Vision Aarau

Ja langsam und zurückhaltend, aber in der Richtung klar hat sich die Stadt Aarau geoutet: Sie bietet allen Gemeinden des Bezirks Gespräche an über einen Zusammenschluss in eine neue Gemeinde an: Vision Aarau (2011_08_22_VisionAarau_Dokumentation_gelayoutet): ein neues Aarau, das dann seine Bedeutung und Ausstrahlung als Hauptstadt des viertgrössten Kantons etwas glaubwürdiger ausspielen könnte.  Die als Fernziel angepeilten 100’000 Einwohner, etwas eine Grösse wie Winterthur (das vor 80 Jahren den Schritt mit dem Zusammenschluss der Nachbargemeinden wagte und das seither kaum bereute), würden nicht nur der Stadt sondern der ganzen Region eine völlig neue Entwicklungschance eröffnen.

Das ganze soll nicht von heute auf morgen kommen, aber beginnen muss man mit den konkreten Überlegungen jetzt. Man muss sich auseinandersetzen damit, Vor- und Nachteile analysieren, Vorteile begünstigen, Nachteile zu minimieren suchen. Es gibt nicht nur Gutes: Aber wer nicht heute die Strukturen dieser Region konsolidiert, die politischen Prozesse der realen Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung anpasst, der verpasst eine Chance, die Entwicklung in gute Bahnen zu lenken.

Die Agglomerationsgemeinden sind heute noch keine Sanierungsfälle, aber es wird immer schwieriger, die Bedürfnisse der Einwohnerschaft zu einem vernünftigen Steuerfuss zu befriedigen und sich nicht einfach zu verschulden. Die Region steht im Wettlauf um Standorte in Konkurrenz mit andern Städtchen des Kantons und andern Regionen der Schweiz; zukunftsträchtige Firmen gehen dorthin, wo die Strukturen stimmen,  wo Verkehrswege, Infrastruktur und Wohnqualität optimal aufeinander abgestimmt sind. Hier sind längerfristige Lösungen und Strategien gefragt, ängstliches Festhalten an den dörflichen Verhältnissen ist gefährlich. Bewahren in einer neuen Struktur müssen wir nur das, was uns in unseren überschaubaren Kleinräumigkeit als Heimat ans Herz gewachsen ist, das ist dann aber oft nicht (nur) im alten Dorf, sondern in der Region, in der Stadt, an der Aare, am Maienzug oder Bachfischet, wo im Fürioo de Bach brönnt, d’Sohrer händ en anzündt, d’Aarauer händ en glöschet, d’Chütiger, d’Chütiger rite uf de Frösche, die ganze Region zur Heimat wird. In diesem Sinne müssen wir zusammensitzen und die Vision weiterdenken, weiterentwickeln; möglichst alle und jetzt!

Die heutigen Gemeindegrenzen waren nicht immer.  Die Geschichte zeigt, wie kurz die Zeit der heutigen Dörfer ist, das beweist die kürzliche 200 Jahr Feier in Buchs, 200 Jahre und vorher?

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Entwicklungsleitbild

Ja, da darf man ja gespant sein, wie das Entwicklungsleitbild  nach der Grossgruppenveranstaltung vom 27. August 2011 aussieht: Ob man bei gut 5500 Stimmberechtigten und 75 Teilnehmern von Grossgruppenveranstaltung sprechen kann, liesse sich ja diskutieren. Aber immerhin opferten diese 75 einen grossen Teil des freien Samstages, um über die Zukunft von Suhr nachzudenken und zu debattieren.

Etwas Zumba zwischen den Diskussionstischen konnten allerdings das Dilemma, sich auf völlig widersprüchliche Aussagen für ein “finde ich richtig” oder “finde ich falsch” entscheiden zu müssen, nur bescheiden erleichtern. Und ob sich aus den Resultaten nun ein visionäres Leitbild bauen lässt, erscheint auch etwas fraglich. Die Arbeitsgruppe und der Gemeinderat, die die Veranstaltung gut organisiert und moderiert haben, sind dabei nicht zu beneiden. Gross scheinen die Erwartungen verschiedener Interessengruppen, ihre Ideen zum Leitbild zu erheben, zu sein. Und zumindest in gewissen Bereichen (Was erlaubt die mittel- und langfristige Finanzperspektive; genügt die Behördenstruktur für eine mittelerweile beinahe 10’000 Einwohner umfassenden Gemeinde),  wäre als Grundlage für ein Leitbild vielleicht doch auch eine Analyse eines Experten interessant. Nicht dass die Idee, die Bevölkerung mit Leitbildtischen abzuholen, wo sie sich ohnehin aufhält und der Einbezug möglichst vieler, schlecht wäre; aber vielleicht genügt das JEKAMI doch nicht ganz.

