Köpfe auf dem Suhrerchopf

Lassen Sie sich am kommenden Sonntag auf dem Surerchopf von unserer begnadeten Dorfschreiberin oder besser Dorfzeichnerin KATIE RICKENBACH zeichnen.  Aber lassen Sie es nicht dabei bewenden, Ihr Portrait über den Bett aufzuhängen. Köpfe sind nicht nur dazu da, abgezeichnet zu werden! Machen Sie sich Gedanken, was es bedeutet, wenn Suhr nicht mehr 6000, 8000, 10’000 (bald) sondern sogar 12’000 Einwohnerinnen und Einwohner hat. Davor brauchen wir uns nicht zu fürchten, aber die Instrumente, die Strukturen in Suhr müssen wir schon anpassen, wenn wir weiterhin eine aktive und lebenswerte Gemeinde sein wollen. Schön, wenn der Suhrerchopf zu Weitsicht verhilft.
Also am Sonntag auf dem Suherchopf von 14 bis 17 Uhr. Hier die Einladung:  Dorfschreiberin Suhr_Sept

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Zurück zu den guten alten Parteivorständen?

Es vergeht keine Nummer im Suhr Plus ohne dass uns Urs Zimmermann weiszumachen sucht, dass ausser seinen knappen dutzend Getreuen der FDP niemand in Suhr noch konstruktiv politisiere. Dass früher alles besser gewesen sei, als noch die Parteien mit ihren Präsidenten und Vorstände zusammen gekommen seien, um vorzuspuren, was dann an der Gemeindeversammlung gelten soll.

Dazu von einem, der bei den Parteivorständekonferenzen der 80er und 90er Jahre auch dabei war, folgendes: Dieses Rezept aus dem letzten Jahrhundert taugt wie viele alten Rezepte kaum mehr, um die Probleme heute zu lösen. Suhr war damals einheitlicher, dörflicher. Die FDP eine Macht mit einem Wähleranteil von weit über 20%, die SVP noch bescheiden um die 15%, die SP noch stark aber trotz grossem Wähleranteil von über 25% allein und isoliert. Grüne gab es nicht und die Mitteparteien hiessen CVP, LDU und EVP und spielten alle keine Rolle in der kommunalen Politik. Suhr zählte zwar auch bereits 7000 bis 8000 Einwohner, diese Differenz zu den 10’000 Einwohnern heute machte es aber wohl aus. Die Homogenität der Einwohnerschaft ist verschwunden: Suhr entwickelte alle klassischen Züge einer Agglo-Gemeinde. Neue Einwohner kamen und kommen, und sie ziehen wieder weg, bevor sie ernsthaft wissen, wo überhaut die Gemeindegrenzen liegen. Suhr interessiert als Wohnort oftmals kaum, wenn keine schulpflichtigen Kinder auch die Eltern zwingen, sich mit den örtlichen Begebenheiten etwas auseinanderzusetzen. Viele leben in Suhr als Schlafgemeinde, arbeiten auswärts und kennen den Bahnhof Aarau besser als Suhr, wissen oftmals nur von der Steuerrechnung, dass sie in Suhr wohnen. Weil Arbeiten, Ausgang, Einkaufen alles in Aarau, Zürich, Basel oder wo auch immer stattfindet, sicher aber nicht in Suhr.

Das ist nicht nur erfreulich, aber es ist trotzdem so: Wenn Landsgemeinden in der Schweiz nur noch Folklore sind, wenn Gemeindeversammlungen in grösseren Gemeinden kaum mehr die Probleme lösen können, können sicher nicht Parteivorständekonferenzen ein Lösung sein. Viele, die das heute beklagen, haben mit unklugen Entscheiden in der Raumplanung (Abschaffung der Ausnützungsziffer während rund  15 Jahren mit einem Bauschub), Verhinderung professioneller Strukturen in der Gemeinde (Einwohnerratsabschaffung anfangs 80er Jahre) mehr zu dieser vielleicht etwas allzu schnellen Entwicklung beigetragen als sie wahrhaben wollen. Entscheide, die von einer stabilen FDP/SVP Mehrheit in allen politischen Gremien getragen waren. Das alles blieb ungefährdet bis sich auch die neuen EinwohnerInnen zu organisieren begannen, sich zusammen mit den Parteien, die zwar schon da waren aber nie über eine mahnende Minderheitsposition hinauskamen, auch politsch einzumischen begannen. So entstand und darum gibt es Zukunft Suhr, deshalb auch dieser Name.

