Will Suhr seinem Personal mehr Ferien gönnen?

Wenn jemand eine Reise tut, dann hat das was zu bedeuten. Da staunte das echo nicht schlecht: In der ARENA-Sendung des Schweizer Fernsehen zur 6-Wochen-Ferien-Initiative war doch prominent der gesamte Suhrer Gemeinderat vertreten. Und zwar auf der Seite der Befürworter der Initiative 6 Wochen Ferien für alle: Was plant unsere Gemeindebehörde? Das echo begrüsst ja im Grundsatz jede Verbesserung der Arbeitsbedingungen unseres Gemeindepersonals, weil es ja auch die Erfahrung gemacht hat, dass die Leistungsbereitschaft über weite Teile gut und hoch ist. Trotzdem überrascht das Vorprellen unserer Exekutive, und zwar in einem positiven Sinne. Ängste, dass nach dem Verlust des Gemeinderatssitzes für Zukunft Suhr, der Gemeinderat wieder zu den alten Sparmustern zurückkehren könnte, scheinen unbegründet zu sein. Mit dem Festhalten an einer Unterstützung für Tagesstrukturen scheint nun der Gemeinderat weiter die Strategie zu verfolgen, dass Suhr als Standort attraktiv bleiben oder noch attraktiver werden muss. Ja, dem kann das echo nur zustimmen und wenn mehr Ferien für unser Personal uns bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet, dann ist das ja sehr im Interesse der Gemeinde.

Zu hoffen bleibt nur, dass der Gemeinderat mit der Unterstützung der 6-Wochen-Ferien nicht die Lehrpersonen im Auge hatte, bei denen die generellen 6 Wochen ein harter Rückschlag wäre…

Schulbautensanierung und -anpassung ist dringend nötig

Am letzten Info-Forum wurde in einer Kurzinfo vorgewarnt, was auf uns zukommen wird: Nicht nur die Umstellung von 5 Jahre Primarschule und 4 Jahre Oberstufe auf die schweizweit üblichen 6 Jahre Primar und 3 Jahre Oberstufe wird erfordern, dass der Schulraum heute nicht mehr überall am richtige Ort steht. Auch die Einführung von Tagesstrukturen macht eine Anpassung an den Raumbedürfnissen nötig. Da ist es vielleicht sinnvoll, dass Suhr sich in den letzten Jahren sehr zurückgehalten hat mit dem Unterhalt vieler Schul- und Kindergartengebäude. Alle Gebäude, deren Verwendung nicht völlig klar war, wurden im Unterhalt zurückgestellt…. aber nun kommt es. Zurückstellen bedeutete nicht, dass nicht längst Bedarf bestand. Heute, wo die Voraussetzungen nach der Ablehnung des Bildungskleeblattes und den Entscheiden des Regierungsrates für 6:3 und für Tagesstrukturen wieder klar sind, macht es Sinn, die Schulgebäude wieder an die Bedürfnisse anzupassen. Dass in der Zwischenzeit sich die energetischen Vorschriften massiv verändert haben, bedarf keine weitere Begründung. Wenn wir in absehbarer Zeit ohne die risikoreiche Atomenergie auskommen wollen, werden wir nicht darum herum kommen, auch die energetische Sanierung der Gemeindeliegenschaften, auch der Schulgebäude voranzutreiben. Lobenswert, dass der Gemeinderat dies nicht zufällig, ad hoc, von Fall zu Fall, sondern mit einem überlegten Energiekonzept vorantreibt.

