Der Holperiweg ist tot: der historische Direktweg Suhr-Aarau wurde gesperrt

Nachdem viele Suhrerinnen und Suhrer auf dem gewohnheitsrechtlichen Veloweg im Aarauerfeld am  Spitalparkplatz vorbei Richtung Aarau fuhren, wurde dies in den letzten Jahren immer mehr zu einer Glückssache und einem Wagnis, weil die Anwohner den Unterhalt ihrer „Privatstrasse“ sträflich vernachlässigten. Sanieren war ihnen zu teuer, der Stadt abtreten wollten sie auch nicht, sie liessen ihn mit Schlaglöchrern übersäht, um den Velofahrern, darunter vielen Kindern diesen Weg zu vermiesen. Dass hier niemand schwer gestürzt ist, grenzt an ein Wunder.

Und nun haben die Anwohner die Lösung gefunden, sie sperrten die Strasse für die Suhrerinnen und Suhrer, sanieren sie für teures Geld und behalten den Durchgang mit Schranken und richterlichem Verbot den Eigentümern vor. jahrzehnte-, nein jahrhundertelang bildete dieser Weg die direkteste Verbindung zwischen dem Aarauerfeld in Suhr und der Stadt Aarau. Nun hält eine Metallsperre alle ausser den Anwohnern ab. Diese nehmen sogar in Kauf, dass der Weg nicht mehr von Schnee geräumt wird und keine Kehrichtabfuhr mehr durchfährt.

Doch dieser Weg ist längst gewohnheitsrechtliches Wegrecht für alle Bewohner des Aarauerfelds, er ist sowohl in der Michaelis-Karte 1840 wie in der Siegfriedkarte 1880 verzeichnet. Der direkte Weg zur altehrwürdigen Teigwarenfabrik Businger, Fuss- und Veloverbindung für viele. Gesperrt von Neuzuzügern und niemand wehrt sich.  Es geht im Gegensatz zur Darstellung im Sonntag (Privatweg_Sonntag-15 8 2010) nicht bloss um die Eigentumsverhältnisse, sondern um das jahrzehntealte Wegrecht. Warum setzt sich die Stadt Aarau nicht für diese (bei intakter Strasse) ungefährliche Veloverbindung nach Aarau ein? Die privaten  Eigentümer haben vorgegaukelt, den Weg nur für Autos sperren zu wollen (was noch verständlich wäre…), sie bleiben dabei aber die Erklärung schuldig, warum sie ein richterliches Verbot und ein allgemeines Fahrverbot installieren liessen und warum die Metallsperre niemandem mehr Durchlass gewährt. Wenn der Weg, was nun absehbar erscheint, wirklich auch für Fussgänger und Velos gesperrt werden sollte, das allgemeine Fahrverbot bleibt, wird die Gemeinde Suhr dieses Wegrecht einklagen müssen. Es kann nicht sein, dass einige wenige Private altrechtliche Wegverbindungen in dieser Region schliessen können.

Überschwemmen die Laternenparkierer nun Suhr?

Nachdem Suhr vor 10 Jahren ein Parkierungsreglement (parkierung_suhr) einführte und damit versuchte, die Laternenparkierer v.a. aus dem Bereich Brügglifeld/Kantonsspital etwas einzudämmen oder zumindest dafür etwas Geld zu erhalten, ging ein erster Aufschrei durch die Reihen der passionierten Laternenparkierer. Aber seither hat man sich arrangiert, man versucht mit allen Tricks der Gebührenpflicht auszuweichen oder man bezahlt halt. Die Ansätze erschienen moderat,  300 Franken für die Jahreskarte, immer noch besser als ein Stehplatz im öffentlichen Verkehr, werden viele denken.

Nun am 1. September 2010 zieht Aarau nach, und wie! Was ist neu? Wer nun ein Jahr lang in Aarau an den Laternen parkieren will,  zahlt stolze 1650 Franken. Was für Anwohner noch erschwinglich ist mit 300 Franken (wie in Suhr) ist für Fremde, die hier nur als Berufspendler parken abschreckend hoch. Sie werden in Suhr parkieren. Ja, so einfach ist es die fehlende Koordinierung, die fehlende Zusammenarbeit und die diffuse Gemeindegrenze im Aarauerfeld zu umgehen. Die Anwohner auf der Suhrer Seite des Aarauerfelds werden wieder unter dem Verkehr, den Parkplatzsuchern und den parkenden Autos leiden und die Stadt Aarau wird nicht soviel einnehmen aus der Parkiererei wie vielleicht budgetiert. Haben da politische Behörden je miteinannder gesprochen?

Nein, ich komme nicht wieder mit einer  Fusion, dieses Problem lässt sich nun einfacher mit einer Reglementsänderung in Suhr lösen, wenn es denn vorbereitet worden ist.  Aber wie ist das denn mit der EU und dem „autonomen Nachvollzug der Gesetze“ durch die Schweiz? Suhr wird so schnell als möglich die Bedingungen und den Tarif auf die gleiche Ebene bringen müssen wie Aarau, damit es kein Ausweichen nach Suhr gibt. Suhr muss, offenbar ohne beim Aarauer Reglement mitgewirkt zu haben, schnell nachziehen, für viel Eigenständigkeit bleibt kein Raum, wenn man die Nachteile verhindern will. Hat die Suhrer Bauverwaltung ein Projekt in der Schublade? Ist es auf der Traktandenliste für die Wintergemeindeversammlung?