Das ist nun aber eine erfreuliche Entwicklung: Wer beginnt, sich im konkreten Lebensumfeld zu engagieren, nicht mehr alles hinnimmt, wie es ist, sondern die Verhältnisse zu gestalten versucht, der integriert sich im positiven Sinne. Die Agglobewohner beginnen sich mit dem Wohnort auseinanderzusetzen, ihn zu gestalten. Das löste Widerstand und Ängste aus, da passieren auch Fehler, werden Wahlkämpfe vielleicht etwas heftig geführt, weil nicht nur politische Programme, sondern vielmehr völlig andere Lebensentwürfe aufeinander prallen. Da werden professionelle Behördestrukturen verlangt, Dienstleistungen der öffentlichen Hand, die andernorts, in den Städten, wo die neuen EinwohnerInnen arbeiten, vielleicht früher wohnten, selbstverständlich sind, gefordert. Man zahlt Steuern (was ja sehr erwünscht ist) und will dafür mehr als langwierige komplizierte und unbeholfene Ansätze: „Ja, es ist schon gut, vielleicht später etwas in dieser Richtung zu tun, zuerst als Arbeitsgruppe, vielleicht in einem Verein, privat organisiert und so, dass es nichts kostet.“ Ja, damit geht etwas einher, dass vielfach auch die Selbstverantwortung sinkt, dass man mehr von der öffentlichen Hand fordert, ohne selber etwas zu tun, ausser Steuern zu zahlen. Dass dies die FDP, deren Ur-Kredo gerade diese so gepriesene Selbstverantwortung war und ist, in den Grundfesten erschüttert, ihren Widerstand herausfordert ist klar und nachvollziehbar. Aber vielleicht hat es ja einen Grund, weshalb die FDP seit einigen Jahren Wahlen verliert.

Also, es liegt nicht an der fehlenden Parteivorständekonferenz, diese hat sich überlebt in einer Zeit, in der die Parteimitglieder noch grössere Raritäten sind als Kirchgänger. Das auf dem Blog einer Partei feststellen zu müssen, mag etwas kurios ankommen. Aber immerhin hat die SP immer betont, dass sie für alle und nicht für wenige sich einsetzt, dazu sind die Parteivorstände wenig geeignet. Sich derartigen Erkenntnissen zu verschliessen, ist aber hilflos und wenig zukunftsträchtig. Neue Ideen, mutige Entscheide sind gefragt. In diesem Sinne soll der Dialog stattfinden, wie auch immer man den Foren sagt, die zum Gespräch führen: Zukunftswerkstatt war auch mal ein Begriff dafür, vielleicht passt der wieder. Dazu sind alle in Suhr eingeladen, denen es wirklich um die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft geht und nicht nur um das Bewahren von längst Vergangenem, für letzeres gibt es Museen. Womit sie auch wissen, warum ich nicht Mitglied des Museumvereins in Suhr bin.

Der Holperiweg ist tot: der historische Direktweg Suhr-Aarau wurde gesperrt

Nachdem viele Suhrerinnen und Suhrer auf dem gewohnheitsrechtlichen Veloweg im Aarauerfeld am  Spitalparkplatz vorbei Richtung Aarau fuhren, wurde dies in den letzten Jahren immer mehr zu einer Glückssache und einem Wagnis, weil die Anwohner den Unterhalt ihrer „Privatstrasse“ sträflich vernachlässigten. Sanieren war ihnen zu teuer, der Stadt abtreten wollten sie auch nicht, sie liessen ihn mit Schlaglöchrern übersäht, um den Velofahrern, darunter vielen Kindern diesen Weg zu vermiesen. Dass hier niemand schwer gestürzt ist, grenzt an ein Wunder.

Und nun haben die Anwohner die Lösung gefunden, sie sperrten die Strasse für die Suhrerinnen und Suhrer, sanieren sie für teures Geld und behalten den Durchgang mit Schranken und richterlichem Verbot den Eigentümern vor. jahrzehnte-, nein jahrhundertelang bildete dieser Weg die direkteste Verbindung zwischen dem Aarauerfeld in Suhr und der Stadt Aarau. Nun hält eine Metallsperre alle ausser den Anwohnern ab. Diese nehmen sogar in Kauf, dass der Weg nicht mehr von Schnee geräumt wird und keine Kehrichtabfuhr mehr durchfährt.

