Suhr im Wahljahr 2013: Kein Atommüll in der Region Aarau – Gösgen

gosgen18062006_6659Nein, so einfach werden wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. Auch wenn nun offenbar an den Standort der Oberflächenanlage Suhr und Kölliken niemand mehr glaubt, ist es auch nicht angezeigt, ein Atommülllager in Däniken SO zu bauen, nur wenige Meter vom AKW Gösgen entfernt. Ein Unfall in der Anlieferung dort belastet uns genauso wie ein Unfall im Suhrer Wynenfeld. Es ist definitiv nicht St. Florianspolitik, wenn man die Meinung vertritt, dass nicht alle Atomanlagen in der Schweiz am selben Ort gebaut und der dort ansässigen Bevölkerung alle diesbezüglichen Risiken auferlegt werden sollen.

Natürlich: Die Schweiz hat mehrheitlich entschieden, für die Energiegewinnung stark auf Atomenergie zu setzen. Das ging bisher glücklicherweise gut. Die steigenden Widerstände gegen diese risikoreiche Energiegewinnung haben zu einer starken Verschärfung der Sicherheitsauflagen geführt, die sich die reiche Schweiz auch leisten konnte. Gröbere Pannen und Unfälle hatte man hier nicht zu beklagen. Wir hoffen ja, dass das so bleibt. Und gleichwohl wird heute nie mehr eine Mehrheit dieser Energiegewinnung in der dichtbesiedelten Schweiz zustimmen. Wir können uns nicht leisten Quadratkilometer unseres kleinen Landes nicht mehr bewohnen zu können.

Heute gibt es Alternativen: Der Bundesrat ist bereit, andere Wege zu gehen. Noch ist der Widerstand der Elektrowirtschaft stark und ungebrochen. Es wird auch kurzfristig nicht besser, solange in allen öffentlichen Energiegesellschaften noch diejenigen das Sagen haben, die sich zeitlebens mit der Atomenergie identifiziert haben. Hier sind neue Köpfe, nicht nur neue Rezepte gefragt; es ist blauäugig zu glauben, andere Energiewege würden von den alten Köchen glaubwürdig eingeschlagen. Der Verein KAAZ wird sich weiter engagieren (KAAZ).

Und die Altlasten werden diejenigen Regionen tragen müssen, die bisher genauso wie der Aargau und das solothurnische Niederamt vom Atomstrom profitierten, aber bisher diese Risiken uns Aargauern überliessen. Und nochmal: Dies ist nicht St. Florianspolitik sondern das Selbstbewusstsein eines Kantons, der nun NEIN sagen wird. Wie die Basler in Kaiseraugst (das ja auch im Aargau gelegen wäre), wie die Obwaldner am Wellenberg. Der Aargau trägt seine Verantwortung im Bereich der Atomernergie mit den AKWs in Leibstadt, in Beznau, im grenznahen Gösgen und dem Zwischenlager in Würenlingen zur Genüge.

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Kommen nun die Atomabfälle nach Suhr?

Nein, das ist kein Witz, kein Schildbürgerstreich: Die NAGRA hat herausgefunden, dass für das Endlager am Jura-Südfuss das Betriebsgebäude im Suhrer Wynenfeld liegen könnte! Neben der Badi, neben dem renaturierten Suhrelauf, direkt neben  Zusammenfluss von Wyne und Suhre und im wertvollsten Industrieland und über dem Suhretaler Grundwasserstrom, soll die riesige Anlage für den Betrieb des Atommülllagers zu stehen kommen. Da soll der Eingang sein für die unterirdischen Stollen und die Atommüllfässer, erschlossen mit einem Tunnel unter der ganzen Gemeinde Suhr und unter der Suhre durch…?

Ja, wer kommt denn auf sowas? Ist nun halt doch das einzige Kriterium dasjenige, dass Müll und Anlagen dorthin kommen, wo der Widerstand am kleinsten ist? Und was ist denn mit den schönen Papieren der NAGRA, wonach Lagen neben Oberflächengewässer gemieden werden, wonach der Zugang nicht unter grösseren Siedlungen durch führen soll, wonach Grundwasserzonen geschütz seien etc (NAGRA_Standortanforderungen). Alles nur Schall und Rauch, nun werden Standorte unmittelbar neben Dorfzentren, wenige hundert Meter neben Einkaufszentren (MMM und Möbel Pfister) mit täglichem grossen Personenverkehr vorgeschlagen und in den im Richtplan als Grundwasserschutzgebiet (blau schraffiert)ausgeschiedenen Gebieten vorgeschlagen…