Details und Hintergründe erfahren Sie an den Informationsveranstaltungen vom 24. März 2011 im Schulhaus Feld (Aula 19.30 Uhr) oder am 29. März 2011 im Schulhaus Ost (Mehrzweckraum 9.30Uhr) . Es wird teuer; es ist notwendig, dass wir uns damit beschäftigen, dass wir uns über die Ziele und Projekte ein Bild machen. An der Gemeindeversammlung wird das Projekt zwar auch vorgestellt werden, dort bleibt aber in der Regel nicht die Zeit, sich vertieft mit den Bedürfnissen und den Verhältnissen zu beschäftigen. Nutzen Sie die Info-Möglichkeit von Gemeinderat und Schulpflege: Einladung_Informationsveranstaltungen_Liegenschaftskonzept_Schule

Und wieder einmal Tagestrukturen…

Eine Arbeitsgruppe
befasst sich mit der Einführung von Tagesstrukturen in Suhr, werden
auch Sie in der AZ gelesen haben: Gemeinderätin Carmen Suter
präsidiert die Gruppe, die einmal mehr “den Bedarf” abklären, “das
bestehende Angebot” prüfen und ein Konzept entwickeln soll…
Das haben wir doch schon gehabt! Seit Jahren wissen wir, dass es
einen Bedarf gibt, dass dieser sich aber diffus selber organisiert
hat, so schlecht und recht durchwurstelt. Es gibt alleinerziehende
Beruftstätige, es gibt Doppelverdienerfamilien, sei es weil das
Familieneinkommen sonst nicht ausreicht, sei es, weil beide
Elternteile ihre Berufstätigkeit, ihre Berufsqualifikation nicht
verlieren möchten, weil die Zeit der Kindererziehung nur eine Zeit
im Leben eines Menschen ist und die heutige Arbeitswelt nur noch
ausnahmsweise Kinderpausen von Jahrzehnten duldet. Wer hier noch
Bedarfsabklärungen machen will/muss, hat das Entscheidende nicht
begriffen. Mit Tagesstrukturen ist es wie mit dem öffentlichen
Verkehr, beides ist offensichtlich nötig. Ist es nicht vorhanden,
sucht man sich Notlösungen, schlechte, man fährt mit dem Auto, man
nimmt die Stelle nicht an, zu der man gut qualifiziert gewesen
wäre, man bleibt arbeitslos, weil man nicht zum Arbeitsplatz kommt,
man zieht weg zum Arbeitsplatz und verliert das soziale Umfeld.
Wenn man dann die Leute fragt, sagen alle, dass ÖV schon gut wär,
man habe sich aber nun arrangiert. Genau so ist es mit den
Tagesstrukturen, wer sie braucht, braucht sie, er kann nicht
warten, weil die Kinder (und der Job) hier sind. Das
echo kann nur
einmal mehr sagen: Schafft sie endlich, für alle gut
erreichbar, finanziell erschwinglich und absolut zuverlässig.
Zuverlässig bezüglich den Personen, die unsere Kinder betreuen und
zuverlässig, dass es Tages-strukturen
sind, das heisst definitive von der Gemeinde getragene
Institutionen. Tagesstrukturen müssen so zuverlässig sein wie der
ÖV, wie die Schule, wie das Wasser- und Elektrizitätswerk. Nur dann
werden die berufstätigen Eltern beruhigt ihrer berufliche Zukunft
planen, Stellen antreten für die sie tagsüber ihre Kinder gut
betreut wissen können. Dann werden sich auch Familien ihren
Wohnort aussuchen nach der Qualität der Tagesstrukturen. Nicht der
Steuerfuss ist für Familien entscheidend für die Wahl des
Wohnsitzes, sondern ein gutes Wohnangebot und -umfeld und Schul-
und Tagesstrukturen. Wenn wir hier schneller, besser sind als
Nachbargemeinden haben wir die Nase vorn. Noch sind wir im
Rückstand: wohl bestehen einige Angebote, aber zufällig, privat
organisiert mit dem Risiko, dass alles wieder zusammenbricht,
sobald die Leistungsträger weggehen oder genug haben. Kontinuität
und Bestandessicherheit kann nur die Gemeinde garantieren. Wir
müssen nicht alles neu erfinden wollen! Es gibt längst Gemeinden im
und ausserhalb des Kantons und flächendeckend in Nachbarländern,
die das umgestzt haben. In diesem Blog wurden schon
verschiedentlich Adressen, Links genannt (Suhr
wird Tagesstrukturen anbieten müssen
) (Warum der Mittagstisch bisher nicht
klappte
). Hier ist eine neue öffentliche Aufgabe
gewachsen, der wir uns stellen müssen. Tun wir es und versäumen wir
nicht weitere Monate und Jahre mit Konzepten, nur weil sich
einzelne Personen in unseren Behörden lange nicht um diese Sache
kümmerten, weil sie noch von überholten, nicht nur heilen
Familenwelten aus den Fünfzigerjahren träumen. Es wird dann schon
noch Probleme geben: Weil nämlich die, für die diese Strukturen am
dringensten sind, diese aus finanziellen Gründen nicht nutzen, weil
sie sie nicht für nötig halten und schlechte private,
billigere “Lösungen” dem Angebot der Gemeinde vorziehen, weil
freiwillig zwar gut ist, aber dann manchmal nicht alle erreicht,
die es brauchten. Weil private Initiativen zwar schön und gut sind,
aber wie Privatschulen und Privatspitäler auch eine Konkurrenz zum
Angebot der öffentlichen Hand sein werden; mit dem Ergebnis, dass
beides nur schwer finanziell tragbar ist.

