebäude neu gebaut, anständig sauber und bescheiden, aber gekostet hat es gleichwohl 1,5 Mio (berichte_fiko_werkhof_spittel). Es hätte wohl gespart werden können, wenn man Zusammenarbeit ernst genommen hätte, wenn man nicht an Kleinigkeiten, an Gärtlidenken verhaftet gewesen wäre. Der Forst ist kein gutes Beispiel für die Eigenständigkeit, sondern eine Bankrotterklärung der vielgelobten Zusammenarbeit eigenständiger Gemeinden, die häufig an Details scheiterte.
Das echo sieht sich darin bestätigt, dass man Zusammenarbeitsprojekte nur dann toll findet, wenn es genau so läuft wie man es selber will; dass man nicht bereit und in der Lage war, die echten Anliegen auch anderer Partner ernst zu nehmen und Kompromisse zum längerfristigen Wohl aller zu suchen. Das wäre tatsächlich auch bei Fusionsanstrengungen erforderlich.

Wie sich das alles abgespielt hat, weiss auch alt Stadtschreiber Gossweiler noch genau (forst_az_25-1-2017). Zurecht lässt er den Verantwortlichen in Aarau nicht vorwerfen, sich damals nicht korrekt verhalten zu haben. So fallen denn Vorwürfe an Aarau, mit den Nachbargemeinden nicht auf Augenhöhe gesprochen zu haben, in sich zusammen und an diejenigen zurück, die nie ernsthaft bereit waren, für Zusammenarbeitsprojekte auch über ihr eigenes Gärtli hinaus zu schauen. Genau da sind wir heute wieder, wenn man die Frage einer Fusion schon gar nicht prüfen will!

4.
Die bisherige Studie zum Zukunftsraum besagt zwar, dass Suhr mit 10’000 Einwohnern und einer intakten Gemeindestruktur nicht mangels Geld oder funktionierender Behörden oder Verwaltung fusionieren müsse; etwas anderes sagt ja niemand. Die Studie sagt aber auch, dass eine Fusion der Kerngemeinden um Aarau (zu denen auch Buchs gehören würde) das grösste Potential hätte. Genau das müsste vertiefter geklärt werden.

„Der Kernperimeter, für welchen in einer zweiten Subvariante eine Fusion geprüft wird, setzt sich aus der Stadt Aarau sowie den mit Aarau baulich zusammengewachsenen Gemeinden Buchs und Suhr zusammen. Dies wäre ein logischer Verbund mit wirkungsvollen Synergiepotenzialen“ Studie S. 119 (entwicklungsoptionen-fuer-den-zukunftsraum-aarau_studie-final)

5.
Dass man als Bürger heute selten bis nie persönlich mit der Gemeindeverwaltung zu tun hat, wird ja im Interview geradezu bestätigt. Warum man denn die Schliessung der Zweigstelle der Verwaltung in Rohr (die in den Jahren ihres Bestandes mangels Bedarf praktisch nie genutzt wurde) immer wieder  als negatives Beispiel glaubt bringen zu müssen, erschliesst sich dem echo nicht. Fragen wir doch im weiteren Verfahren dann dazu einmal die Aarau-Rohrer Stadträtinnen Regine Jäggi und Franziska Graf.

6.
Ja, die Gemeindeversammlung als Hort der Demokratie. Oder geht es vielleicht doch darum, dass in der Gemeindeversammlung die Exekutive sich leichter durchsetzt und dass dort die langjährigen Ortsbürger und Eigenheimbesitzer unter sich sind und selten von den „Zugezogenen“ in den Mietwohnungen überstimmt werden. Auch dazu hat sich das echo schon einmal geäussert (Die Irrtümer von „echt Suhr“; 2. Teil, Das Lob der Gemeindeversammlung). Dann wäre der Widerstand gegen Fusionsprüfungen ein Versuch, so lange wie möglich die Vormacht der echten Einheimischen, der Ortsbürger zu halten… oder nicht die ganze Bevölkerung, sondern seinen Einfluss in Suhr im Herzen?

7.
Und dann kämpft man weiter, falls auch am 12. Februar eine Mehrheit nicht die Meinung der Ortsbürger teilt. Wie Präsident Trump, der die amerikanischen Wahlen dann für korrekt hält, wenn er gewinnt…

 

NB: Mit der SP heute haben die beiden Wortführer von Pro Suhr nichts zu tun. Sie waren nie oder sind seit Jahrzehnten nicht mehr in dieser Partei.

JA zum Zukunftsraum oder wo fängt Aarau an?

img_4072Ja, genau das ist es ja: Aarau und Suhr sind so stark zusammengewachsen, dass selbst gut informierte Einwohner nicht wissen, wo Suhr aufhört und Aarau beginnt.

Dann hängt man auch die Blachen „Pro Suhr“ am Zaun des Spitalparkplatzes in Aarau auf. Sind denn alle Suhrer so häufig in Aarau, dass dort die Werbung wirksamer ist? Wenn die Aarauer auch Suhr im Herzen tragen, brauchen wir uns ja vor der Fusion nicht zu fürchten, schon gar nicht vor den Abklärungen zur Fusion!

Vielleicht ist ja gerade das Aufgeben der künstlichen Grenzen oder vorerst die Prüfung des Zusammengehens längerfristig „Für Suhr“ oder vielmehr „Für die Einwohner von Suhr und Aarau“ eine bessere Lösung.