Doch dieser Weg ist längst gewohnheitsrechtliches Wegrecht für alle Bewohner des Aarauerfelds, er ist sowohl in der Michaelis-Karte 1840 wie in der Siegfriedkarte 1880 verzeichnet. Der direkte Weg zur altehrwürdigen Teigwarenfabrik Businger, Fuss- und Veloverbindung für viele. Gesperrt von Neuzuzügern und niemand wehrt sich.  Es geht im Gegensatz zur Darstellung im Sonntag (Privatweg_Sonntag-15 8 2010) nicht bloss um die Eigentumsverhältnisse, sondern um das jahrzehntealte Wegrecht. Warum setzt sich die Stadt Aarau nicht für diese (bei intakter Strasse) ungefährliche Veloverbindung nach Aarau ein? Die privaten  Eigentümer haben vorgegaukelt, den Weg nur für Autos sperren zu wollen (was noch verständlich wäre…), sie bleiben dabei aber die Erklärung schuldig, warum sie ein richterliches Verbot und ein allgemeines Fahrverbot installieren liessen und warum die Metallsperre niemandem mehr Durchlass gewährt. Wenn der Weg, was nun absehbar erscheint, wirklich auch für Fussgänger und Velos gesperrt werden sollte, das allgemeine Fahrverbot bleibt, wird die Gemeinde Suhr dieses Wegrecht einklagen müssen. Es kann nicht sein, dass einige wenige Private altrechtliche Wegverbindungen in dieser Region schliessen können.

Buchser Schüler am Aarauer Maienzug

Nein, das ist kein Witz und bisher erst in einer unscheinbaren Notiz medial kommuniziert worden. Das widerspenstige Buchs, das dieses Jahr stolz seine 200 Jahre Eigenständigkeit von Suhr feiert, schickt seine Schülerinnen und Schüler an den Maienzug nach Aarau. Die Jugend, die Zukunft des stolzen Dorfes, das sich bisher einem gallischen Dorf gleich gegen alle Fusionsideen erfolgreich zur Wehr gesetzt hat, knickt ein.

Was ist denn da geschehen? Hat Aarau die Buchser genötigt, weil die Kleinstadt mangels Kinder keinen echten Umzug mehr zustande gebracht hätte? Setzt Aarau den politischen Auftrag, mit den Nachbargemeinden das Gespräch über eine Fusion aufzunehmen so um, indem die Kinder zuerst auf die Aarauer Kultur-Highlights gluschtig gemacht werden. Oder ist tatsächlich die Erkenntnis gereift, dass die Kreisschule Buchs-Rohr nach der Fusion Aarau-Rohr etwas quer in der Landschaft steht und die Schule Buchs, wenn Rohrs Schülerinnen und Schüler nach Aarau zur Schule gingen, allein mit massiven Schwierigkeiten zu rechnen hätte. Wenn es letzteres ist, das zu dieser kühnen Idee führte, dann schöpft auch das echo wieder Hoffnung. Dass in den nächsten Jahren doch vielleicht Vernunft und zukunftsgerichtete Gedanken wieder eine Chance erhalten, was auch in Suhr mit Interesse zur Kenntnis genommen werden wird.

Suhr hingegen hält sich tapfer, sucht sich die Schülerinnen und Schüler in Hunzenschwil und Gränichen zusammen, um den kantonalen Vorgaben an die Grösse der einzelnen Oberstufen genügen zu können. Ja nicht weiter denken, ja nicht weiter planen. Das Jugendfest bleibt im Dorf, am Maienzug der Aarauer bleiben zwar auch Suhrs Schulhäuser geschlossen, aber das hat ja nichts zu tun mit Zusammenarbeit.

Wann endlich kann man ohne Scheuklappen in der Region Aarau prüfen, an welchen Standorten welche Schulstufe für die Kinder optimal geführt werden soll, unabhängig von den Gemeindegrenzen. Warum kann man nicht einmal eine öffentliche Tagesschule in der Region anbieten, die allen Schülerinnen in der Region offensteht, wenn die familiäre Situation mit einer Tagesschule besser ergänzt werden kann. Dafür sind die einzelnen Gemeinden je zu klein, hier könnten sich in einer grösseren Verwaltungseinheit völlig neue Chancen eröffnen.

PS: Und wussten Sie, dass der Bachfischet in Suhr beginnt und einzelne Suhrer Schulklassen seit Jahren regelmässig am Aarauer Umzug des Bachfischet teilnehmen ohne grössere Schäden davonzutragen…