Die Diskussionen waren anständig, korrekt und bemüht, nicht grosse Konflikte zu schaffen. Zuvielen macht der Graben, der sich in Suhr in den letzten Jahren zwischen den massgebenden politischen Kräften aufgetan hat, Mühe. Aber gleichwohl kommt Suhr, und nicht nur Suhr, nicht um die Gretchenfrage herum; wie seht ihr es mit einer Fusion mit einer oder mehreren Nachbargemeinden. Diese Frage steht nun einmal im Raum, nicht weil damit alle Probleme gelöst werden können, sondern weil die grossen Veränderungen im Aufgabenbereich der Gemeinden, die wachsende Mobilität der Bevölkerung  und das Zusammenwachsen der Gemeinden, diese Frage aufdrängen. Was regional angepackt werden sollte, war selten bestritten, nur wie regional etwas umsetzen, wenn doch jede Gemeinde nur auf ihr Portmonnaie und ihren Vorteil schaut. Und wenn nicht jetzt so wird sich Suhr doch in Kürze mit der Fusions-Frage dringend und ernsthaft auseinandersetzen müssen, pro und contra auflisten und dann entscheiden müssen, wie es weiter gehen soll. Jeder und jede wird sich die Frage stellen müssen, was denn Heimat für ihn/für sie bedeutet, ob die sozialen Kontakte die einem als daheimfühlen lassen,  wirklich durch Gemeindegrenzen festgelegt sind. Wenn das Leitbild zumindest eine Brücke entwerfen konnte, auf der längerfristige Perspektiven unvorhereingenommen debattiert werden könnten, wenn mit den Gesprächen etwas Feinbilder abgebaut werden  konnten, dann hat sich dieser Samstag schon mehr als gelohnt. Nach vorne schauen, ja wirklich, das wollen wir, weil es uns hier gefällt.

Kein Trinkgeld für regionale Sportanlagen

Ein Trinkgeld für die KEBA” titelt heute die AZ, um zu beklagen, dass es (einmal mehr, meint das echo) nicht möglich ist, eine saubere, regionale Verteilung der Investitionskosten für die regionale KEBA hinzubringen. Aarau zahlt 57% bei einem Bevölkerungsanteil der Region von 20%,  Suhr und Buchs zahlen wenigstens noch den prozentualen Anteil ihrer Bevölkerung, der Rest der Region stielt sich aus der Verantwortung! Die Ausreden sind mehr oder weniger gut. Das hatten wir doch schon mehrmals, und was sind die Konsequenzen daraus? Dass Anlagen für die ganze Region nun einfach nicht mehr gebaut werden können? Dass es an Aarau hängen bleibt, bis die auch nicht mehr bereit sind, zu investieren? Ja so geht es nicht, schon lange nicht mehr, da wurstelt man sich doch einfach weiter durch. Und wo sind die Ideen für eine echte regionale Entwicklung, für einen Schub in Innovation, Fortschritt und Standortqualität. Da hat doch soeben der regionale Planungsverband eine Maus geboren (vgl den Beitrag von lienhard unten). Eine Drittelstelle für die regionale Planungsentwicklung soll uns weiterbringen…..

Ja, nur weil wir einfach nicht wagen, einmal die Fusion der Region in ein neues Aarau-Regio in die Wege zu leiten. Dies als Aushängeschild des viertgrössten Kantons der Schweiz, der mehr zu bieten hätte als Autobahnen, Atomkraftwerke und Kehrichtdeponien. Nicht dass wir beginnen müssten, mit dem grossen Stadtkantonen zu wetteifern, aber es wäre langsam auch an der Zeit, die wirklich nicht unbescheidene Standortqualität dieses Kantons, sei es als Wohnortregion inmitten der Haupverkehrsachsen mit besten Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr, sei es als Standort für Dienstleistungen und Industrie, mit den gleichen obgenannten Vorteilen. Sei es als Landschaftsraum von bescheidener aber erholsam schöner Art, mit einer Landschaft, die zum täglichen joggen, wandern oder biken geradezu einlädt, ohne dass es am Abend zu weit wäre, auch kulturell etwas zu geniessen. Wo bleibt der politische Mut, dafür einmal etwas Neues zu wagen? Die Region Aarau hätte heute die Chance verdient.

