Suhr im Wahljahr 2013: Tagesstrukturen


Nein, Tagesstrukturen sind bisher nicht das erstgenannte Thema in meiner Umfrage: Und trotzdem fange ich mit diesem Thema an: Mit dem Familienartikel , der am letzten Sonntag am Ständemehr gescheitert ist, zeigt sich so schön die gespaltene Schweiz. Die ländlichen Regionen, in denen man die Welt noch heil, die Familie noch intakt glaubt, wird die Förderung der ausserfamiliären Kinderbetreuung durch den Bund abgelehnt. In den städtischen Gebieten, wo der Wohlstand des Landes mit der Hilfe auch vieler gutausgebildeter Frauen und Mütter erarbeitet wird, um den ruralen Regionen den Finanzausgleich zahlen zu können, hätte man diese Unterstützungen dringend gebraucht. Das Hinterland schafft sich selbst die goldenen Eier ab, schiesst sich wieder einmal ein Eigengoal. So wie der Ständerat nicht zählen kann, können Landkantone nicht rechnen. sld_grafik-staatskinderUnd so weinen denn die Stadtkinder oder ihre berufstätigen Eltern mehr als die angeblichen Staatskinder der SVP.

hortTagesstrukturen werden aber in Suhr (endlich) aufgebaut. Der Durchbruch ist nach jahrelanger Skepsis derjenigen, die glaubten, dass dadurch die heile Familienwelt abgeschafft werde, gelungen. Die sozialen Realitäten der notwendigen oder erwünschten Doppelverdienerfamilien hat auch in Suhr zum Umdenken geführt. Noch aber ist die Umsetzung zaghaft, das Angebot ist erst im Aufbau und noch ungenügend und das Vertrauen der Familien darauf, dass das Angebot qualitativ gut und auch langfristig gesichert ist, ist bei der privaten Organisation der Angebote noch nicht vorhanden. Kein Wunder nach dem langjährigen Kampf um dieses Thema. Dass die Kosten mit Vollkostenrechnung und reiner Unterstützung in sozialen Härtefällen dann noch in einer Höhe sind, dass alle einigermassen rechnenden Eltern weiterhin andere Lösungen suchen, insbesondere die nun in den langen Jahren unumgänglichen zu suchende und von einigen gefundenen Lösungen nicht aufgegeben werden, erstaunt nicht. Und man hört schon von der Ferne die Mär vom fehlenden Bedürfnis…

Nein, am Bedürfnis fehlt es nicht, aber öffentliche unterstützte Tagesstrukturen müssen über Jahre zuverlässig,  besser und günstiger als rein private Lösungen sein, damit sie wirklich genutzt werden. Davon sind wir in Suhr noch weit entfernt. Wir riskieren sogar, dass die bescheidenen Ansätze das Vertrauen lange nicht finden. Aber wäre die Schule kostenpflichtig nach einer Vollkostenrechnung und würden nur die sozial Schwächsten öffentlich unterstützt, würden auch hier alle Mittelstand-Eltern ihre Kinder privat schulen lassen, andere lieber die Schule Schule sein lassen als dafür um Sozialhilfe betteln zu müssen. Unsere Ur-Urgrossväter haben 1874 eine öffentliche, unentgeltliche und konfessionsneutrale Volksschule geschaffen. Sie haben die Bedürfnisse ihrer Zeit erkannt und Lösungen gefunden, die über Jahrzehnte unsere Gesellschaft prägen. Sie waren mutiger und weitsichtiger als wir heute.

Also, ein Anfang für Tagesstrukturen ist auch in Suhr gemacht, das Angebot und die Bedingungen machen aber das Angebot noch nicht attraktiv und wir werden Mühe haben, schnell genügend Nutzer zu finden. Suhrerinnen und Suhrer können rechnen…

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