Menschenstrom gegen Atom

Es war 1977, unsere Kinder waren noch nicht geboren, als wir chancenlos in der Sache, aber mit viel politischem Enthusiasmus zwar nicht mehr ernsthaft versuchten, das bereits stehende AKW Gösgen zu verhindern, aber dennoch klar machten, dass der Weg mit Atomstrom kein Weg in die Zukunft sein kann . Auch wenn sich in der Schweiz viele mit Atomstrom als Übergangstechnologie abgefunden haben, geblieben ist die Überzeugung, dass mittel- und langfristig eine andere Energiepolitik durchgesetzt werden muss und kann. Es ist eine Katastrophe, dass heute nach über 30 Jahre noch immer dieselben Mechanismen spielen: Grosstechnologie, schnell abrufbar, soll den kaum gebremsten Stromwachstum weiter decken. Noch immer weiss die Stromlobby geschickt, wie man öffentliche Stimmungen ausnützt: Sobald sich zeigte, dass auch die ungebremste Verbrennung der fossilen Energieträger nicht nur die Frage der Ressourcenknappheit gebieterisch aufwirft, sondern auch mit dem CO2 Anstieg in der Atmosphäre eine Klimawandel in Gang setzte, versucht man sich wieder mit der „sauberen“ Atomenergie zu profilieren und das Terrain für weitere Atomkraftwerke zu ebnen. Die NAGRA will hier am Jurasüdfuss auch den Müll gerade noch versenken, so nach dem Motto, den Widerstand müssen wir dann nur an einem Ort überwinden, hier geht es am leichtesten, sonst wäre Gösgen ja nicht hier sondern in Kaiseraugst….behauptet mit von uns Konsumenten letztlich bezahlten Geldern in Hochglanzbroschüren, das sei sogar etwas Gutes für die Region. Übrigens, warum braucht denn die so saubere Atomtechnologie so aufwändige und teure Entsorgungskonzepte….?

Nein, das müssen, das dürfen wir nicht zulassen. Es ist wohl an der Zeit, das wieder einmal klar zu machen: Am Pfingstmontag sind wir wieder da…….oder wie sang Ernst Born mit den Tausenden in Kaiseraugst: „Mir send eifach wieder do, wenn sie boue wänd….“. Klicken Sie auf das Logo oben links, dort sind die Besammlungszeiten und -orte und das ganze Programm!

Wir wollen kein weiteres AKW in der Schweiz! Es gibt Alternativen, wenn man sie nur endlich mit der nötigen Beharrlichkeit umsetzt, dafür brauch es die Cleantech-Initiative der SP; unterschreiben Sie diese Initiative hier  Cleantech-Initiative_SPS[1]

Wer fürchtet sich vor dem bösen Wolf?

Aarau stellt die Fusionsfrage (vgl AZ vom 30.3.2010), und viele Nachbargemeinden, zumindest die angefragten Exekutivmitglieder, zucken angstvoll zurück.  Nach der Entwicklungskonferenz des Regionalplanungsverbandes (lesen Sie hier im Blog) darf aber niemand mehr vor dieser Frage zurückschrecken. Zu klar zeigte sich, dass die regionale Zusammenarbeitauf eine neue Grundlage gestellt werden müsste. Die Frage der Fusion liegt damit längst auf dem Tisch! Jetzt sind einmal die Details anzuschauen: Was würde denn ändern, was würde bleiben, wie könnte eine Fusion aussehen, welche Konsequenzen hätte es für die Schulen, die Oberstufenstandorte, die Verwaltungsabteilungen, die technischen Betriebe, auch den Steuerfuss etc. Erst wenn wir das einmal durchdenken, durchrechnen und ausdiskutieren, sind weitere Entscheide sinnvoll. In Suhr haben die Wählerinnen und Wähler nach dem vehementen Widerstand der  „echten Suhrer“  dem Bündnis Zukunft Suhr das Vertrauen geschenkt. Zukunft Suhr hat diese Wahl gewonnen mit dem Versprechen, nicht auf direktem Weg sich in die Arme Aaraus zu werfen, aber ernsthaft und gründlich die Frage der Fusion zu prüfen und mit der Bevölkerung zu diskutieren. Dieses Versprechen ist einzulösen. Alles andere ist unverständlich und missachtet den Wählerauftrag. Die letzten Wochen haben die Wahlkampfgräben wieder etwas zugeschüttet, das ist richtig so. Die Fusionsdiskussion ist kein parteipolitisches Thema, es muss im Interesse aller Einwohner von Suhr und der Region sein, sich Gedanken um die längerfristige Zukunft zu machen. Nicht erst, wenn der Steuerfuss wieder zum Thema wird, sondern heute, wo Suhr noch aufrecht und mit gesunden Strukturen dasteht und auch nicht als Sanierungsfall auf Almosen einer Nachbarstadt angewiesen ist. Über eine Fusion verhandeln kann man nur, wenn man sich auch tatsächlich gegen die Fusion entscheiden könnte, nicht wenn aus finanzieller Not gar keine Wahl mehr bleibt. Das echo erwartet vom Gemeinderat Suhr, dass er die Diskussion aufnimmt und schnell gründliche und gut dokumentierte Entscheidungsgrundlagen vorzubereiten hilft. Suhr hat seine Werte, bringen wir sie ein, prüfen wir einmal, ob nicht Synergien für alle denkbar wären, ohne die Vorteile von Lebensqualität, liebgewordener Landschaft und nachbarschaftlicher Überschaubarkeit aufgeben zu müssen.

