Überschwemmen die Laternenparkierer nun Suhr?

Nachdem Suhr vor 10 Jahren ein Parkierungsreglement (parkierung_suhr) einführte und damit versuchte, die Laternenparkierer v.a. aus dem Bereich Brügglifeld/Kantonsspital etwas einzudämmen oder zumindest dafür etwas Geld zu erhalten, ging ein erster Aufschrei durch die Reihen der passionierten Laternenparkierer. Aber seither hat man sich arrangiert, man versucht mit allen Tricks der Gebührenpflicht auszuweichen oder man bezahlt halt. Die Ansätze erschienen moderat,  300 Franken für die Jahreskarte, immer noch besser als ein Stehplatz im öffentlichen Verkehr, werden viele denken.

Nun am 1. September 2010 zieht Aarau nach, und wie! Was ist neu? Wer nun ein Jahr lang in Aarau an den Laternen parkieren will,  zahlt stolze 1650 Franken. Was für Anwohner noch erschwinglich ist mit 300 Franken (wie in Suhr) ist für Fremde, die hier nur als Berufspendler parken abschreckend hoch. Sie werden in Suhr parkieren. Ja, so einfach ist es die fehlende Koordinierung, die fehlende Zusammenarbeit und die diffuse Gemeindegrenze im Aarauerfeld zu umgehen. Die Anwohner auf der Suhrer Seite des Aarauerfelds werden wieder unter dem Verkehr, den Parkplatzsuchern und den parkenden Autos leiden und die Stadt Aarau wird nicht soviel einnehmen aus der Parkiererei wie vielleicht budgetiert. Haben da politische Behörden je miteinannder gesprochen?

Nein, ich komme nicht wieder mit einer  Fusion, dieses Problem lässt sich nun einfacher mit einer Reglementsänderung in Suhr lösen, wenn es denn vorbereitet worden ist.  Aber wie ist das denn mit der EU und dem „autonomen Nachvollzug der Gesetze“ durch die Schweiz? Suhr wird so schnell als möglich die Bedingungen und den Tarif auf die gleiche Ebene bringen müssen wie Aarau, damit es kein Ausweichen nach Suhr gibt. Suhr muss, offenbar ohne beim Aarauer Reglement mitgewirkt zu haben, schnell nachziehen, für viel Eigenständigkeit bleibt kein Raum, wenn man die Nachteile verhindern will. Hat die Suhrer Bauverwaltung ein Projekt in der Schublade? Ist es auf der Traktandenliste für die Wintergemeindeversammlung?

Wer fürchtet sich vor dem bösen Wolf?