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Regionalentwicklungskonzept; ausser Spesen nichts gewesen

Vor Jahresfrist traf sich die gesamte Politelite im Aarauer KUK und diskutierte ein regionales Entwicklungskonzept: Die Region ist zusammengewachsen, die Probleme sind lokal nicht mehr zufriedenstellend lösbar, die Region müsse ran, war der allgemeine Tenor, breit getragen von  den beinahe vollständigen Gemeindebhörden und einigen wenigen “Unabhängigen”. “Der Prozess ist lanciert, die Probleme und Lösungsansätze liegen auf dem Tisch, viele, auch Amtsträger haben diese Gedanken mitgetragen. Jetzt brauchen wir nur den Mut, diese Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen.” lautete damals mein Fazit (siehe auch im echo).

Gestern, nach einem Jahr Arbeit des Planers wurde uns das Ergebnis vorgestellt: Eine schöne, immer noch richtige Zusammenstellung der Fakten, bescheiden und vorsichtig gewichtet, geprägt von der Angst, etwas mutiges Zukunftsträchtiges zu sagen mit dem Fazit, der PRA als Planungsverband sei mit einer 33% Stelle auszustatten, die dann die Regionalentwicklung weitertreiben werde.

Das kann doch nicht ernst gemeint sein! Wie soll eine kleine Teilzeit-Planer-Stelle in einem Verband, der keine Kompetenzen hat, der mit einem Einstimmigkeitsprinzip von jeder Gemeinde blockiert werden kann, überhaupt je etwas bewirken. Wer glaubt denn sowas!

Haben hier die Vorstandsmitglieder gewirkt (mit Gemeindeammänner nahe am Rentenalter? Frauen oder jemanden unter 5o Jahren gibt es dort ohnehin nicht), haben sie jeden Ansatz für eine wirkliche Regionalentwicklung im Keime erstickt? Und bald werden sie weiter klagen, dass überregionale Sportanlagen (das Beispiel KEBA ist topaktuell), Verkehrsprobleme, Umweltanliegen, Tiefenlagergelüste der NAGRA, koordinierte Bauzonenplanung, regionale Standortmarketings nicht befriedigend lösbar sind.

Ich weiss die “Lösung” nicht: Ich weiss aber, dass wir vor einem Jahr in einer guten Diskussion erheblich weiter waren. Die Feststellung, dass der konkrete und gelebte Siedlungsbereich nicht mehr ansatzweise mit den administrativen politischen Strukuren übereinstimmt, war vor einem Jahr kaum ernsthaft bestritten. Dass dies nur verbessert werden kann, wenn sich die gesamte Region eine politische Struktur gibt, die wirklich handlungsfähig ist, sei das durch Fusionen beginnend im Zentrum oder durch einen Regionszusammenschluss  a la Glarus, war und ist offenkundig. Dass viele, v.a. die Behördemitglieder dazu nicht bereit sind, um ihre Posten fürchten, ist auch bekannt. Hier hätte die gestrige Diskussion ansetzen müssen: Mit welchen Modellen, welchen Vorbereitungsphasen könnte diese Angst abgebaut werden. Wie kann verhindert werden, dass jede Gemeinde, jeder Bürger krämerisch rechnet, ob er kurzfristig etwas gewinnt oder verliert. Wie lässt sich ein Scherbenhaufen a la Baden/Neuenhof verhindern, dass plötzlich auch Aarau, das nicht ausbaufähige und überall blockierte Kleinststädchen, wie dort Baden meint, sein Vermögen und seine Steuerkraft so lange wie möglich vor den wachsenden Agglogemeinden schützen zu müssen. Wer behält welche Schulstandorte, wer Werkhöfe und Verwaltung, wohin sind die Arbeits- und Industriezonen und damit auch der Verkehr in der Region sinnvoll? Ja, das wären die Fragen…auf die ich auch noch keine definitiven Antworten habe, vor denen ich mich aber auch nicht fürchte. Heute wären diese Fragen/Probleme zu lösen, nicht kurzfristig, aber befriedigend für alle Einwohner der Region. Was in der Siedlung längst zusammengewachsen ist, muss auch politisch wieder auch die gleiche Ebene gebracht werden, demokratisch mit dem Einbezug der Bevölkerung. Oder haben uns morgen andere Regionen den Rang abgelaufen?

