Warum steigen in Suhr die Stromkosten?


Mit den neuen Elektrizitätsreglementen sollen die Strompreise auch in Suhr rund 20% steigen. Liberalisierung des Strommarktes, heisst das Zauberwort: Die Zeche zahlen wir Konsumenten:

Das Debakel war vorhersehbar

Das Preisdebakel war voraussehbar. Von der Gesetzgebung her wäre es vermeidbar, doch das Verhalten der Elektriker überrollt den Gesetzesvollzug. Öffentlich rechtfertigt Josef Dürr, Direktor des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) die Preiserhöhungen so: «Das Gesetz verlangt eine Bewertung der Anlagen zu Anschaffungskosten.» Das ist nicht nur unkorrekt, sondern geradezu eine Manipulation! Die Stromversorgungsverordnung sagt ausdrücklich: «Als betriebsnotwendige Vermögenswerte dürfen höchstens berechnet werden: die Anschaffungs- bzw. Herstellrestwerte der bestehenden Anlagen, die sich aufgrund der Abschreibungen ergeben.» Von einer Pflicht zur Erhöhung der Netzbewertung keine Rede!

Die Stromversorgungsunternehmen, die sich zu 90 Prozent im Eigentum von Gemeinden und Kantonen befinden, hatten ihre Netze aufgrund der Restbuchwerte bereits stärker abgeschrieben, als dies das heutige Gesetz vorsieht. Die Netze sind also von den Konsumenten längstens bezahlt worden. Eine Aufwertung auf den Anschaffungsrestwert ist zwar rechtlich möglich, aber nicht vorgeschrieben. Sie bedeutet, dass der Kunde das von ihm bezahlte Netz nochmals zahlt.

EX-Preisüberwacher Rudolf Strahm im Tagesanzeiger (5.9.08)

Haben auch die TBS für die Bewertung ihrer Anlagekosten nochmals Werte eingesetzt, die wir Stromkonsumenten bereits in den vergangenen Jahren bezahlt haben? Warum müssen die Einwohner und Eigentümer der TBS die selben Netzdurchleitungspreise zahlen, wie Dritte, die bisher diese Anlage nicht finanziert haben? Wie lässt sich dies mit einer entsprechend erhöhten Konzessionsabgabe der TBS an die Gemeinde und damit wieder zu Gunsten der Steuerzahler korrigieren?

Bevor wir den neuen Tarifen zustimmen, werden wir hier noch genauere Zahlen erhalten müssen.

Veröffentlicht in Energie, Gemeindeverwaltung. Schlagwörter: , . 5 Comments »

5 Antworten to “Warum steigen in Suhr die Stromkosten?”

  1. lienhard Says:

    noch am infoforum vom 25. august 2008 wurde von den anwesenden ohne grosse reaktion die ankündigung entgegengenommen, dass nun halt die strommarktliberalisierung auch in suhr zu stromkostensteigerungen von bis 20% führen werde. erstaunlich! wenn es um grünabfuhr geht, um steuerfusserhöhungen etc sind die suhrerinnen und suhrer jeweils sehr kostenbewusst. wenn die tbs keinen scherbenhaufen riskieren wollen, werden sie die anpassungen nochmals sehr gut kommunizieren müssen. der verweis bloss darauf, dass in den letzten jahren die strompreise gesunken seien, genügt jedenfalls nicht.

  2. Heiner Kilchsperger Says:

    Ein wichtiges Ziel der Liberalisierung des Strommarktes und des neuen Energiegesetzes war die konsequente Förderung erneuerbarer Energien durch die kostendeckende Einspeisevergütung. Für solche zukunftsgerichtete Entwicklungen sind steigende Energiepreise zu akzeptieren. Nun kommt die Förderung der erneuerbaren Energie aber nur in kleinem Ausmass zum Zuge, da die Mittel vor allem für Photovoltaik viel zu gering sind: Innert zwei Tagen nach dem Startschuss waren so viele Projekte eingegeben, dass die finanziellen Mittel auf Jahre hinaus ausgeschöpft sind!
    Dafür zahlen wir dann für Netzkosten mehr, die ja auch bisher schon mitgerechnet wurden.

  3. Lienhard Says:

    so einfach ist es nicht: ich meine auch nicht die kostensteigerung, welche sinnvoll ist und begründet erscheint, wie diejenige für die förderung erneuerbarer energien. dass hier nicht alles überzeugt ist dann ein anderes thema. mich interessiert, wieso dann das ekz die strompreiserhöhung auf 10,8% beschränken kann mit der gleichen förderung erneuerbarer energien (und auch einem anteil für die netzdurchleitung!) und wieso die tbs knapp 20% aufschlagen müssen. diese rechnung, diese unterschiede müssen transparenter werden!

