Und wieder einmal Tagestrukturen…

Eine Arbeitsgruppe
befasst sich mit der Einführung von Tagesstrukturen in Suhr, werden
auch Sie in der AZ gelesen haben: Gemeinderätin Carmen Suter
präsidiert die Gruppe, die einmal mehr „den Bedarf“ abklären, „das
bestehende Angebot“ prüfen und ein Konzept entwickeln soll…
Das haben wir doch schon gehabt! Seit Jahren wissen wir, dass es
einen Bedarf gibt, dass dieser sich aber diffus selber organisiert
hat, so schlecht und recht durchwurstelt. Es gibt alleinerziehende
Beruftstätige, es gibt Doppelverdienerfamilien, sei es weil das
Familieneinkommen sonst nicht ausreicht, sei es, weil beide
Elternteile ihre Berufstätigkeit, ihre Berufsqualifikation nicht
verlieren möchten, weil die Zeit der Kindererziehung nur eine Zeit
im Leben eines Menschen ist und die heutige Arbeitswelt nur noch
ausnahmsweise Kinderpausen von Jahrzehnten duldet. Wer hier noch
Bedarfsabklärungen machen will/muss, hat das Entscheidende nicht
begriffen. Mit Tagesstrukturen ist es wie mit dem öffentlichen
Verkehr, beides ist offensichtlich nötig. Ist es nicht vorhanden,
sucht man sich Notlösungen, schlechte, man fährt mit dem Auto, man
nimmt die Stelle nicht an, zu der man gut qualifiziert gewesen
wäre, man bleibt arbeitslos, weil man nicht zum Arbeitsplatz kommt,
man zieht weg zum Arbeitsplatz und verliert das soziale Umfeld.
Wenn man dann die Leute fragt, sagen alle, dass ÖV schon gut wär,
man habe sich aber nun arrangiert. Genau so ist es mit den
Tagesstrukturen, wer sie braucht, braucht sie, er kann nicht
warten, weil die Kinder (und der Job) hier sind. Das
echo kann nur
einmal mehr sagen: Schafft sie endlich, für alle gut
erreichbar, finanziell erschwinglich und absolut zuverlässig.
Zuverlässig bezüglich den Personen, die unsere Kinder betreuen und
zuverlässig, dass es Tages-strukturen
sind, das heisst definitive von der Gemeinde getragene
Institutionen. Tagesstrukturen müssen so zuverlässig sein wie der
ÖV, wie die Schule, wie das Wasser- und Elektrizitätswerk. Nur dann
werden die berufstätigen Eltern beruhigt ihrer berufliche Zukunft
planen, Stellen antreten für die sie tagsüber ihre Kinder gut
betreut wissen können. Dann werden sich auch Familien ihren
Wohnort aussuchen nach der Qualität der Tagesstrukturen. Nicht der
Steuerfuss ist für Familien entscheidend für die Wahl des
Wohnsitzes, sondern ein gutes Wohnangebot und -umfeld und Schul-
und Tagesstrukturen. Wenn wir hier schneller, besser sind als
Nachbargemeinden haben wir die Nase vorn. Noch sind wir im
Rückstand: wohl bestehen einige Angebote, aber zufällig, privat
organisiert mit dem Risiko, dass alles wieder zusammenbricht,
sobald die Leistungsträger weggehen oder genug haben. Kontinuität
und Bestandessicherheit kann nur die Gemeinde garantieren. Wir
müssen nicht alles neu erfinden wollen! Es gibt längst Gemeinden im
und ausserhalb des Kantons und flächendeckend in Nachbarländern,
die das umgestzt haben. In diesem Blog wurden schon
verschiedentlich Adressen, Links genannt (Suhr
wird Tagesstrukturen anbieten müssen
) (Warum der Mittagstisch bisher nicht
klappte
). Hier ist eine neue öffentliche Aufgabe
gewachsen, der wir uns stellen müssen. Tun wir es und versäumen wir
nicht weitere Monate und Jahre mit Konzepten, nur weil sich
einzelne Personen in unseren Behörden lange nicht um diese Sache
kümmerten, weil sie noch von überholten, nicht nur heilen
Familenwelten aus den Fünfzigerjahren träumen. Es wird dann schon
noch Probleme geben: Weil nämlich die, für die diese Strukturen am
dringensten sind, diese aus finanziellen Gründen nicht nutzen, weil
sie sie nicht für nötig halten und schlechte private,
billigere „Lösungen“ dem Angebot der Gemeinde vorziehen, weil
freiwillig zwar gut ist, aber dann manchmal nicht alle erreicht,
die es brauchten. Weil private Initiativen zwar schön und gut sind,
aber wie Privatschulen und Privatspitäler auch eine Konkurrenz zum
Angebot der öffentlichen Hand sein werden; mit dem Ergebnis, dass
beides nur schwer finanziell tragbar ist.

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Die Rückeroberung der Tramstrasse

Haben Sie es bemerkt? Nein, sind Sie heute dem Tram begegnet auf der Tramstrasse? Das gab es ja immer wieder einmal, aber ab heute ist es normal, ist es immer so. Sie werden dem Tram nie mehr begegnen, jedenfalls nicht mehr auf der Suhrer Tramstrasse.

Das Tram ist weg- ab heute auf seinem eigenen Geleise, dort wo früher die SBB fuhr. Jahrzehntelang gehörte die WSB, das Tram, zum Dorfbild von Suhr, unzählige Schreckmomente haben Autofahrer,  fremde und einheimische mit dem plützlich vor ihnen auftauchenden Tram erlebt, schweissnass aufgeatmet, nachdem sie im letzten Momenmt haben ausweichen können. Das Tram war allgegenwärtig, hat viele in den Ehestand begleitet, Tausende täglich zur Arbeit und zurück geführt. Aber noch einigen hallen die Schrei der Verunglückten in den Ohren, etliche trauern um ihrer verunglückten Kinder, fragen sich noch nach Jahren warum gerade sie getroffen wurden.

Und nun ist es weg, das Tram. Die Wehmut weicht schnell der Hoffnung, dass die Unfälle der Vergangenheit angehören, dass die Gefahren sich so nicht wiederholen.

Aber noch sind nicht alle Entscheide gefallen: Wie soll die Tramstrasse künftig aussehen; sie wird nicht mehr „Tramstrasse“  heissen können, aber auch nicht zur Autostrasse werden dürfen. Sie muss Menschenstrasse, Dorfstrasse werden, nein nicht den Namen ändern sondern die Funktion. Sie muss wieder überquerbar sein, für Kinder,  Schülerinnen und Schüler, Seniorinnen und Senioren. Sie muss aufhören, eine Teilung von Suhr-Ost zu Suhr-West zu sein. Sie muss Suhr verbinden und nicht trennen. Dafür werden Gemeindebehörden noch mit dem Kanton einige Diskussionen auszufechten haben. Ohne WSB allein ist noch keine Perspektive, nur ein Anfang für eine sicherere Querung der Suhrer Haupstrasse. Das Risiko „Auto“ bleibt uns erhalten. Setzen wir auch hier die richtigen Grenzen, zum Wohle für die Zukunft von Suhr.

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