JA zum Zukunftsraum, JA für das Referendum

banner-referendum

Wenn in Aarau für die Eigenständigkeit Suhrs gekämpft wird,  wirft dies Fragen auf: Wie könnte dann eine neue Hauptstadt aussehen. Das ist mit dem Projekt Zukunftsraum nun vorbereitet: Einige Gemeinden setzen zwar weiter auf komplizierte punktuelle Zusammenarbeitsprojekte wie eine neue Kreisschule Aarau/Rohr/Buchs, scheuen aber aus irrationalen Gründen vor der Prüfung eines umfassenderen Zusammengehens zurück. Andere wie Küttigen riskieren lieber den Verlust der Oberstufe im Dorf als sich auf die Prüfung einer längerfristigen Fusion einzulassen.

„Suhr im Herzen“ ist dann schon sehr emotionaler Herzschmerz und wenig an Argumentation; dem echo liegt seit Jahren das Wohl der Bewohner in und um Suhr am Herzen, abstrakte Organisationsgebilde sind aber auf ihre Wirksamkeit und Effizienz permanent zu überprüfen und der Zeit anzupassen, alles andere ist Ballenberg!

Die Behörden und viele interessierte Workshop-Teilnehmer haben sich bereits intensiver mit der Frage auseinandergesetzt und sahen mehr Vorteile als Risiken: Die beiden Entfelden , Densbüren und Suhr wollten deshalb mit Aarau weiter verhandeln, was zumindest in Suhr und Unterentfelden auf Widerstand stösst. Wie absurd dieser Widerstand ohne Sachargumente ist, zeigt die in Aarau aufgehängte Blache von Pro Suhr:

Viele Suhrer fahren täglich über Aarau, arbeiten in Aarau, kaufen in Aarau ein, Nutzen den Bahnhof Aarau, besuchen das Kino und das Theater in Aarau, halten sich im Fitnesscenter fit und lassen sich von Aarauer Ärzten und im Aarauer Spital pflegen. Aarauer geben in Suhr Schule (ja sogar viele Jahre mit grösstem Erfolg die Stadtpräsidentin von Aarau, Jolanda Urech). Aarauer und Suhrerinnen verarzten unsere Kinder in Arztpraxen, Aarauerinnen und Suhrerinnen engagieren sich für Suhrer Quartierentwicklung und Altersleitbilder, Aarauer fotografieren unser Dorf als Dorfschreiber. Wir sind eine zusammengewachsenen Region und es ist nicht einzusehen, warum wir nicht prüfen sollten, wie es käme, wenn wir unsere öffentlichen Verwaltung gemeinsam führen würden.

Eine grössere Gemeinde ist zwar nicht per se überall besser; das behauptet niemand, der Spielraum der knappen öffentlichen Finanzen lässt sich aber optimieren. Es braucht nicht in jedem Quartier ein Hallenbad, ein Freibad, eine Forstverwaltung, einen Werkhof, eine grosse Sporthalle, eine Kunsteisbahn und ein Kleintheater. Viele derartiger Infrastrukturbauten können längerfristig optimaler geplant und besser genutzt werden. Es braucht in der Region Aarau auch nicht x Schulpflegen, Finanzkommissionen und Gemeinderäte. Sinnvoller sind wirklich qualifizierte Personen mit der nötigen Fachkompetenz, genügend Zeit und einem echten Engagement. Dann sind auch die Verantwortlichkeiten klarer und die Entscheidungswege überschaubarer. Negative finanzielle Folgen, wie Studien eruiert haben wollen, gibt es nur, wenn fusionswillige Gemeinden vorher ihre Hausaufgaben, ihre Infrastruktur nicht gemacht hatten und dann nach einer Fusion mit grossem finanziellem Aufwand alles nachgeholt werden musste. Das ist in Suhr sicher nicht der Fall.

Darum noch einmal: JA zu einer fundierten Abklärung der Verhältnisse.

banner-referendum

Schöne Weihnachten mit Suhrer Impressionen

suhrerchopf

Jiri Vurma; Suhrer Impressionen

Jiri Vurma war 2015/16 Dorfschreiber oder vielmehr Dorffotograf, die AZ berichtete bei der Amtsübergabe darüber (AZ_Amtsübergabe Dorfschreiber 2016). Seine Bilder sind erhältlich im Bildband „Suhrer Impressionen“ auf der Gemeindekanzlei. Sie lohnen sich auch nach Weihnachten! Die Bilder von Vurma halten minutiös fest, was das echo vom Suhrerchopf aus schon lange sieht: Suhr verändert sich rasend schnell. Nicht nur positiv, aber auch nicht negativ, nur immer schneller! Diesen Veränderungen müssen wir begegnen, sie annehmen und gestalten. Zu bewahren, was sich zu bewahren lohnt; neu aufzubauen, was nicht mehr genügt. Dem muss sich Kraft und Energie widmen.

 

veranderung

Jiri Vurma; Suhrer Impressionen

Das echo ruft zu diesem kritischen Bewahren auf, weil auch die Sicht vom Suhrer Wahrzeichen die Zeitzeichen nicht mehr leugnen kann. Nein, nicht einmal Museen bleiben stehen, auch diese passen ihren Fundus, ihre Erinnerungen an den Lauf der Zeit an. Sie versuchen in Erinnerung zu halten, was Heimat und Geborgenheit früher vermittelte und konfrontieren uns mit den Anforderungen der Gegenwart.

 

heile-welt

Jiri Vurma; Suhrer Impressionen

Wenn auch aus den Bildern Vurma’s Schönes, Fremdes, Beängstigendes und Kurioses zu einem dichten Teppich von Vertrautheit verschmelzen, dann versteht man, weshalb einer wie er, der aus der Fremde kam und Heimat gefunden hat, den Heimatbegriff weiter fasst.

In diesem Sinne wünscht Ihnen das echo schöne Weihnachten.