Gemeindeversammlung vom 21. Juni 12: Ein Schritt zu Tagesstrukturen, jedenfalls ein erster…

Ja, nun hat die Gemeindeversammlung entschieden: Auch in Suhr werden Familien, die Tagesstrukturen für ihre Kinder benötigen, finanziell unterstützt, wenn sie dies finanziell brauchen. Ein erster Schritt zur öffentlichen Anerkennung und echten Unterstützung ist gemacht, auch mit der personellen Unterstützung und Betreuung. Schön, dass darüber nun ein grosser Konsens herrscht. Ob sich das Angebot nun von selber einstellt, ob die Eltern schnell die bestehenden Angebote nutzen, wird sich zeigen. Es ist auch hier wie mit neuen Bus- und Zugslinien: Nach der Einführung braucht es eine gewisse Zeit, bis man das Angebot kennt, bis das Angebot auch wirklich die Kinderkrankheiten abgelegt hat und bis man darauf vertraut, dass so ein „Pilotprojekt“ nicht bei einer schlechteren finanziellen Lage wieder aufgehoben oder verschlechtert wird und man mit seiner neuen beruflichen Verpflichtung im Regen steht.

Also noch sind Tagestrukturen nicht ausreichend gesichert, noch sind die Standards nicht gesichert, umgesetzt und etabliert. Es ist nocht viel zu tun.

Und dann haben wir einen neuen Gemeindeverband, auch der Zivilschutz ist nun regionalisiert. Das ist gut so, auch wenn niemand so richtig weiss, wofür man den Zivilschutz wirklich braucht, was das alles kostet und, und…und wissen Sie eigentlich, wievielen Gemeindeverbänden wir mit Suhr angehören, und wieviele überregionale Zusammenarbeitsprojekte wir schon beschlossen haben. Wer vertritt Suhr dort überall, wann haben wir Einblick in das, was dort geschieht. Jedenfalls haben wir in der Gemeindeversammlung nie mehr etwas zu diesen Verbänden zu sagen. In diesen Gemeindeverbänden, öffentlich rechtlichen Verträgen und gemeindeübergreifenden Projekten bestimmen, wenn sie einmal installiert sind, immer einzelne Gemeinderäte mit einzelnen Gemeinderäten der andern beteiligten Gemeinden. Das ist die heutige Gemeindeversammlungsdemokratie, eine schleichende Machtanhäufung bei den Exekutiven mit fehlender demokratischer Kontrolle. Wir tun gut daran, uns diese Mechanismen vor Augen zu halten, wenn wir unsere Gemeindeversammlungsdemokratie loben und uns vor einer klaren neu demokratisch strukturierten Regionalisierung fürchten.

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Warum der Mittagstisch bisher nicht klappte.

Nun gibt es bald verschiedene Mittagstische in Suhr, im Dorf, im Feld, privat, halbprivat. Freiwillig, nebenamtlich von Vereinen oder Einzelnen organisiert, vielleicht hier oder dort, vielleicht dann doch nicht, mit dem Essen vom Altersheim oder selbst gekocht, betreut (von wem denn genau?) oder überbetreut….

MittagstischNein,  so wird es nie gehen. Es braucht keine Analyse der Bedürfnisse mehr, das Bedürfnis ist längst offenkundig, schon gar keine unverbindliche Umfrage bei den Eltern, die schon organisiert sind mit ihren Kindern, die nie an derartige Umfragen glauben oder sie nicht verstehen. Jede Lehrperson weiss, wieviele Kinder ihrer Klasse keine gute Betreuungssituation in der Mittagszeit haben! Fragen wir doch einmal dort. Dann werden wir sehen, dass es klare und beständige Strukturen braucht, noch bescheiden vielleicht am Anfang, aber schnell wachsend, wenn wirklich ein verlässliches Angebot überzeugt. Das gibt es längst andernorts, man muss nur die Augen nicht verschliessen und wirklich bereit sein dazu (über HamburgBaselland, und die Angebote im Aargau vom Dachverband, Fachstellen, und dem Kanton)

Dann brauchen wir den Grundsatzentscheid des Gemeinderates und der Schulpflege, dann die Lokalitäten im Dorf und im Feld, die Betreuung, das Essensangebot. Dann die Kalkulation, wieviel Beiträgen welchen Eltern möglich sind, die Gemeinde/Schule muss die Betreuungspersonen anstellen, die Mahlzeitlieferungen vertraglich regeln und dann kann man ausschreiben. Es wird etwas kosten…, weil zwar Elternbeiträge möglich und richtig sind, aber gerade bei einem Teil, der dringend das Angebot nutzen müsste, aus Kostengründen keine Anmeldung kommen wird. Der Mittagstisch muss ein öffentliches, zuverlässiges Angebot der Gemeinde sein, auf das sich Eltern verlassen können, weil er auch besteht, wenn einmal ein halbes Jahr weniger Kinder teilnehmen, bei dem die Betreuungspersonen bekannt sind, ausgebildet und überwacht. Nur so können Eltern ohne Sorgen ihre beruflichen Verpflichtungen planen. Wie bei der Musikschule wird auch ein guter Mittagstisch nicht selbsttragend sein, wie dort muss das ganze der Schule angegliedert, von der Schulleitung überwacht werden, unsern Kinder zuliebe. Auch dort bietet man ein klares Angebot, schreibt aus, organisiert die Infrastruktur und dann beteiligt man auch die Eltern an den Kosten. Dort gehts ja.

heile WeltDann braucht es auch ein Netz, wie man Eltern überzeugt, das Angebot zu nutzen, wenn Lehrpersonen deren Notwendigkeit erkennen und finanzielle oder andere Hemmschwellen bestehen. Es wird aber nie gehen, wenn man sich weiterhin krampfhaft einredet, dass Kinder doch bei den Eltern am besten aufgehoben sind (was durchaus stimmen kann, wenn die persönlichen Verhältnisse es auch erlauben), dass es ja eigentlich Familiensache sei, die Kinder ausserhalb der Schule  zu betreuen (was auch hier bis vor einigen Jahren meist stimmte), wenn es heute so nicht mehr der Realität entspricht. Wenn wirtschaftliche Begebenheiten längst die Doppelverdienerfamilie erzwungen haben und Kinder je länger denn mehr auf der Strecke bleiben, weil die Realität nicht mehr unserem Bild der heilen Welt entspricht.