“Frischer Wind”  hiessen auch diesmal die Moderatoren, zu spüren war davon nichts mehr.

NB:

Das ganze Konzept finden Sie auf der Homepage des PRA oder hier (Regionalentwicklungskonzept_110112); lesen Sie selber und sagen sie, was Sie davon halten: Die Vernehmlassung läuft bis zum 29. April 2011. Sie können auch hier im Blog Ihre Meinung sagen.

Der Holperiweg ist tot: der historische Direktweg Suhr-Aarau wurde gesperrt

Nachdem viele Suhrerinnen und Suhrer auf dem gewohnheitsrechtlichen Veloweg im Aarauerfeld am  Spitalparkplatz vorbei Richtung Aarau fuhren, wurde dies in den letzten Jahren immer mehr zu einer Glückssache und einem Wagnis, weil die Anwohner den Unterhalt ihrer “Privatstrasse” sträflich vernachlässigten. Sanieren war ihnen zu teuer, der Stadt abtreten wollten sie auch nicht, sie liessen ihn mit Schlaglöchrern übersäht, um den Velofahrern, darunter vielen Kindern diesen Weg zu vermiesen. Dass hier niemand schwer gestürzt ist, grenzt an ein Wunder.

Und nun haben die Anwohner die Lösung gefunden, sie sperrten die Strasse für die Suhrerinnen und Suhrer, sanieren sie für teures Geld und behalten den Durchgang mit Schranken und richterlichem Verbot den Eigentümern vor. jahrzehnte-, nein jahrhundertelang bildete dieser Weg die direkteste Verbindung zwischen dem Aarauerfeld in Suhr und der Stadt Aarau. Nun hält eine Metallsperre alle ausser den Anwohnern ab. Diese nehmen sogar in Kauf, dass der Weg nicht mehr von Schnee geräumt wird und keine Kehrichtabfuhr mehr durchfährt.

Doch dieser Weg ist längst gewohnheitsrechtliches Wegrecht für alle Bewohner des Aarauerfelds, er ist sowohl in der Michaelis-Karte 1840 wie in der Siegfriedkarte 1880 verzeichnet. Der direkte Weg zur altehrwürdigen Teigwarenfabrik Businger, Fuss- und Veloverbindung für viele. Gesperrt von Neuzuzügern und niemand wehrt sich.  Es geht im Gegensatz zur Darstellung im Sonntag (Privatweg_Sonntag-15 8 2010) nicht bloss um die Eigentumsverhältnisse, sondern um das jahrzehntealte Wegrecht. Warum setzt sich die Stadt Aarau nicht für diese (bei intakter Strasse) ungefährliche Veloverbindung nach Aarau ein? Die privaten  Eigentümer haben vorgegaukelt, den Weg nur für Autos sperren zu wollen (was noch verständlich wäre…), sie bleiben dabei aber die Erklärung schuldig, warum sie ein richterliches Verbot und ein allgemeines Fahrverbot installieren liessen und warum die Metallsperre niemandem mehr Durchlass gewährt. Wenn der Weg, was nun absehbar erscheint, wirklich auch für Fussgänger und Velos gesperrt werden sollte, das allgemeine Fahrverbot bleibt, wird die Gemeinde Suhr dieses Wegrecht einklagen müssen. Es kann nicht sein, dass einige wenige Private altrechtliche Wegverbindungen in dieser Region schliessen können.

Buchser Schüler am Aarauer Maienzug

Nein, das ist kein Witz und bisher erst in einer unscheinbaren Notiz medial kommuniziert worden. Das widerspenstige Buchs, das dieses Jahr stolz seine 200 Jahre Eigenständigkeit von Suhr feiert, schickt seine Schülerinnen und Schüler an den Maienzug nach Aarau. Die Jugend, die Zukunft des stolzen Dorfes, das sich bisher einem gallischen Dorf gleich gegen alle Fusionsideen erfolgreich zur Wehr gesetzt hat, knickt ein.