Suhr wird Tagesstrukturen anbieten müssen

Mittagstisch

Einführung von Tagesstrukturen: Der Regierungsrat plant konkrete Massnahmen zur Stärkung der Familien. Er hat dem Departement Gesundheit und Soziales (DGS) den Auftrag erteilt, auf der Basis des Sozialhilfe- und Präventionsgesetzes ein Normkonzept für die Einführung von bedarfsgerechten Tagesstrukturen zu erarbeiten, wie Regierungsrätin Susanne Hochuli darlegte. Nach dem Willen des Regierungsrats sollen die Tagesstrukturen im Interesse der Familien und Kinder zügig ab dem Schuljahr 2012/13 eingeführt werden. Dies vor dem Hintergrund, dass Tagesstrukturen zum einen ein bildungspolitisches Erfordernis sind, gleichzeitig aber auch gesellschafts-, sozial-, gleichstellungs- und wirtschaftspolitisch relevant sind. (Medienmitteilung vom 15.10.09)

Also doch, weil es unumgänglich ist, notwendig und einem grossen Bedürfnis entspricht. Suhr hat bis heute immer versucht, diese Aufgabe sozusagen als freiwilliges Angebot so nebenbei milizmässig organisiert abzuhandeln, so ähnlich wie einen Räbeliechtliumzug. So frei nach dem Motto, wir machen auch das, wenn einige es wollen. Das genügt nicht mehr: Tagestrukturen sind in der heutigen Gesellschaft eine unumgängliche bildungs- und familienpolitische Massnahme, sie sind eine öffentliche Aufgabe. Sie sind gut zu planen und seriös vorzubereiten. Suhr tut gut daran, schnell zu handeln, der Regierungsrat sagt nicht, man müsse bis 2012 warten. Es sind schnell die notwendigen Lokale zu definieren, das Konzept zu erarbeiten und die personellen Mittel bereitzustellen, dann ist es auf den Schulwechsel 2010/2011 möglich. Und bitte nicht im Hinterhof des Spittel oder im Keller eines Kirchgemeindehauses. Tagesstrukuren gehören in die Schulareale, im Gegensatz zu Entsorgungsplätzen. Gute Schulen, fortschrittliche Gemeinden, was wir in Suhr ja sein wollen, warten nicht bis sie vom Kanton gezwungen werden, sondern nutzen die Zeit aus, schnell zu handeln und so auch auf dem Arbeitsmarkt davon zu profitieren, dass es einige Gemeinden verschlafen werden.

Veröffentlicht in Bildung, Tagesstrukturen. Schlagwörter: . Kommentar schreiben »
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.