Und vielleicht ist der Wolf ja gar nicht so böse…

„Ich bin ein Suhrer“

„Ich bin ein Berliner“ sagte Kennedy in seiner historischen Rede 1963, um dem damals noch isolierten Berlin seine Verbundenheit kundzutun. Ja, so schmückt sich auch das echo mit derart geschichtsträchtigen Worten, um einmal entgegen aller Mutmassungen klarzustellen, dass ihm etwas an Suhr liegt, dass es mit Suhr verbunden ist, und nicht zufällig seinen Blick vom Suhrer Wahrzeichen auf die Geschehnisse im Dorf richtet.

Ja, wer länger hier wohnt, entwickelt eine Verbundenheit mit diesem Wohnort, seinen Nachbarn, den Schulen und den dort gewonnen Freundschaften. Den Vereinen, wo die Freizeit teilweise verbracht wird, aber auch mit der geliebten Joggingstrecke, dem täglichen Hundeauslauf, dem Bikeweg. Aber auch mit den Waldhütten, den Beizen und Restaurants, der Bärenmatte und den Kirchen. Vielleicht sogar mit den überlangen, nur teilweise lustigen und unterhaltsamen Gemeindeversammlungen entwickelt man eine Sympathie, einmal mehr und einmal weniger. Überall, wo man Erinnerungen hat, wo man schöne oder auch weniger schöne Erlebnisse hatte, die einen prägten, zu dem machten, was man ist.

Ja, der Versuch, Heimat zu beschreiben, ist nicht ganz so einfach. DeutschlehrerInnen haben ganze Generationen von Schülern schon mit derartigen Aufsatzthemen gequält.

Aber das echo muss hier klarstellen, dass diese Heimat, diese Verbundenheit mit der nahen Umgebung und vor allem seinen Bewohnern auch nach Jahren des gleichen Wohnortes nichts zu tun hat mit der Frage, in welchem Gemeinwesen sich die Bedürfnisse der Bevölkerung am optimalsten (qualitativ gut und zu tragbaren Kosten) befriedigen lassen. Die Gemeindegrenzen sind heute vielfach überholt. Die Verkehrsmittel haben sich in den letzten 30 Jahre in einer Art entwickelt, die uns neben verstopften Strassen auch ein Vielzahl von Möglichkeiten geben, unsere Bedürfnisse auch in einem weiteren Umfeld zu decken. Kommunikationsmittel wie Computer, Internet und Mobiltelefone haben neue Verhaltensweisen ermöglicht und neue Bedürfnisse geschaffen. Die Dörfer und Städte sind zusammengewachsen, Wohn- und Arbeitsorte liegen oft weit voneinander entfernt; die Bedeutung des Dorfes ist nicht mehr dieselbe, wie früher! Gerade im Berufspendlerverkehr, den Freizeitbedürfnissen gehen heute viele Leute auch in Suhr andere Wege als noch in den letzten Jahrzehnten. Die Bedürfnisse sind markant anders geworden.

So tun als wäre das nie geschehen, ist nicht einfach schwärmerische Romantik. Es behindert und verhindert eine Entwicklung der Region. Eine Entwicklung, die die Dienstleistungen der öffentlichen Hand kontinuierlich den Bedürfnissen der Einwohner anzupassen hat. Anpassen müssen wir unseren Heimatbegriff, ihn lösen von der Gemeinde als Verwaltungseinheit als politische Organisation. Unser Verhältnis zum dörflichen Lebensraum müssen wir nicht über Bord werfen, verleugnen, aber uns bewusst werden, was uns denn wirklich nahe ist und ans Herz gewachsen ist. Heimat müssen wir trennen von der Gemeindeorganisation, an die wir uns zwar gewöhnt haben, die aber nicht wirklich unser soziales Netz verkörpert. Obama knüpfte bei seinem Besuch in Berlin zwar an die historischen Worte Kennedys an. Aber auch Berlin 2008 war nicht Berlin 1963; und Obama sah schon vor seiner Wahl mehr denn je auch Veränderungsbedarf. Veränderungen sind möglich, Yes we can. ……………..Ja, ich bin ein Suhrer, aber Suhr ist nicht mehr, was es war.

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