Was ist denn da geschehen? Hat Aarau die Buchser genötigt, weil die Kleinstadt mangels Kinder keinen echten Umzug mehr zustande gebracht hätte? Setzt Aarau den politischen Auftrag, mit den Nachbargemeinden das Gespräch über eine Fusion aufzunehmen so um, indem die Kinder zuerst auf die Aarauer Kultur-Highlights gluschtig gemacht werden. Oder ist tatsächlich die Erkenntnis gereift, dass die Kreisschule Buchs-Rohr nach der Fusion Aarau-Rohr etwas quer in der Landschaft steht und die Schule Buchs, wenn Rohrs Schülerinnen und Schüler nach Aarau zur Schule gingen, allein mit massiven Schwierigkeiten zu rechnen hätte. Wenn es letzteres ist, das zu dieser kühnen Idee führte, dann schöpft auch das echo wieder Hoffnung. Dass in den nächsten Jahren doch vielleicht Vernunft und zukunftsgerichtete Gedanken wieder eine Chance erhalten, was auch in Suhr mit Interesse zur Kenntnis genommen werden wird.

Suhr hingegen hält sich tapfer, sucht sich die Schülerinnen und Schüler in Hunzenschwil und Gränichen zusammen, um den kantonalen Vorgaben an die Grösse der einzelnen Oberstufen genügen zu können. Ja nicht weiter denken, ja nicht weiter planen. Das Jugendfest bleibt im Dorf, am Maienzug der Aarauer bleiben zwar auch Suhrs Schulhäuser geschlossen, aber das hat ja nichts zu tun mit Zusammenarbeit.

Wann endlich kann man ohne Scheuklappen in der Region Aarau prüfen, an welchen Standorten welche Schulstufe für die Kinder optimal geführt werden soll, unabhängig von den Gemeindegrenzen. Warum kann man nicht einmal eine öffentliche Tagesschule in der Region anbieten, die allen Schülerinnen in der Region offensteht, wenn die familiäre Situation mit einer Tagesschule besser ergänzt werden kann. Dafür sind die einzelnen Gemeinden je zu klein, hier könnten sich in einer grösseren Verwaltungseinheit völlig neue Chancen eröffnen.

PS: Und wussten Sie, dass der Bachfischet in Suhr beginnt und einzelne Suhrer Schulklassen seit Jahren regelmässig am Aarauer Umzug des Bachfischet teilnehmen ohne grössere Schäden davonzutragen…

Wer fürchtet sich vor dem bösen Wolf?

Aarau stellt die Fusionsfrage (vgl AZ vom 30.3.2010), und viele Nachbargemeinden, zumindest die angefragten Exekutivmitglieder, zucken angstvoll zurück.  Nach der Entwicklungskonferenz des Regionalplanungsverbandes (lesen Sie hier im Blog) darf aber niemand mehr vor dieser Frage zurückschrecken. Zu klar zeigte sich, dass die regionale Zusammenarbeitauf eine neue Grundlage gestellt werden müsste. Die Frage der Fusion liegt damit längst auf dem Tisch! Jetzt sind einmal die Details anzuschauen: Was würde denn ändern, was würde bleiben, wie könnte eine Fusion aussehen, welche Konsequenzen hätte es für die Schulen, die Oberstufenstandorte, die Verwaltungsabteilungen, die technischen Betriebe, auch den Steuerfuss etc. Erst wenn wir das einmal durchdenken, durchrechnen und ausdiskutieren, sind weitere Entscheide sinnvoll. In Suhr haben die Wählerinnen und Wähler nach dem vehementen Widerstand der  “echten Suhrer”  dem Bündnis Zukunft Suhr das Vertrauen geschenkt. Zukunft Suhr hat diese Wahl gewonnen mit dem Versprechen, nicht auf direktem Weg sich in die Arme Aaraus zu werfen, aber ernsthaft und gründlich die Frage der Fusion zu prüfen und mit der Bevölkerung zu diskutieren. Dieses Versprechen ist einzulösen. Alles andere ist unverständlich und missachtet den Wählerauftrag. Die letzten Wochen haben die Wahlkampfgräben wieder etwas zugeschüttet, das ist richtig so. Die Fusionsdiskussion ist kein parteipolitisches Thema, es muss im Interesse aller Einwohner von Suhr und der Region sein, sich Gedanken um die längerfristige Zukunft zu machen. Nicht erst, wenn der Steuerfuss wieder zum Thema wird, sondern heute, wo Suhr noch aufrecht und mit gesunden Strukturen dasteht und auch nicht als Sanierungsfall auf Almosen einer Nachbarstadt angewiesen ist. Über eine Fusion verhandeln kann man nur, wenn man sich auch tatsächlich gegen die Fusion entscheiden könnte, nicht wenn aus finanzieller Not gar keine Wahl mehr bleibt. Das echo erwartet vom Gemeinderat Suhr, dass er die Diskussion aufnimmt und schnell gründliche und gut dokumentierte Entscheidungsgrundlagen vorzubereiten hilft. Suhr hat seine Werte, bringen wir sie ein, prüfen wir einmal, ob nicht Synergien für alle denkbar wären, ohne die Vorteile von Lebensqualität, liebgewordener Landschaft und nachbarschaftlicher Überschaubarkeit aufgeben zu müssen.