Aarau stellt die Fusionsfrage (vgl AZ vom 30.3.2010), und viele Nachbargemeinden, zumindest die angefragten Exekutivmitglieder, zucken angstvoll zurück.  Nach der Entwicklungskonferenz des Regionalplanungsverbandes (lesen Sie hier im Blog) darf aber niemand mehr vor dieser Frage zurückschrecken. Zu klar zeigte sich, dass die regionale Zusammenarbeitauf eine neue Grundlage gestellt werden müsste. Die Frage der Fusion liegt damit längst auf dem Tisch! Jetzt sind einmal die Details anzuschauen: Was würde denn ändern, was würde bleiben, wie könnte eine Fusion aussehen, welche Konsequenzen hätte es für die Schulen, die Oberstufenstandorte, die Verwaltungsabteilungen, die technischen Betriebe, auch den Steuerfuss etc. Erst wenn wir das einmal durchdenken, durchrechnen und ausdiskutieren, sind weitere Entscheide sinnvoll. In Suhr haben die Wählerinnen und Wähler nach dem vehementen Widerstand der  „echten Suhrer“  dem Bündnis Zukunft Suhr das Vertrauen geschenkt. Zukunft Suhr hat diese Wahl gewonnen mit dem Versprechen, nicht auf direktem Weg sich in die Arme Aaraus zu werfen, aber ernsthaft und gründlich die Frage der Fusion zu prüfen und mit der Bevölkerung zu diskutieren. Dieses Versprechen ist einzulösen. Alles andere ist unverständlich und missachtet den Wählerauftrag. Die letzten Wochen haben die Wahlkampfgräben wieder etwas zugeschüttet, das ist richtig so. Die Fusionsdiskussion ist kein parteipolitisches Thema, es muss im Interesse aller Einwohner von Suhr und der Region sein, sich Gedanken um die längerfristige Zukunft zu machen. Nicht erst, wenn der Steuerfuss wieder zum Thema wird, sondern heute, wo Suhr noch aufrecht und mit gesunden Strukturen dasteht und auch nicht als Sanierungsfall auf Almosen einer Nachbarstadt angewiesen ist. Über eine Fusion verhandeln kann man nur, wenn man sich auch tatsächlich gegen die Fusion entscheiden könnte, nicht wenn aus finanzieller Not gar keine Wahl mehr bleibt. Das echo erwartet vom Gemeinderat Suhr, dass er die Diskussion aufnimmt und schnell gründliche und gut dokumentierte Entscheidungsgrundlagen vorzubereiten hilft. Suhr hat seine Werte, bringen wir sie ein, prüfen wir einmal, ob nicht Synergien für alle denkbar wären, ohne die Vorteile von Lebensqualität, liebgewordener Landschaft und nachbarschaftlicher Überschaubarkeit aufgeben zu müssen.

Und vielleicht ist der Wolf ja gar nicht so böse…

Standortmarketing in Suhr

Der Gemeinderat Suhr beabsichtigt eine Kommission für ein Standortmarketing einzusetzen. Unter anderem der Bahnhof Suhr mit seinem Potential für eine zentral, verkehrsgünstig an Bahnhöfen von SBB und WSB und Bus gelegen mit hervorragenden baurechtlichen Chancen in der Kernzone soll „unter die Leute“ gebracht werden. Das ist gut, gut gemeint, aber veilleicht nicht so einfach. Suhr steht mit dem Wunsch, gute Arbeitsplätze (gemeint sind wohl Firmen mit gutem Wertschöpfungspotential, möglichst vielfältigen Personalbedarf in unterschiedlichen aber eher guten Qualifikationen und ohne grosse Lagerbedürfnisse mit wenig Immissionen) nicht allein da, alle Nachbargemeinden, auch andere Regionen im Kanton und andere Kantone, andere Zentren wollen das selbe. Alle wollen gute Arbeitsplätze haben und dann möglichst die qualifizierten, gutbezahlten Mitarbeiter dieser Betriebe auch als Steuerzahler gewinnen. Da dürfte es schwierig werden, selbst wenn das Angebot Suhrs gut ist.

Die Entwicklungskonferenz des Planungsverbandes hat derartige Fragen und Probleme Ende Februar breit abgestützt diskutiert und allen war dort klar, dass diese Aufgabe nur regional zu lösen ist. Wenn wir es bloss darauf anlegen, einen Betrieb aus einer Nachbargemeinde nach Suhr zu holen, ist das zwar schön, aber wohl kein wirklicher Erfolg. Ein Betrieb aus einem andern Kanton, einer andern Region oder gar aus dem Ausland, wird aber kaum auf ein Angebot aus Suhr warten. Suhr who? wird er fragen, wenn er überhaupt vom „Standortmarketing“ Suhrs je erfahren wird. Suhr hat nicht nur das Bahnhofareal anzubieten, Suhr hat als Gemeinde in der verkehrsgünstig gelegenen Region Aarau auch sonst einiges anzubieten. Bloss wird es ein wirklich externer fremder Betrieb nicht als Angebot Suhrs wahrnehmen, weil für Auswärtige die einzelnen Gemeinden in der Region nicht mehr als selbständige Gemeinden erkennbar sind und auch als eigenständige Gemeinde für anzusiedelnde Firmen keine Bedeutung haben. Für diese Firmen sind die allgemeinen Dienstleistungen des Gemeinwesens wichtiger, gute Infrastruktur, kompetente Ansprechpartner in Behörden und Verwaltung, gute Abgaben- (Strom, Baubewilligungen, Erschliessungsabgabenetc.) und Steuerverhältnisse stehen vor der kommunalen Eigenständigkeit, welche für Firmen generell keine Bedeutung hat. Viel wichtiger ist es für eine Firma mit auch überregionalem Angebot, dass sich ihr Standort auch kommunizieren lässt, dass man den Ort ihres Firmensitzes auch zumindest im nationalen Rahmen kennt, einordnen kann.