    (sda) Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) erhöhen die Strompreise auf Anfang 2009 um durchschnittlich 10,8 Prozent, wie sie am Donnerstag mitteilten. Begründet wird die Preiserhöhung mit Kosten für Systemdienstleistungen und Abgaben für die nationale Förderung erneuerbarer Energien des Bundes. Die EKZ gehörten weiterhin zu den günstigsten Energieversorgungsunternehmen der Schweiz, betonen sie. 0,9 Rappen pro Kilowattstunde werden neu als Entgelt für den sicheren Betrieb und die Koordination des Höchstspannungsnetzes verrechnet. 0,45 Rappen pro kWh beträgt die neu eingeführte Abgabe für die Förderung erneuerbarer Energien. Mit diesem Geld wird die Energieerzeugung aus Wasserkraft, Photovoltaik, Windenergie, Geothermie und Biomasse gefördert.

  4. echovomsuhrerchopf Says:

    Also nun kommt doch noch Bewegung in die Strompreisdiskussion: BR Leuenberger hat sich die Strombarone zur Brust genommen und ihnen erklärt, was derartige Strompreiserhöhungen in vorrezessiven Zeiten auslösen können… auch die die Stromwirtschaft, so privat sie auch ist oder geführt wird, ist ohne politische Rahmenbedingungen nicht in der Lage, volkswirtschaftliche Dimensionen ihrer Entscheide mitzugewichten. Das hatten wir doch kürzlich schon mal….


    Eine neue Übergangsbestimmung in der Stromversorgungsverordnung soll die Abschreibungsproblematik bei den Netzen lösen, sagte Leuenberger. Sie verbietet eine Aufwertung der Netze über den per 30. September 2006 verzeichneten Buchwert. Erst ab 2011 könne dieser Buchwert linear über 8 Jahre verteilt auf den Anschaffungsrestwert aufgewertet werden. (Tagesanzeiger, 24.10.2008)

    Nun werden auch die Tarife in den Gemeinden nochmals überprüft werden müssen!

  5. Echo vom Suhrerchopf Says:

    Nun kommt wirklich Bewegung in die Sache. BR Leuenberger hat den Unmut aus Bevölkerung und Wirtschaft besser und schneller aufgenommen als die kleinen Werke. Nun werden auch die TBS neu rechnen müssen. Durch den angenommenen Antrag an der Gemeindeversammlung ist das Gefüge der Tarife ohnehin durcheinandergeraten:

    NZZ Online vom 5.12.2008
    Bundesrat drückt Strompreiserhöhung
    Aufschläge um durchschnittlich 40 Prozent reduziert

    sda/ap) Der Bundesrat dämpft die angekündigten Strompreiserhöhungen um rund eine halbe Milliarde Franken. Er hat am Freitag die Stromversorgungsverordnung so geändert, dass die durchschnittlichen Strompreiserhöhungen um 40 Prozent reduziert werden.

    Einsparungen von einer halben Milliarde
    Wie Energieminister Moritz Leuenberger am Freitag vor den Bundeshausmedien erklärte, bewirken die neuen Bestimmungen Einsparungen von rund einer halben Milliarde Franken oder 0,9 Rappen pro Kilowattstunde. Das reduziert die durchschnittliche Strompreiserhöhung um 40 Prozent, wie Leuenberger bereits Ende Oktober angekündigt hatte.

    Neuerungen bei Reserve-Energie
    Nach Aussprachen mit der Stromwirtschaft sowie Kantonen und Gemeinden im vergangenen Oktober hat der Bundesrat laut Leuenberger Massnahmen in die Verordnung genommen, die einfach zu vollziehen sind, eine flächendeckende Wirkung haben und zu einer kurzfristig wirksamen Strompreisreduktion führen. Eine Neuerung betrifft die Reserve-Energie, die für Kraftwerksausfälle oder Konsumschwankungen bereitgehalten werden müssen. Gemäss der revidierten Verordnung sollen die Kosten dafür nach dem Verursacherprinzip verteilt werden. Die Endkonsumenten sollen bis Ende 2013 neu maximal 0,4 Rappen pro Kilowattstunde tragen müssen. Die restlichen Kosten müssen anteilsmässig die Betreiber der grossen Kraftwerke übernehmen.

    Zudem gleicht der Bundesrat Zusatzgewinne aus Netzaufwertungen aus, indem er die Kapitalverzinsung für die betriebsnotwendigen Vermögenswerte für eine Übergangszeit von fünf Jahren um ein Prozent senkt. Die revidierte Verordnung tritt auf Anfang Jahr in Kraft. Die Netzbetreiber müssen die auf Basis der neuen Bestimmungen berechneten Tarife bis Anfang April veröffentlichen. Bis Ende März dürfen die Betreiber den Endverbrauchern nur die für 2008 geltenden Tarife verrechnen.

    Allfällige weitere Anpassungen der gesetzlichen Grundlagen will der Bundesrat nach ersten Entscheiden der Elektrizitätskommission und einer Auswertung praktischer Erfahrungen mit der Strommarktöffnung in Angriff nehmen.


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