Und vielleicht ist der Wolf ja gar nicht so böse…

“Ich bin ein Suhrer”

“Ich bin ein Berliner” sagte Kennedy in seiner historischen Rede 1963, um dem damals noch isolierten Berlin seine Verbundenheit kundzutun. Ja, so schmückt sich auch das echo mit derart geschichtsträchtigen Worten, um einmal entgegen aller Mutmassungen klarzustellen, dass ihm etwas an Suhr liegt, dass es mit Suhr verbunden ist, und nicht zufällig seinen Blick vom Suhrer Wahrzeichen auf die Geschehnisse im Dorf richtet.

Ja, wer länger hier wohnt, entwickelt eine Verbundenheit mit diesem Wohnort, seinen Nachbarn, den Schulen und den dort gewonnen Freundschaften. Den Vereinen, wo die Freizeit teilweise verbracht wird, aber auch mit der geliebten Joggingstrecke, dem täglichen Hundeauslauf, dem Bikeweg. Aber auch mit den Waldhütten, den Beizen und Restaurants, der Bärenmatte und den Kirchen. Vielleicht sogar mit den überlangen, nur teilweise lustigen und unterhaltsamen Gemeindeversammlungen entwickelt man eine Sympathie, einmal mehr und einmal weniger. Überall, wo man Erinnerungen hat, wo man schöne oder auch weniger schöne Erlebnisse hatte, die einen prägten, zu dem machten, was man ist.

Ja, der Versuch, Heimat zu beschreiben, ist nicht ganz so einfach. DeutschlehrerInnen haben ganze Generationen von Schülern schon mit derartigen Aufsatzthemen gequält.

Aber das echo muss hier klarstellen, dass diese Heimat, diese Verbundenheit mit der nahen Umgebung und vor allem seinen Bewohnern auch nach Jahren des gleichen Wohnortes nichts zu tun hat mit der Frage, in welchem Gemeinwesen sich die Bedürfnisse der Bevölkerung am optimalsten (qualitativ gut und zu tragbaren Kosten) befriedigen lassen. Die Gemeindegrenzen sind heute vielfach überholt. Die Verkehrsmittel haben sich in den letzten 30 Jahre in einer Art entwickelt, die uns neben verstopften Strassen auch ein Vielzahl von Möglichkeiten geben, unsere Bedürfnisse auch in einem weiteren Umfeld zu decken. Kommunikationsmittel wie Computer, Internet und Mobiltelefone haben neue Verhaltensweisen ermöglicht und neue Bedürfnisse geschaffen. Die Dörfer und Städte sind zusammengewachsen, Wohn- und Arbeitsorte liegen oft weit voneinander entfernt; die Bedeutung des Dorfes ist nicht mehr dieselbe, wie früher! Gerade im Berufspendlerverkehr, den Freizeitbedürfnissen gehen heute viele Leute auch in Suhr andere Wege als noch in den letzten Jahrzehnten. Die Bedürfnisse sind markant anders geworden.