Das können wir beklagen, uns dagegen wehren, es negieren. Es wird uns nichts nützen, es ist so. Genau hier lägen Chancen und neue Möglichkeiten in der so wenig geliebten Fusionsdiskussion. Die Zonierung um den Bahnhof und die Verkehrserschliessung verbessern, war richtig und nötig. Daraus aber etwas zu machen, werden wir als Agglomerationsgemeinde Suhr allein nicht können, hier sind weitere Schritte dringend anzugehen.

la région n’existe pas oder Entwicklung in die Zukunft?

Ein beachtliche Zahl von rund 150 Behördevertreter und Interessierten versammelten sich zwei Halbtage im Aarauer KUK (wie der altehrwürdige Saalbau heute heisst) und debattierten über Lösungen für eine gemeinsame, nicht nur planerische Zukunftsstrategie in der Region Aarau.

Von allen wurden Aufgaben genannt, beschrieben und umrissen, die vermutlich besser im regionalen Rahmen gelöst werden könnten, für deren Lösung Gemeindegrenzen Hemmnisse und Erschwerungen bieten. Nicht nur Raumplanung und Verkehrsströme, auch kulturelle Aktivitäten, Sportanlagen und Wirtschaftsförderung wurden regelmässig genannt in denen mit den Thesen des Planers die effektiven Grenzen der Entscheidungsorgane nicht übereinstimmen mit den wirklichen Bedürfnissen. Trotz dem praktisch generellen Willen zur Zusammenarbeit, scheitern häufig Projekte über die kommunalen Grenzen an den Eigeninteressen der Gemeinden. Eigennutz und Partikularinteressen bremsen die regionale Entwicklung, verhindern eine Ausnutzung der hervorragenden Standortsituation der Region Aarau. Dies zum Schaden aller: Wenn es nicht gelingt, die guten Voraussetzungen bezüglich Verkehrserschliessung und zentraler Lage in der Schweiz, verbunden mit der guten Wohnqualität, dem bezahlbaren Wohnraum in bester Lage zu Naherholungsgebieten besser im nationalen Standortwettbewerb zu positionieren, wird die Ansiedlung qualitativ hochstehender Arbeitsplätze, wird eine nachhaltige Entwicklung der Region überhaupt zur Illusion.

Neben den vielen besser regional zu lösenden Aufgaben stellte sich plötzlich die ketzerische Frage, was denn überhaupt noch idealer im lokalen Rahmen der Gemeinde zu lösen wäre!

Schwierig war dann aber das Eingeständnis der Konsequenzen aus dieser Analyse: Es gibt kein Gremium, das demokratisch legitimiert die Aufgaben in einem regionalen Rahmen angehen und lösen könnte, wenn dies nicht eine neue grössere, fusionierte Grossgemeinde ist. Dass diese Aarau heissen wird, ist klar, das Suchen nach einer neuen Bezeichnung wirkte dabei geradezu skurril. Dieses neue Aarau wäre aber nicht mehr mit dem heutigen Klein-Aarau zu vergleichen, mehr Regionsbürger als Alt-Aarauer würden neu die demokratisch die Zukunft der ganzen Region, der neuen Zentrumsstadt mitbestimmen, als Chance der ganzen Region. Auch für die heutige Kleinstadt ein neuer Ansatz.

