Jugendgewalt


Dieses Thema ist zu ernst, als es als Wahlkampfthema aufzugreifen, auch wenn es Kandidatinnen und Kandidaten gibt, die selbstbewusst glauben, die Rezepte zu haben. Es ist nicht schwer, jeden Gewaltvorfall  zu bedauern, sein Unverständnis zu äussern und harte Reaktionen zu fordern. Nur genügt das nicht: Gewaltistout

Das Infoforum vom 31.8. 2009 zeigte aber, dass die heute in den Behörden in Suhr tätigen Personen das Thema mit aller notwendigen Aufmerksamkeit behandeln. Schulpflege, Jugendarbeit, Polizei, Sozialdienst haben hier weit fortgeschrittene Methoden entwickelt, diesen bedauerlichen Tendenzen zu begegenen. Nicht wegschauen, aktiv Gewalt deeskalieren, Integration fördern. Die Aufgabe ist so schwierig und undankbar wie bei einem Fussballgoalie, weil immer nur die einkassierten Tore (die einzelnen Delikte) gezählt werden, nicht die gehaltenen Bälle oder verhinderten Delikte. Nur das systematische Dokumentieren der gemeldeten Vorfälle und das konsequente Vernetzen erlaubt eine rechtzeitige und wirkungsvolle Reaktion, bevor die Gewaltspirale sich eine verhängnisvollen Stufe erreicht. Wir brauchen keinen runden Tisch, wir haben ihn schon. In Suhr kann jeder wissen, wohin er sich wenden kann und das Infoforum hat gezeigt, dass alle Verantwortlichen diese Fragen ernst nehmen.

Ist das trotz allen Präventionsbestrebungen nicht verhinderte Delikt aber gleichwohl geschehen, sind die Kompetenzen der Gemeinden äusserst beschränkt. Wo heute die Schulpflege noch als Jugendstrafbehörde amtet, wird schon 2011 die Jugendanwaltschaft allein zuständig sein. Hier laufen klar geregelte Verfahren ab, welche heute zu Recht auch den Opfern wichtige Mitwirkungsrechte sichern. So zu tun als habe man noch kein Opferhilfegesetz, ist polemisch. Auch hier haben wir das Instrumentarium, auch wenn mit aller Opferhilfe die Tat nicht aus der Welt geschafft werden kann. Und jeder Gewaltfall muss Anlass sein, alle vorhanden Mittel und Prozesse zu überprüfen und zu optimieren:  Wichtig erscheint hier, dass die Kommunikation auch zwischen den kantonalen Instanzen und den lokalen Behörden, zwischen Strafverfolgungsorganen und Vormundschafts- und Schulbehörden verbessert wird. Bereits im Bericht des Bundes zu diesem Thema schon 2008 sind hier Schwachstellen festgehalten ber-jugendgewalt-ejpd-d[1]. Suhr braucht nichts neu zu erfinden, nur hinschauen und umsetzen ist notwendig. Soweit die Fragen unseres Gemeindeammanns im Grossen Rat in diese Richtung gehen, darf man auf die Antwort gespannt sein.

Umso unverständlicher erscheint aber seine Reaktion auf den bekannten Vorfall in Suhr, bei dem er nicht in der Lage war, Fehlreaktionen aus ihm nahestehenden Kreisen zu stoppen: Reaktionen, wie sie die Suhrer Gemeindeversammlung auf Antrag aus den Ortsbürgerkreisen zeigte, nämlich integrierte einbürgerungswillige Jugendliche aus Serbien als Reaktion auf einen Vorfall eines Schlägers aus dem Kosovo zurückzuweisen, nicht einzubürgern, sind sicher untauglich (das echo berichtete darüber) , ungerecht und verstärken das Ohnmachtsgefühl von Ausländern. Derartiges ist sicher nicht geeignet der Gewalt die Grundlagen zu entziehen. Dass man auch noch heute, Wochen nach dem traurigen Vorfall im Mai 2009 in Suhr diese Einsicht nocht immer nicht bei allen hat, stimmt nachdenklich.

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