Jetzt meine Damen und Herren Gemeinderäte, liebe Politiker jetzt muss man antreten. Wenn das echo seit 2008 schon mehrmals mahnte und davor warnte, die NAGRA zu unterschätzen (suchen Sie die ältern Artikel darüber nebenan unter NAGRA Endlager), hat das offenbar (ausser wenige wachsame AktivistInnen der SP in der Region) noch niemand ernst genommen. Zu sicher schien man zu sein, dass niemand auf die Idee kommen würde, hier Atommüll zu versorgen und dann im generell stark besiedelten Gebiet die Anlage noch mitten drin ins Auge zu fassen. Wenn die NAGRA so wirre Vorschläge macht, zeigt dies, dass ihr das Wasser am Hals steht, dass sie um jeden Preis das Lager bauen muss. Zuerst dort wo man es schluckt. Bei uns?

Die SP des Bezirks Aarau hat sofort reagiert (MM Tiefenlager_Standorte_OA_2012 0120), uns Sie?

Cleantech statt Atommüll

Wasserwirbelkraftwerke statt Tiefenlager; ein Auftrag für die TBS? 

Während dem die NAGRA uns zwischen Suhr und Aarau ein Tiefenlager für Atommüll unterjubeln will, eröffnete Bertrand Piccard kaum bemerkt von der grossen Öffentlichkeit das erste Wasserwirbelkraftwerk in der Schweiz im aargauischen Schöftland an der Suhre (broschuere_-_genossenschaft_wasserwirbelkraftwerke_schweiz_-_gwwk_-_v1.1_20100819). Ein Kleinstwasserkraftwerk, das ohne ökologische Risiken, mit kleinsten Eingriffen in die Natur, die kleinen Gewässer, die den Kanton Aargau, das Wasserschloss der Schweiz, zu hauf durchströmen, zu nutzen vermögen. Es erzeugt den kostbaren Strom, das nicht mehr wegzudenkende Lebenselixier der modernen Welt, bescheiden in der Menge in einer Anlage, aber auch ohne ersichtliche Nachteile. Wer hier schon wieder primär die Risiken, unzulässige Eingriffe in die natürlichen Flussläufe, Probleme für die Fische im Vordergrund sieht, dem muss mit mit dem Energiepionier Piccard gesagt werden, dass gute Ideen noch viele haben, aber die Welt nur von dem verändert wird, der die Idee umsetzt, Widerstände und Hürden überwindet und die ersten Projekte kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert.

An der Suhre, die auch unserer Gemeinde den Namen gab, die sich bei der Badi Suhr mit der Wyna vereinigt und zur Aare strömt, liessen sich gewiss auch in unserem Gemeindegebiet derartige Anlagen bauen. Statt immer in der Schweiz hinzuhalten für den Müll, den Abfall und die Grossrisiken unserer Zivilisation muss der Aargau durchstarten mit innovativen, zukunftsträchtigen Projekten. Clean-Tech, saubere, umweltverträgliche Kleintechnologie gegen Grosstechnologie!

Das ist die Stärke unseres Kantons, eines Kantons voller KMU, eines dezentralen Kantons ohne Grossstädte. Es war die Kleintheaterszene mit Tuchlaube, Claque, Theater Marie etc, die schon in den achziger Jahren des letzten Jahrhunderts dem Aargau auf der Bühne der Schweiz zu Aufmerksamkeit verhalfen; genau so könnte es heute die umweltverträgliche Kleintechnologie sein. Wir wollen kein Atommüll-Tiefenlager in Suhr, wir wollen zwei, drei Wasserwirbelkraftwerke an Suhr und Wyna. Und genau in diese Richtung ziehlt die cleantech-Initiative der SP Schweiz , für die immer noch Unterschriften gesucht werden: Unterschreiben Sie auf dem Talon der SP Schweiz.

Die TBS in Suhr sollen verselbständigt werden, leisten wir uns als Start dazu zwei bis drei Wasserwirbelkraftwerke. Geben wir der TBS diesen Auftrag mit der Verselbständigung ins Pflichtenheft als Bekenntnis für den Weg der öffentlichen Energieversorgung. Nicht die Rechtsform der Energiewerke ist massgebend, sondern die Geisteshaltung, wie Energie erzeugt werden, wem Energie nutzen soll und wer darüber die Entscheidungen fällt. Das muss und wird die öffentliche Hand sein, die Gemeinde, die seit Jahren ein gutes Netz aufzog, ausbaute und unterhielt.

Atommüll in Suhr?

Das ist kein Chlaussäckli, das uns heute in die Haushalte flatterte. Die Nagra hat tatsächlich in jahrelangen Studien herausgefunden, dass die Region um Suhr geeignet sei, Atommüll zu vergraben! Den Rest des Beitrags lesen »

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