Warum steigen in Suhr die Stromkosten?
Verfasst von echovomsuhrerchopf am 5. September 2008
Mit den neuen Elektrizitätsreglementen sollen die Strompreise auch in Suhr rund 20% steigen. Liberalisierung des Strommarktes, heisst das Zauberwort: Die Zeche zahlen wir Konsumenten:
Das Debakel war vorhersehbar
Das Preisdebakel war voraussehbar. Von der Gesetzgebung her wäre es vermeidbar, doch das Verhalten der Elektriker überrollt den Gesetzesvollzug. Öffentlich rechtfertigt Josef Dürr, Direktor des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) die Preiserhöhungen so: «Das Gesetz verlangt eine Bewertung der Anlagen zu Anschaffungskosten.» Das ist nicht nur unkorrekt, sondern geradezu eine Manipulation! Die Stromversorgungsverordnung sagt ausdrücklich: «Als betriebsnotwendige Vermögenswerte dürfen höchstens berechnet werden: die Anschaffungs- bzw. Herstellrestwerte der bestehenden Anlagen, die sich aufgrund der Abschreibungen ergeben.» Von einer Pflicht zur Erhöhung der Netzbewertung keine Rede!
Die Stromversorgungsunternehmen, die sich zu 90 Prozent im Eigentum von Gemeinden und Kantonen befinden, hatten ihre Netze aufgrund der Restbuchwerte bereits stärker abgeschrieben, als dies das heutige Gesetz vorsieht. Die Netze sind also von den Konsumenten längstens bezahlt worden. Eine Aufwertung auf den Anschaffungsrestwert ist zwar rechtlich möglich, aber nicht vorgeschrieben. Sie bedeutet, dass der Kunde das von ihm bezahlte Netz nochmals zahlt.
EX-Preisüberwacher Rudolf Strahm im Tagesanzeiger (5.9.08)
Haben auch die TBS für die Bewertung ihrer Anlagekosten nochmals Werte eingesetzt, die wir Stromkonsumenten bereits in den vergangenen Jahren bezahlt haben? Warum müssen die Einwohner und Eigentümer der TBS die selben Netzdurchleitungspreise zahlen, wie Dritte, die bisher diese Anlage nicht finanziert haben? Wie lässt sich dies mit einer entsprechend erhöhten Konzessionsabgabe der TBS an die Gemeinde und damit wieder zu Gunsten der Steuerzahler korrigieren?
Bevor wir den neuen Tarifen zustimmen, werden wir hier noch genauere Zahlen erhalten müssen.

lienhard sagte
noch am infoforum vom 25. august 2008 wurde von den anwesenden ohne grosse reaktion die ankündigung entgegengenommen, dass nun halt die strommarktliberalisierung auch in suhr zu stromkostensteigerungen von bis 20% führen werde. erstaunlich! wenn es um grünabfuhr geht, um steuerfusserhöhungen etc sind die suhrerinnen und suhrer jeweils sehr kostenbewusst. wenn die tbs keinen scherbenhaufen riskieren wollen, werden sie die anpassungen nochmals sehr gut kommunizieren müssen. der verweis bloss darauf, dass in den letzten jahren die strompreise gesunken seien, genügt jedenfalls nicht.
Heiner Kilchsperger sagte
Ein wichtiges Ziel der Liberalisierung des Strommarktes und des neuen Energiegesetzes war die konsequente Förderung erneuerbarer Energien durch die kostendeckende Einspeisevergütung. Für solche zukunftsgerichtete Entwicklungen sind steigende Energiepreise zu akzeptieren. Nun kommt die Förderung der erneuerbaren Energie aber nur in kleinem Ausmass zum Zuge, da die Mittel vor allem für Photovoltaik viel zu gering sind: Innert zwei Tagen nach dem Startschuss waren so viele Projekte eingegeben, dass die finanziellen Mittel auf Jahre hinaus ausgeschöpft sind!
Dafür zahlen wir dann für Netzkosten mehr, die ja auch bisher schon mitgerechnet wurden.
Lienhard sagte
so einfach ist es nicht: ich meine auch nicht die kostensteigerung, welche sinnvoll ist und begründet erscheint, wie diejenige für die förderung erneuerbarer energien. dass hier nicht alles überzeugt ist dann ein anderes thema. mich interessiert, wieso dann das ekz die strompreiserhöhung auf 10,8% beschränken kann mit der gleichen förderung erneuerbarer energien (und auch einem anteil für die netzdurchleitung!) und wieso die tbs knapp 20% aufschlagen müssen. diese rechnung, diese unterschiede müssen transparenter werden!
echovomsuhrerchopf sagte
Also nun kommt doch noch Bewegung in die Strompreisdiskussion: BR Leuenberger hat sich die Strombarone zur Brust genommen und ihnen erklärt, was derartige Strompreiserhöhungen in vorrezessiven Zeiten auslösen können… auch die die Stromwirtschaft, so privat sie auch ist oder geführt wird, ist ohne politische Rahmenbedingungen nicht in der Lage, volkswirtschaftliche Dimensionen ihrer Entscheide mitzugewichten. Das hatten wir doch kürzlich schon mal….
Eine neue Übergangsbestimmung in der Stromversorgungsverordnung soll die Abschreibungsproblematik bei den Netzen lösen, sagte Leuenberger. Sie verbietet eine Aufwertung der Netze über den per 30. September 2006 verzeichneten Buchwert. Erst ab 2011 könne dieser Buchwert linear über 8 Jahre verteilt auf den Anschaffungsrestwert aufgewertet werden. (Tagesanzeiger, 24.10.2008)
Nun werden auch die Tarife in den Gemeinden nochmals überprüft werden müssen!
Echo vom Suhrerchopf sagte
Nun kommt wirklich Bewegung in die Sache. BR Leuenberger hat den Unmut aus Bevölkerung und Wirtschaft besser und schneller aufgenommen als die kleinen Werke. Nun werden auch die TBS neu rechnen müssen. Durch den angenommenen Antrag an der Gemeindeversammlung ist das Gefüge der Tarife ohnehin durcheinandergeraten:
NZZ Online vom 5.12.2008
Bundesrat drückt Strompreiserhöhung
Aufschläge um durchschnittlich 40 Prozent reduziert