Ob die „offizielle“ Auswertung der Konferenz dieses Ergebnis bestätigt, ist noch offen, das angekündigte Prozedere über eine Vernehmlassung bei den Exekutivbehörden kann diese zumindest teilweise ungeliebte Erkenntnis wieder relativieren und verwässern. Schlecht abgestützte Regionalräte und zahnlose Entwicklungsfonds gefährden das Selbstverständis der Gemeinden halt weniger und noch einfacher wäre es, die Analyse etwas in Verwaltungsschubladen vergessen zu lassen….

Der Prozess aber ist lanciert, die Probleme und Lösungsansätze liegen auf dem Tisch, viele, auch Amtsträger haben diese Gedanken mitgetragen. Jetzt brauchen wir nur den Mut, diese Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen. Dies ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen werden kann. Fusionen haben nicht nur Vorteile, Risiken sind sorgfältig herauszuschälen, Nachteile zu minimieren. Dabei präsentiert sich die Lage von Gemeinde zu Gemeinde etwas verschieden.  Nichtstun geht aber nicht mehr. Dass die Moderatoren sich „Frischer Wind“ nannten, ist hoffentlich ein gutes Omen. Wer macht den nächsten Schritt?

Voilà

Neuer Rekord für den Aarauer Hauslieferdienst im Jahr 2009. Voilà bringt Ihre Einkäufe aus Aarau bequem zu Ihnen nach Hause. Auch dies eine Dienstleistung, die nicht nur ältere Personen, sondern auch Mütter mit Kinderwagen, Leute ohne Auto sehr zu schätzen wissen. Über 19’000 Aufträge pro Jahr zeigen eindrücklich das Bedürfnis. Und was hat das denn mit Suhr zu tun? Nichts, weil Voilà nur bis an die Stadtgrenze liefert, bis zur Südallee Nordseite, nicht mehr an die Südallee Südseite! Kleinkariert werden Sie sagen, ja, das meint auch das echo und so unverständlich doch nicht: Suhr ist eben nicht Aarau: In Aarau haben sich Gewerbe und Politik für Voilà stark gemacht, hat man etwas riskiert, investiert, hat Strukturen aufgebaut und kann jetzt einen erfolgreichen Hauslieferdienst aufweisen, der vielen eine Erleichterung bei den wöchentlichen Einkäufen bietet, nicht zuletzt älteren Personen länger ermöglicht, in den eigenen Wänden selbständig zu leben. Das Suhrer Gewerbe hätte es in der Hand, hier entweder selber etwas aufzubauen oder aber ernsthaft mit Voilà zu verhandeln, ob, wie und unter welchen Bedingungen eine Ausdehnung nach Suhr möglich wäre. Die Veloachse Bachstrasse würde jedenfalls den Kurieren schnelle und weitgehend gefahrlose Wege nach Suhr bieten. Dass Voilà neu unter der Leitung und Verantwortung der Stollenwerkstatt betrieben wird, könnte eine Chance sein. Suhr müsste aber auch etwas zu bieten haben, sonst wird der neue Stadtteil Rohr wohl schneller von einer Ausdehnung profitieren können als Suhr.

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Prosit 2010: Aarau-Rohr; Buchs; Suhr?

Rohr feiert in Aarau, Aarau stösst mit Rohr an. Suhr feiert allein, Buchs zelebriert die kurze 200jährige Eigenständigkeit von Suhr. Die Geschichte ist nicht aufzuhalten. So schreibt Rohr in seiner Chronik:

Vielleicht befand sich auf dem Gemeindegebiet die erste Burgstelle jener Herren von Rohre, die später in Aarau eine bedeutende Rolle spielten. Die Grafen von Lenzburg, später die Kyburger und seit Beginn des 13. Jahrhunderts die Habsburger hatten ihre Eigengüter. Wichtige Rechte lagen auch in den Händen der Johanniter auf Schloss Biberstein. 1415 kam Rohr unter bernische Herrschaft und gehörte zum Gericht Suhr der Landvogtei Lenzburg; seine Einwohner waren Glieder der Gemeinde Suhr-Buchs-Rohr. Als der Kanton Aargau gegründet wurde, bildeten die drei Dörfer Suhr, Buchs und Rohr immer noch eine politische Gemeinde. Die Rohrer regelten aber schon früh ihrer Angelegenheiten selber. Kämpfe gegen die Aarehochwasser führten nach langwierigen Verhandlungen erst 1810 zur Trennung von Buchs und Rohr.“

Die Gemeindelandschaft veränderte sich früher, sie verändert sich heute und wird sich auch morgen verändern. Aber die Leute bleiben die gleichen. Ja, was vermittelt uns denn Heimat? Sind es die Strassennamen, die Amtsstellen, die Gemeindewappen oder vielleicht doch die Landschaft, die Nachbarn, die Kollegen, die Freunde, die mit uns zum neuen Jahr anstossen. Die Rohrer werden weiterhin an der Aare joggen und in Aarau einkaufen, die Aarauer sich am Auensee in Rohr entspannen, in Rohr eine günstige Wohnung, eine Baulandparzelle suchen. Rohrer gehen in Buchs zur Schule, Buchser baden in Suhr oder vielleicht auch hie und da in Aarau, Aarauer drehen die Eislaufpiruetten in Suhr, kaufen in Buchs und Suhr ein. Alle nutzen den Bahnhof Aarau…und viele tun sich so schwer damit, dass diese gewachsene historische Region mehr Einheit ist als Vielheit.

Und so feiern auch alle ihren Neujahrsapéro allein in ihrern Ratshäusern, beschwören die Gemeindegrenzen….oder dann mischen sie sich doch auch mal in den Aarauer Saalbau, das KUK, wo der Neujahrsempfang einmal mehr unter der Organisation einer Aarauer Stadträtin und Suhrer Lehrerin stattfand. Er stand auch dieses Jahr nicht nur den Neu-Aarauern aus Rohr offen. Viele aus der Region merkten, dass man ja auf der gleichen Bühne tanzt. Vielleicht müssen wir auch einmal die Neu-Stadträtin in Aarau und Alt-Frau-Gemeindeamman aus Rohr einladen, sie nach ihren ersten Amtswochen fragen,  warum man unabhängig von der Parteifarbe die besseren Perspektiven sehen kann, wenn man wirklich einmal über den Schatten oder über die Gemeindegrenzen ins neue Jahr tanzt.

In diesem Sinn wünscht Ihnen auch das echo alles Gute zum zum 2010.

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Gränichen schwimmt mit

Das echo begrüsst die Einwohner von Gränichen in der Badi Suhr-Buchs. Natürlich ist es erfreulich, wenn die Gemeinde Gränichen nicht nur die Badi Suhr-Buchs mitnutzt, sondern sich auch in guter Gemeindezusammenarbeit an den Kosten beteiligt, mitreden will und Mitverantwortung trägt. Das echo hat Zusammenarbeitsmodelle im Grundsatz immer positiv eingeschätzt. Gegenüber dem immer teureren Alleingang jeder Gemeinde hat diese Zusammenarbeit Vorteile.

Zweifel an dieser Art von Gemeindezusammenarbeit hat das echo aber schon mehrfach geäussert. Bezüglich Effizienz, Demokratiegehalt und Kontrollmöglichkeiten bestehen in Zusammenarbeitsverträgen von Gemeinden oft  Defizite. Auch der Badivertrag (GV_Schwimmbadvertrag[1]) mit Gränichen ist dafür ein Beispiel: In Suhr hat nur der Gemeinderat diesem Geschäft zugestimmt, weder die Einwohnerschaft noch die FIKO wurden einbezogen. Auch bestehen Zweifel, ob dieses Zusammenarbeitsmodell wirklich die unterschiedlichen Interessen gleichmässig berücksichtigt.

