Regionalentwicklungskonzept; ausser Spesen nichts gewesen

Vor Jahresfrist traf sich die gesamte Politelite im Aarauer KUK und diskutierte ein regionales Entwicklungskonzept: Die Region ist zusammengewachsen, die Probleme sind lokal nicht mehr zufriedenstellend lösbar, die Region müsse ran, war der allgemeine Tenor, breit getragen von  den beinahe vollständigen Gemeindebhörden und einigen wenigen „Unabhängigen“. „Der Prozess ist lanciert, die Probleme und Lösungsansätze liegen auf dem Tisch, viele, auch Amtsträger haben diese Gedanken mitgetragen. Jetzt brauchen wir nur den Mut, diese Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen.“ lautete damals mein Fazit (siehe auch im echo).

Gestern, nach einem Jahr Arbeit des Planers wurde uns das Ergebnis vorgestellt: Eine schöne, immer noch richtige Zusammenstellung der Fakten, bescheiden und vorsichtig gewichtet, geprägt von der Angst, etwas mutiges Zukunftsträchtiges zu sagen mit dem Fazit, der PRA als Planungsverband sei mit einer 33% Stelle auszustatten, die dann die Regionalentwicklung weitertreiben werde.

Das kann doch nicht ernst gemeint sein! Wie soll eine kleine Teilzeit-Planer-Stelle in einem Verband, der keine Kompetenzen hat, der mit einem Einstimmigkeitsprinzip von jeder Gemeinde blockiert werden kann, überhaupt je etwas bewirken. Wer glaubt denn sowas!

Haben hier die Vorstandsmitglieder gewirkt (mit Gemeindeammänner nahe am Rentenalter? Frauen oder jemanden unter 5o Jahren gibt es dort ohnehin nicht), haben sie jeden Ansatz für eine wirkliche Regionalentwicklung im Keime erstickt? Und bald werden sie weiter klagen, dass überregionale Sportanlagen (das Beispiel KEBA ist topaktuell), Verkehrsprobleme, Umweltanliegen, Tiefenlagergelüste der NAGRA, koordinierte Bauzonenplanung, regionale Standortmarketings nicht befriedigend lösbar sind.

Ich weiss die „Lösung“ nicht: Ich weiss aber, dass wir vor einem Jahr in einer guten Diskussion erheblich weiter waren. Die Feststellung, dass der konkrete und gelebte Siedlungsbereich nicht mehr ansatzweise mit den administrativen politischen Strukuren übereinstimmt, war vor einem Jahr kaum ernsthaft bestritten. Dass dies nur verbessert werden kann, wenn sich die gesamte Region eine politische Struktur gibt, die wirklich handlungsfähig ist, sei das durch Fusionen beginnend im Zentrum oder durch einen Regionszusammenschluss  a la Glarus, war und ist offenkundig. Dass viele, v.a. die Behördemitglieder dazu nicht bereit sind, um ihre Posten fürchten, ist auch bekannt. Hier hätte die gestrige Diskussion ansetzen müssen: Mit welchen Modellen, welchen Vorbereitungsphasen könnte diese Angst abgebaut werden. Wie kann verhindert werden, dass jede Gemeinde, jeder Bürger krämerisch rechnet, ob er kurzfristig etwas gewinnt oder verliert. Wie lässt sich ein Scherbenhaufen a la Baden/Neuenhof verhindern, dass plötzlich auch Aarau, das nicht ausbaufähige und überall blockierte Kleinststädchen, wie dort Baden meint, sein Vermögen und seine Steuerkraft so lange wie möglich vor den wachsenden Agglogemeinden schützen zu müssen. Wer behält welche Schulstandorte, wer Werkhöfe und Verwaltung, wohin sind die Arbeits- und Industriezonen und damit auch der Verkehr in der Region sinnvoll? Ja, das wären die Fragen…auf die ich auch noch keine definitiven Antworten habe, vor denen ich mich aber auch nicht fürchte. Heute wären diese Fragen/Probleme zu lösen, nicht kurzfristig, aber befriedigend für alle Einwohner der Region. Was in der Siedlung längst zusammengewachsen ist, muss auch politisch wieder auch die gleiche Ebene gebracht werden, demokratisch mit dem Einbezug der Bevölkerung. Oder haben uns morgen andere Regionen den Rang abgelaufen?

„Frischer Wind“  hiessen auch diesmal die Moderatoren, zu spüren war davon nichts mehr.

NB:

Das ganze Konzept finden Sie auf der Homepage des PRA oder hier (Regionalentwicklungskonzept_110112); lesen Sie selber und sagen sie, was Sie davon halten: Die Vernehmlassung läuft bis zum 29. April 2011. Sie können auch hier im Blog Ihre Meinung sagen.