So tun als wäre das nie geschehen, ist nicht einfach schwärmerische Romantik. Es behindert und verhindert eine Entwicklung der Region. Eine Entwicklung, die die Dienstleistungen der öffentlichen Hand kontinuierlich den Bedürfnissen der Einwohner anzupassen hat. Anpassen müssen wir unseren Heimatbegriff, ihn lösen von der Gemeinde als Verwaltungseinheit als politische Organisation. Unser Verhältnis zum dörflichen Lebensraum müssen wir nicht über Bord werfen, verleugnen, aber uns bewusst werden, was uns denn wirklich nahe ist und ans Herz gewachsen ist. Heimat müssen wir trennen von der Gemeindeorganisation, an die wir uns zwar gewöhnt haben, die aber nicht wirklich unser soziales Netz verkörpert. Obama knüpfte bei seinem Besuch in Berlin zwar an die historischen Worte Kennedys an. Aber auch Berlin 2008 war nicht Berlin 1963; und Obama sah schon vor seiner Wahl mehr denn je auch Veränderungsbedarf. Veränderungen sind möglich, Yes we can. ……………..Ja, ich bin ein Suhrer, aber Suhr ist nicht mehr, was es war.

Standortmarketing in Suhr

Der Gemeinderat Suhr beabsichtigt eine Kommission für ein Standortmarketing einzusetzen. Unter anderem der Bahnhof Suhr mit seinem Potential für eine zentral, verkehrsgünstig an Bahnhöfen von SBB und WSB und Bus gelegen mit hervorragenden baurechtlichen Chancen in der Kernzone soll “unter die Leute” gebracht werden. Das ist gut, gut gemeint, aber veilleicht nicht so einfach. Suhr steht mit dem Wunsch, gute Arbeitsplätze (gemeint sind wohl Firmen mit gutem Wertschöpfungspotential, möglichst vielfältigen Personalbedarf in unterschiedlichen aber eher guten Qualifikationen und ohne grosse Lagerbedürfnisse mit wenig Immissionen) nicht allein da, alle Nachbargemeinden, auch andere Regionen im Kanton und andere Kantone, andere Zentren wollen das selbe. Alle wollen gute Arbeitsplätze haben und dann möglichst die qualifizierten, gutbezahlten Mitarbeiter dieser Betriebe auch als Steuerzahler gewinnen. Da dürfte es schwierig werden, selbst wenn das Angebot Suhrs gut ist.

Die Entwicklungskonferenz des Planungsverbandes hat derartige Fragen und Probleme Ende Februar breit abgestützt diskutiert und allen war dort klar, dass diese Aufgabe nur regional zu lösen ist. Wenn wir es bloss darauf anlegen, einen Betrieb aus einer Nachbargemeinde nach Suhr zu holen, ist das zwar schön, aber wohl kein wirklicher Erfolg. Ein Betrieb aus einem andern Kanton, einer andern Region oder gar aus dem Ausland, wird aber kaum auf ein Angebot aus Suhr warten. Suhr who? wird er fragen, wenn er überhaupt vom “Standortmarketing” Suhrs je erfahren wird. Suhr hat nicht nur das Bahnhofareal anzubieten, Suhr hat als Gemeinde in der verkehrsgünstig gelegenen Region Aarau auch sonst einiges anzubieten. Bloss wird es ein wirklich externer fremder Betrieb nicht als Angebot Suhrs wahrnehmen, weil für Auswärtige die einzelnen Gemeinden in der Region nicht mehr als selbständige Gemeinden erkennbar sind und auch als eigenständige Gemeinde für anzusiedelnde Firmen keine Bedeutung haben. Für diese Firmen sind die allgemeinen Dienstleistungen des Gemeinwesens wichtiger, gute Infrastruktur, kompetente Ansprechpartner in Behörden und Verwaltung, gute Abgaben- (Strom, Baubewilligungen, Erschliessungsabgabenetc.) und Steuerverhältnisse stehen vor der kommunalen Eigenständigkeit, welche für Firmen generell keine Bedeutung hat. Viel wichtiger ist es für eine Firma mit auch überregionalem Angebot, dass sich ihr Standort auch kommunizieren lässt, dass man den Ort ihres Firmensitzes auch zumindest im nationalen Rahmen kennt, einordnen kann.