Auch im vorliegenden Geschäft sind aus Suhrer Sicht zumindest Fragen offen: „Schwimmen zum Nulltarif“ titelte die AZ. Gränichen beteiligt sich nur an den Betriebskosten und an allfälligen neuen Investitionen? Suhr und Buchs haben die Badi nun für gutes Geld neu gebaut und einige Mio investiert, Gränichen erhält dies gratis. Suhr hat auch die Erschliessung und die Parkplätze gebaut und bezahlt. Natürlich ist auch Suhr daran interessiert, die Betriebskosten auf mehr Schultern zu verteilen; Gränichen nutzt dies aus, beteiligt sich an den Betriebskosten und dem unvermeidlichen jährlichen Defizit und hat dieselben Rechte wie die Ersteller der Badi. Das nützt so zwar allen, aber nicht allen gleich! Hätte sich Gränichen in seinen Anteil von 30% eingekauft, hätte Suhr heute die Mittel schon beinahe zusammen, die für die neue KEBA benötigt werden. Von einer ausgewogenen Lösung kann keine Rede sein, Gränichen ist klassischer Trittbrettfahrer!

Es läuft immer gleich:  Einzelne Gemeinden sehen das Bedürfnis, können von der Grösse und der zentralen Lage das Bedürfnis nicht ignorieren, weil sie im (Standort-)Wettstreit mit andern Zentren/Agglomerationen stehen. Sie müssen, wollen in Infrastruktur und Freizeitangebot investieren, sie müssen es dann auch selber realisieren und bezahlen. Sie haben keine Möglichkeit strukturschwache ländliche Nachbargemeinden wirklich ernsthaft zu beteiligen. Dorthin flüchten dafür einige der (guten) Steuerzahler, sie bauen sich an schöner Hanglage in Gränichen, Muhen und Hirschtal ihr Häuschen. Hirschtal senkt die Steuern und Suhr wird sie bald wieder erhöhen müssen…

Das echo will nicht zu schnell die Fusionsdiskussion wieder aufwärmen, es weiss nur zu gut, wieviel emotionale Widerstände diese Diskussion in den Wahlen ausgelöst haben. Die Diskussion ist aber unvermeidlich, wenn man nicht alle Tatsachen und Probleme ignorieren will. Aber es soll doch einmal einer erklären, wie diese Problematik gelöst werden kann, ohne Fusion derjenigen Gemeinden, die wirklich für ihre Einwohner gute und zahlbare Dienstleistungen bieten wollen.

Aaraus Flirt mit den Nachbarn

Aaraus regionale Charme-Taktik, titelt die AZ. Gegen den Willen des Stadtrates beschloss der Einwohnerrat Aaraus, dass Aarau aktiv auf Nachbargemeinden zugehen und mit ihnen in Fusionsverhandlungen treten soll. Das echo berichtete über den ursprünglich als Motion eingereichten Vorstoss der SP Aarau, der nun als Postulat überwiesen worden ist.

Ist das nun gut oder schlecht? Gut, meint das echo. Natürlich bewirkt der Vorstoss umgehend, dass die ohnehin sich vor jeder Fusionsdiskussion fürchtenden Ortsbürger der Nachbargemeinden wieder in die Schützengräben flüchten, weil das grosse Aarau nun alle einverleiben wolle, ein Flirt mit Macho-Effekt könne auch kontraproduktiv sein, meint deshalb auch AZ-Kommentator Rauber. Das war auch der Grund, weshalb der Stadtrat sich gegen den Vorstoss aussprach, nicht weil der Stadtrat eine öffentliche und intensive Fusionsdiskussion nicht begrüssen würde.