Tiefenlager ohne Ende

Was heisst das denn eigentlich, dass in unser Region (Jura-Südfuss: Suhr, Aarau, Niederamt) ein Tiefenlager für radioaktiven Abfall erstellt werden soll? Wohin kommt das, wie sieht das aus, was für Auswirkungen hat dies auf unsere Lebens- und Wohnqualität, auf den Wert unserer Häuser, auf die Attraktivität unser Region als Wohn- und Arbeitsgegend. Fragen über Fragen: Es ist durchaus erfreulich, dass nach der NAGRA nun auch das kantonale Baudepartement sich wieder zum Wort meldet mit einer nicht minder gut gestalteten Broschüre: Fokus Tiefenlager.

Das genügt aber nicht. Wir, die wir hier wohnen, müssen uns nun engagieren, müssen Fragen stellen, Widerstand leisten. Nicht nur auf technisch geologischem Bereich, wie dies die NAGRA so schön vorgeben möchte. Nein, mit der Forderung nach sozio-ökonomischen Studien öffnet der Kanton mit gutem Grund den Blickwinkel. Dabei geht es nicht um St. Florians-Politik, es geht darum, wo grosse, immissionsträchtige Anlagen im schweizweiten Interesse im Land erstellt werden sollen. Unsere Gegend soll von den geologischen Voraussetzungen für ein derartiges Lager in Frage kommen, aber auch andere Regionen sind aufgrund der geologischen Voraussetzungen geeignet. Das bedeutet, dass neben den geologischen Kriterien jetzt zwingend andere Kriterien untersucht werden müssen, Kriterien wie Besiedlungsdichte, Umweltsituation aber auch bereits bestehende Anlagen mit ähnlichen Immissionen. Welche Auswirkungen hat eine weitere derartige Anlage auf die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung Jura-Südfuss?

Lassen wir uns nicht von der NAGRA auf das technische Geleise führen. Dass diese Organisation uns allen hier überlegen ist, wird wohl niemanden erstaunen, der weiss, mit welchen finanziellen und technischen Mittel die NAGRA seit Jahrzehnten ausgestattet ist. Aber die Betroffenheit der Wohnbevölkerung mit einer weiteren Entsorgungsanlage, einer weiteren Anlage mit dem Risiko Radioaktivität über Jahrhunderte, die können ja müssen wir nun einbringen. Die Plattform Jura-Südfuss hat sich formiert, machen wir mit!

Verkehr in Suhr; Ruhe vor dem Sturm?

Ende dieses Jahres wird vieles anders: Die WSB verlässt den Strassenraum und fährt neu auf dem bisherigen SBB Geleise um den Möbel-Pfister unter der Bernstrasse durch an der Badi vorbei über Buchs zum Bahnhof Aarau, in Suhr hält die WSB nur noch am Bahnhof. Neu fährt die Bus-Linie 4 vom Waldhof über die Mattenweg-Schlaufe zum Bahnhof Suhr im 15-Min-Takt und auch die Linie 6 im 30-Min-Takt nach der Lindenfeld-Schlaufe direkt auf der Tramstrass (die wird wohl nostalgisch so weiter heissen!) zum Bahnhof Suhr. Soweit ist alles klar, die genauen Daten, wann dieser Wechsel im November/Dezember 2010 erfolgt, werden wir in der Tagespresse noch lesen.

Aber was weiter mit den Verkehrsanliegen in Suhr? Hier wurde zwischendurch emsig debattiert, offenbar v.a. im Kanton eifrig projektiert aber wie der Übergang bei der Mitteldorfstrasse ins Schulareal aussehen soll, was nun mit der zurückgezogenen Planung mit diesem unseeligen Werkhofzugang geschieht, wie er Bären Kreuzt Bereich aussehen soll, das alles läuft an der Bevölkerung vorbei. Die Verkehrsbegleitgruppe ist nur selten im Einsatz und wird nur schlecht und recht informiert, zu Sagen hat sie ohnehin nichts.

Wer bereitet nun die Voraussetzungen vor, dass in den heikelsten Bereichen die Tramstrasse auf Tempo 30 verlangsamt werden kann? Dass das geht haben andere Gemeinden schon längst bewiesen: Das Beispiel Köniz/BE und andere sind längst bekannt, sie können angeschaut und die Wirkung dieser Massnahme geprüft werden. Wie soll das laufen, wer bestimmt wann worüber? Wer organisiert mit Kantonsvertretern einen Augenschein? Hier bleibt das Info-Konzept der Gemeinde vieles schuldig, die Webseite „suhrbewegt“ bewegt wenig, ist wenig informativ, wenig mutig und fördert keine echte Diskussion um wirklich gute Massnahmen (suhrbewegt). Vielleicht auch, weil der Kanton das Heft an sich gerissen hat und der Gemeinde gar keine echte Mitwirkung gewährt. Dann, wenn das so wäre, gehört das aber an die Öffentlichkeit!Hier müssen unsere Gemeindevertreter gegenüber der kantonalen Verwaltung klar und hart auftreten und die ewigen „wir machen im Aargau kein Tempo 30 auf Hauptstrassen“ zurückweisen. Sachargumente sind gefragt, nicht Ausreden!Dokumentationen gibt es, sie müssen nur gelesen werden (VCS Dokumentation)

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