Das können wir beklagen, uns dagegen wehren, es negieren. Es wird uns nichts nützen, es ist so. Genau hier lägen Chancen und neue Möglichkeiten in der so wenig geliebten Fusionsdiskussion. Die Zonierung um den Bahnhof und die Verkehrserschliessung verbessern, war richtig und nötig. Daraus aber etwas zu machen, werden wir als Agglomerationsgemeinde Suhr allein nicht können, hier sind weitere Schritte dringend anzugehen.

la région n’existe pas oder Entwicklung in die Zukunft?

Ein beachtliche Zahl von rund 150 Behördevertreter und Interessierten versammelten sich zwei Halbtage im Aarauer KUK (wie der altehrwürdige Saalbau heute heisst) und debattierten über Lösungen für eine gemeinsame, nicht nur planerische Zukunftsstrategie in der Region Aarau.

Von allen wurden Aufgaben genannt, beschrieben und umrissen, die vermutlich besser im regionalen Rahmen gelöst werden könnten, für deren Lösung Gemeindegrenzen Hemmnisse und Erschwerungen bieten. Nicht nur Raumplanung und Verkehrsströme, auch kulturelle Aktivitäten, Sportanlagen und Wirtschaftsförderung wurden regelmässig genannt in denen mit den Thesen des Planers die effektiven Grenzen der Entscheidungsorgane nicht übereinstimmen mit den wirklichen Bedürfnissen. Trotz dem praktisch generellen Willen zur Zusammenarbeit, scheitern häufig Projekte über die kommunalen Grenzen an den Eigeninteressen der Gemeinden. Eigennutz und Partikularinteressen bremsen die regionale Entwicklung, verhindern eine Ausnutzung der hervorragenden Standortsituation der Region Aarau. Dies zum Schaden aller: Wenn es nicht gelingt, die guten Voraussetzungen bezüglich Verkehrserschliessung und zentraler Lage in der Schweiz, verbunden mit der guten Wohnqualität, dem bezahlbaren Wohnraum in bester Lage zu Naherholungsgebieten besser im nationalen Standortwettbewerb zu positionieren, wird die Ansiedlung qualitativ hochstehender Arbeitsplätze, wird eine nachhaltige Entwicklung der Region überhaupt zur Illusion.

Neben den vielen besser regional zu lösenden Aufgaben stellte sich plötzlich die ketzerische Frage, was denn überhaupt noch idealer im lokalen Rahmen der Gemeinde zu lösen wäre!

Schwierig war dann aber das Eingeständnis der Konsequenzen aus dieser Analyse: Es gibt kein Gremium, das demokratisch legitimiert die Aufgaben in einem regionalen Rahmen angehen und lösen könnte, wenn dies nicht eine neue grössere, fusionierte Grossgemeinde ist. Dass diese Aarau heissen wird, ist klar, das Suchen nach einer neuen Bezeichnung wirkte dabei geradezu skurril. Dieses neue Aarau wäre aber nicht mehr mit dem heutigen Klein-Aarau zu vergleichen, mehr Regionsbürger als Alt-Aarauer würden neu die demokratisch die Zukunft der ganzen Region, der neuen Zentrumsstadt mitbestimmen, als Chance der ganzen Region. Auch für die heutige Kleinstadt ein neuer Ansatz.

Ob die “offizielle” Auswertung der Konferenz dieses Ergebnis bestätigt, ist noch offen, das angekündigte Prozedere über eine Vernehmlassung bei den Exekutivbehörden kann diese zumindest teilweise ungeliebte Erkenntnis wieder relativieren und verwässern. Schlecht abgestützte Regionalräte und zahnlose Entwicklungsfonds gefährden das Selbstverständis der Gemeinden halt weniger und noch einfacher wäre es, die Analyse etwas in Verwaltungsschubladen vergessen zu lassen….

Der Prozess aber ist lanciert, die Probleme und Lösungsansätze liegen auf dem Tisch, viele, auch Amtsträger haben diese Gedanken mitgetragen. Jetzt brauchen wir nur den Mut, diese Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen. Dies ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen werden kann. Fusionen haben nicht nur Vorteile, Risiken sind sorgfältig herauszuschälen, Nachteile zu minimieren. Dabei präsentiert sich die Lage von Gemeinde zu Gemeinde etwas verschieden.  Nichtstun geht aber nicht mehr. Dass die Moderatoren sich “Frischer Wind” nannten, ist hoffentlich ein gutes Omen. Wer macht den nächsten Schritt?

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