Genau deshalb ist der Entscheid aber bemerkenswert: Eine Mehrheit des Aarauer Stadtparlamentes begrüsst die aktive Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit den Nachbargemeinden, von der Minderheit würden einige bloss etwas anders vorgehen, ohne das Ziel der intensiven Fusionsverhandlung aber in Frage zu stellen. Das ist wichtig, nachdem gerade in den Nachbargemeinden immer wieder in Frage gestellt worden war, ob das bisher in dieser Frage nicht aktiv auftretende Aarau eine Fusion überhaupt begrüsse. Definitiv entschieden ist eine Fusion natürlich auch für die Bevölkerung von Aarau nicht, auch Aarau würde nach einer sorgfältigen unvoreingenommenen Analyse erst definitiv entscheiden, wenn die Fakten auf dem Tisch sind.

Nachdem in Suhr die Gemeindewahlen klar von Zukunft Suhr gewonnen worden sind, ist nach diesem Entscheid auch in Aarau die Ausgangslage neu. In Suhr haben die Stimmberechtigten mit der Wahl aller Kandidatinnen und Kandidaten von Zukunft Suhr zum Ausdruck gebracht, dass sie diese Fusions-Frage zumindest gründlich geprüft und diskutiert haben wollen. In Aarau hat das demokratisch abgestützte Stadtparlament sogar ein aktives Tätigwerden unterstützt und in Buchs hat der Einwohnerrat im Sommer ebenfalls gegen den Willen des Gemeinderates eine Prüfung dieser Frage gutgeheissen.

Ja, worauf warten wir denn noch? Auf Buchs, das zuerst noch 200 Jahre Eigenständigket von Suhr feiern will? Nein, dieses Fest missgönnt den Buchsern niemand, es hat aber wie die neu aufgearbeitete Ortsgeschichte in Suhr nichts damit zu tun, dass die Fragen der Gemeindestruktur und Zusammenarbeit in der Region Aarau einmal auf den Tisch gehört, gründlich, professionell begleitet, analysiert und die Anliegen auch der Agglomerationsgemeinden ernsthaft berücksichtigend. Diese Diskussion muss zu einem öffentlichen Dauerthema werden: Sachlich, korrekt mit Respekt der Grösseren gegenüber den Kleineren, diplomatisch und mit Rücksichtname auch auf die Skeptiker. Und was auch immer in einigen Jahren daraus resultieren wird, die Geschichte und die Jubiläumsfeste nimmt uns niemand.

Richtungswahl?

GemeinderäteDie Zusammensetzung des Gemeinderates ist zentral für Suhr. Mit Marco Genoni, der von der FIKO her die Geschäfte schon kennt,  und den bewährten zwei Bisherigen von Zukunft Suhr, Barbara Gloor Estermann und Jürg Hertig gewinnen wir erfahrene und ausgewiesene Personen. Sie verdienen eine gute Wahl. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Irrtümer von „echt Suhr“; 9. Teil; Die TBS geht bei einer Fusion verloren

tbs_montage06Ja hier bei den TBS wird es nun wirklich interessant: Tatsächlich sind die eigenständigen technischen Betriebe Suhrs ein Juwel, dessen Schicksal im Rahmen einer Fusion sehr gut ausgehandelt werden müsste. Die TBS sind auch happige Aktivposten Suhrs, die in Buchs fehlen und die Aarau mit der Privatisierung schon teilweise aus der Hand gegeben hat. Offenbar besteht heute grosse Einigkeit darin, dass die TBS in den Händen der Gemeinde gehalten werden soll. Geplant ist einzig eine neue Rechtsform.

Welche Einflüsse haben wir dann aber noch auf die weitere Entwicklung? Wenn die TBS einmal eine privatrechtliche Firma sind, haben wir selbst bei vollem Aktienbesitz nur noch die – vom Gemeinderat ausgeübten –  Aktionärsrechte. Das heisst keinen direkten Einfluss mehr auf die Geschäftsausübung der TBS. Hier gehen sofort alle von der IG „echt Suhr“ gelobten direkten Einflussmöglichkeiten verloren. Wollen wir das wirklich? Den Rest des Beitrags lesen »

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